23.11.2012 - 18:30 Uhr

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Der Sparfuchs in mir

Text: jetzt-redaktion - Foto: jala / photocase.com


Haushaltsbedarf
Obwohl ich schon sehr früh meinen Dreck selbst wegmachen und meine Wäsche eigenständig verwalten musste, kann ich bis heute nur unter großem Jammern Geld für Haushaltsbedarf ausgeben. In Wohngemeinschaften war ich immer die, die keine Gemeinschaftsgüter mitbrachte und sogar stolz darauf war: Leute mit eigenen Haushaltsgeräten waren für mich vom selben Kaliber wie jene, die schon ein Kind in ihrem Leben herumschleppen, obwohl sie eigentlich noch zu leicht und zu frei dafür sind. Heute lebe ich längst in meiner ersten eigenen Wohnung und musste mir bereits diversen Haushaltsbedarf selbst kaufen - aber noch immer legt mir der Gedanke an Staubsauger, Feudel und Putzeimer ein graues Puder auf die Lebensgeister. Nie kommt mir der Besorgungsprozess schwerfälliger und mein Geld mir vergeudeter vor, als wenn ich es für grau-türkisen, naja, Plastikmüll aus dem Baumarkt ausgeben muss. Erschwingliche Putzsachen haben meistens die Formsprache einer 90er-Jahre-U-Bahn: Möchtegernflexibel, dabei aber einfach nur plump und seelenlos. Ich habe nicht einmal Orte, an denen ich den hässlichen Kram verstecken kann, mir fehlt eine Abstellkammer und mir fehlen Einbauschränke. Der Staubsauger steht jetzt in der Küche, der Feudel im Bad, sie sind hässliche Risse in meinem Zuhause und deprimieren mich jeden einzelnen Tag. Ich wünsche mir hier kommunistische Strukturen zurück: Jeder Bürger bekäme ein Set Haushaltsbedarf vom Staat geschenkt, zum Auszug, (und NICHT als Ersatz für Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenke). Es wäre das schlichteste, perfekteste, unkaputtbarste und bewährteste, was es gibt, von zeitlosem Design, keiner weiteren Rede wert, mit Straußenfederstaubwedel als Feature.
mercedes-lauenstein


Unterwäsche
In der Unterwäschenabteilung überlege ich mir immer zwei Mal, ob ich sagenhafte 16,95 Euro für eine Unterhose ausgebe, die am Ende außer der Frau in der Umkleide vom Tennisverein und dem Freund (der einen ja sowieso liebt, wie man ist) kein Mensch sehen wird. Reizunterwäsche kommt sowieso nicht in die Tüte, die kostet ja noch mehr und wer trägt denn bitteschön den ganzen Tag eine zwickende und kratzende Spitzenunterhose, um darauf zu hoffen, dass es eventuell zu einem romantischen Abend kommt? Ich habe keine Lust, Geld für Dinge auszugeben, die ich brauche und kaufen muss. Da spar ich dann lieber die paar Euro und kann damit schön essen gehen oder Kaffee trinken.
vi-pham
 
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