05.12.2012 - 08:00 Uhr

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5. Dezember

Text: jetzt-redaktion

Jeden Tag öffnet sich ein Türchen des jetzt.de-Adventskalenders. Hier versorgt dich der Kosmos mit Beiträgen rund um das Thema "Wunschzettel". So kommst du beschwingt und garantiert mineralölfrei bis Heiligabend.

Mein Vater kann mir die Wünsche von den Augen ablesen. Dachte er. Das Ergebnis war oft, dass ich etwas bekam, von dem ich nicht wusste, dass ich es wollte. Und was war das nicht alles für pädagogisch-wertvolles Zeugs: Serien über die politischen Entwicklungen in Deutschland, Sprachtheoretisches, Komplexes und oft auch Komisches.  

Im Laufe der Zeit muss ihm allerdings aufgefallen sein, dass nicht jedes dieser Geschenke bei mir die Begeisterung entfachen konnte, die er sich wohl erhofft hatte. Er bemühte sich zunehmend, die Geschenke ins rechte Licht zu rücken und angemessen anzupreisen. Man soll immer das schenken, über das man sich selbst auch freuen würde. Diesen Grundsatz hatte er bei der Auswahl seiner Geschenke immer berücksichtigt und konnte deshalb viel über die Geschenke sagen.  

Zu irgendeinem Geburtstag dann der Schock. Ich machte das große, eckige Paket von meinem Vater auf und zum Vorschein kam ein Paket Videokassetten. Da kannst du dir jetzt immer selbst die Filme aufnehmen, die dich interessieren, lautete sein knapper Kommentar.  

Man kann vielleicht sagen, dass die Videokassetten eine Art Scherzgeschenk waren. Vor allen Dingen, weil er mir bei nächster Gelegenheit wieder Videokassetten schenkte. Mit einigem Abstand betrachtet, glaube ich aber, dass mir mein Vater eher mitteilen wollte, dass er meine eigenen Interessen respektiert und nicht weiter versucht, darauf Einfluss zu nehmen.  

So ist das oft mit den Scherzgeschenken: Wer keine Sammelleidenschaft für irgendetwas hegt und sich außerdem für Vieles, aber eben nicht Alles interessiert, der bekommt das Päckchen, über dessen Inhalt man sich auf jeden Fall amüsieren kann. Motto: Humor hast du, das weiß ich. Ob das Buch über artgerechte Aquarien noch angesagt wäre, kann ich dagegen nicht absehen.  

Das mit den Videokassetten ist mittlerweile Geschichte. Wenn ich zurückdenke, kann ich darüber lachen. Und ganz ehrlich: Geld ist auch nicht kreativer. 


Dieser Text stammt von jetzt-Userin magdalena-pemler


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5 Kommentare
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Stichling
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Mag ich Mag ich nicht

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05.12.2012 - 11:07 Uhr
Stichling

Wenn der Vater etwas geschenkt hat, das ihm selber Freude macht, könnte man es ihm ja zurückschenken und wüsste dann zum ersten Mal im Leben: Das möchte er wirklich haben.

holdrio
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Mag ich Mag ich nicht

1

05.12.2012 - 12:23 Uhr
holdrio

Früher gabs ja die Wunschzettel. Fand ich eigentlich ganz praktisch. Aber meistens wurde noch eine Überraschung erwartet und die geht halt oft voll daneben. Da gibts nur Eines: Tauschbörse. Oder garnichts schenken und dafür Weihnachten besonders nett zu einander sein. Aber das gehört ja zu den schwierigsten Übungen.

octopussy
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Mag ich Mag ich nicht

0

05.12.2012 - 13:01 Uhr
octopussy

Ich glaube nicht, dass das ein Scherzgeschenk war, sondern durchaus ernst gemeint. Sonst hätte er dir nicht nochmal Videokassetten geschenkt.
Und: Geld ist nicht kreativer, kann aber auch Wünsche erfüllen.

sinaasappel
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Mag ich Mag ich nicht

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05.12.2012 - 17:47 Uhr
sinaasappel

Hallo @jetzt-redaktion: mein Adventskalender-Abo funktioniert nun den dritten Tag nicht, ich hab das Label (ja, dieses, nicht das von 2011) zweifelsfrei abonniert - was könnte da los sein?

vammy
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Mag ich Mag ich nicht

0

05.12.2012 - 21:05 Uhr
vammy

Hm wieso war das ein Schock? Kapier ich nich... Serien über die politischen Entwicklungen in Deutschland, Sprachtheoretisches, Komplexes und oft auch Komisches, das ins rechte Licht gerückt und angemessen angepriesen wurde, hat nicht so recht gefallen. Jetzt schenkt er was Simples, und dann ist es nicht kreativ genug? So schlimm, dass man "mittlerweile drüber lachen kann"? Oh weh. Armer Vater.

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ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.