18.11.2012 - Eisenach 1
Die Tage vor dem Urlaub sind Stress pur, und es gibt sehr wenig, was aufhebenswert wäre. Dieses Wenige habe ich vergessen. Das kann es nicht sein. Ich will nicht, dass mein Leben so ist.Die Fahrt nach Eisenach ist anstrengend, die Kinder sind aufgeregt, das Bahnpersonal auch. Nach jeder Station kommt eine zweisprachige Ansage, und jedesmal fängt die englische Ansage so an: "Ladies and ... eh ... gentlemen". Jedesmal kommt das Zögern vor den Herren, spätestens ab Erfurt müssen wir lachen.
Als wir in der Pension ankommen und die Wirtin uns aufmacht, prescht das kleinere Kind in die erste Reihe und stellt uns sofort alle vor. Es hat sich hier in den knapp zwei Jahren nichts verändert, was ich bemerken würde. Diesmal bekommen wir eine sehr geräumige Wohnung unter dem Dach, wir sind alle sofort eingenommen von der Großzügigkeit des Hauses und den alten Möbeln (insbesondere von dem Frisiertisch).
Später spazieren wir in die Stadt hinunter, es ist schon dunkel geworden und die Fachwerkstadt mit den alten, erhellten Fenstern sieht sehr heimelig aus. Das ältere Kind läuft nur, wenn die Maschine mit Geschichten geölt wird, also werfe ich schon am ersten Abend Elisabeth von Thüringen (Herkunft, Entbindung auf der Wartburg, Rosenwunder), Luther (Religionsspaltung - wie erklärt man das?, Tintenfasswurf, Bibelübersetzung) und Bach (allgemein) in die Runde. Die Cosel flackert nochmal kurz auf, wir finden es seltsam, dass ihr auf Stolpen Freiheit und Kinder entzogen wurden, nicht aber ihr Vermögen. Ich rede, das Kind läuft, ich werde heiser, dem Kind wird warm. Nebel zieht durch die Gassen, Sonntagabendstimmung geht über den Markt.
Nach langer Restaurantsuche einigen wir uns auf eine Pizzeria. Die Kellner sind ganz entzückt von den Kindern, streicheln dem kleinen immer wieder über den Kopf, bringen dem großen eine riesige Flasche Ketchup. Das große Kind hat sich, wie oft im Urlaub, für eine Schnitzelphase entschieden. Uns fällt auf, dass die Kinderkarten in Restaurants oft ganz scheußliche Fertiggerichte anbieten, während die Erwachsenen frischgekochtes bekommen.
Auf dem Rückweg verpassen wir natürlich den Bus. Wir gehen die ein, zwei Kilometer also durch den Wald, Nebel steht dicht um uns, der Weg ist dick mit nassem Buchenlaub vollgeblättert. Den Pummpälz, den ich vorhin noch als eine Art Teddy-Kobold beschrieben habe, darf ich jetzt nicht mehr erwähnen, meint das große Kind patzig. Alleine wäre ich diesen Weg am Wald entlang auch nicht gegangen, viel zu gefährlich für eine Frau, viel zu gruselig außerdem. Aber jetzt ist es ganz anders, ich mache mir nur Sorgen, ob wir schnell in die Pension kommen werden. Wir singen ein Lied nach dem anderen, die Kinder lernen "Ein Mops kam in die Küche", bei dem ich immer alles verwechsle.
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24.11.2012 - 18:36 Uhr
chrinamu
?? Ist das ironisch gemeint?