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Mareikepueh
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20.11.2012 - 22:16 Uhr
Mareikepueh

Dem kann ich nur zustimmen, bin selbst Arbeiterkind und muss für mich selbst aufkommen, sprich ich habe 3 (in Worten: drei) Nebenjobs neben der Uni. Hatte mich daher auch für ein Deutschlandstipendium beworben, mit nicht mal schlechten Noten (1,3-2,0), habe allerdings vor ein paar Tagen die Absage erhalten.
Bei dem Bewerbungsgespräch für das Stipendium der Deutschen Wirtschaft wurde mir auch gesagt, dass es schlecht aussieht, wenn man zwar soziale Arbeit leistet, diese aber aus - lebensnotwendigen Gründen - bezahlt wird. Und ein Schnitt schlechter als 1,0 wurde auch für bedenklich gehalten.

ZeroDegrees
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1

21.11.2012 - 01:54 Uhr
ZeroDegrees

Mareikepueh sagte:
Dem kann ich nur zustimmen, bin selbst Arbeiterkind und muss für mich selbst aufkommen, sprich ich habe 3 (in Worten: drei) Nebenjobs neben der Uni. Hatte mich daher auch für ein Deutschlandstipendium beworben, mit nicht mal schlechten Noten (1,3-2,0), habe allerdings vor ein paar Tagen die Absage erhalten.
Bei dem Bewerbungsgespräch für das Stipendium der Deutschen Wirtschaft wurde mir auch gesagt, dass es schlecht aussieht, wenn man zwar soziale Arbeit leistet, diese aber aus - lebensnotwendigen Gründen - bezahlt wird. Und ein Schnitt schlechter als 1,0 wurde auch für bedenklich gehalten.


Ja, was die erwartet, kann man als Arbeiterkind kaum leistet und wenn man es kann, braucht man wohl kaum das Geld. In der Werbung für das Deutschlandstipendium meiner Uni sprach einer davon, wie toll es ist, weil er damit Zeit hat in den Semesterferien in den Urlaub zu fahren. Wir denken dabei wohl eher an die Existenzsicherung wie Miete oder was zu essen und etwas mehr Zeit zum Lernen. Der Beitrag hatte mich schon leicht wütend gemacht...

chrinamu
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0

21.11.2012 - 12:21 Uhr
chrinamu

Ich finde, man sollte zusätzlich dazu vor allem bei Schülern damit anfangen, endlich für soziale Gerechtigkeit zu sorgen. Denn die allermeisten begabten Kinder ohne wohlhabende Akademikereltern werden schon lange vor dem Uni-Eingang aussortiert, indem sie nämlich gar nicht erst bis zum Abi kommen. Weil sie es nicht aufs Gymnasium schaffen (wollen/sollen) und es in ihrer Region keine Gesamtschule gibt, z.B. Da muss gefördert werden. Wer das Abi in der Tasche hat, hat das größte Hindernis in unserer Gesellschaft ja eigentlich schon überwunden.

heidelbaerin
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21.11.2012 - 12:54 Uhr
heidelbaerin

chrinamu sagte:
Ich finde, man sollte zusätzlich dazu vor allem bei Schülern damit anfangen, endlich für soziale Gerechtigkeit zu sorgen. Denn die allermeisten begabten Kinder ohne wohlhabende Akademikereltern werden schon lange vor dem Uni-Eingang aussortiert, indem sie nämlich gar nicht erst bis zum Abi kommen.


Die Sortirerei dauert das ganze Leben, auch an der Uni. Gerade in Fächern mit eher "weichen" Kriterien, mit Interpretationsspielraum in den Geisteswissenschaft ist der Übergang zwischen Quatsch und "interessanter Sichtweise" fließend. Natürlich spiegetl das Erwartungshaltungen wider, der Sohn des Kollegen Prof.Dr. kann ja nicht blöd sein. Das Deutschlandstipendium verschärft das Problem noch, indem der Kampf um gute Noten nicht nur eine langfristige Strategie ist, sondern auch finanzielle Folgen hat. Ich hielt es immer für absoluten Unsinn.

anagramm
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21.11.2012 - 12:57 Uhr
anagramm

heidelbaerin sagte:


Die Sortirerei dauert das ganze Leben, auch an der Uni. Gerade in Fächern mit eher "weichen" Kriterien, mit Interpretationsspielraum in den Geisteswissenschaft ist der Übergang zwischen Quatsch und "interessanter Sichtweise" fließend. Natürlich spiegetl das Erwartungshaltungen wider, der Sohn des Kollegen Prof.Dr. kann ja nicht blöd sein.

die meisten professoren wissen kaum mehr als die namen der studenten und das auch nur, wenn man einen guten betreuungsschlüssel hat. da interessiert sich kein mensch für den familiären hintergrund, um dann entsprechend zu benoten.

Cios
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21.11.2012 - 14:51 Uhr
Cios

Mir geht es wie den anderen - ich komme aus einer Arbeiterfamilie und habe auch mehrere Nebenjobs, um mein Studium zu finanzieren. Da bleiben sehr viele Projekte, die ich gerne im Laufe des Studiums machen würde, auf der Strecke - schade drum, leider. Aber ich erwarte nichts mehr in diesem Land. Ich bringe mein Studium hinter mich und versuche zu überleben. :)

ZeroDegrees
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21.11.2012 - 15:03 Uhr
ZeroDegrees

chrinamu sagte:
Wer das Abi in der Tasche hat, hat das größte Hindernis in unserer Gesellschaft ja eigentlich schon überwunden.


Bei dem davor gebe ich dir recht. Desto früher man anfängt zu fördern, desto besser, da wir nur so mehr Kinder mit einem nicht so idealen Background helfen können, es zum Abi zu schaffen. Gezielt Hausaufgabenhilfen und auch mal SPrechstunden von den Lehrern direkt, könnte schon viel bewirken für Schüler bildungsfernerer Herkunft. Ich kenne es selbst: Meine Eltern konnten mir irgendwann leider nicht mehr in dem Ausmaß helfen wie die Eltern der anderen, die selvst Abi und Studium hatten, einfach, weil meine Eltern den Stoff selbst nie in der Schule hatten. Sie haben mich sehr unterstützt, aber da ist halt eine Grenze gesetzt. Sohatte ich halt die Hausaufgaben nicht, weil ich es selbst nicht geschafft habe, so wie die anderen Schüler auch nicht, aber deren Eltern halt helfen konnten.

Trotzdem bestätigen leider viele Studien noch, dass allein dass Abi nicht die größte Hürde ist, wie du meinst. Ein wesentlicher höherer Anteil der Abiturenten, die eben keiner Akademikerfamilie entstammen, entscheiden sich aus viellerlei Gründen gegen ein Studium und selbst die Diskriminierung bzw. Benachteilung ist noch im Studium zu spüren... leider.

littlejohn
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21.11.2012 - 16:22 Uhr
littlejohn

ZeroDegrees sagte:
Trotzdem bestätigen leider viele Studien noch, dass allein dass Abi nicht die größte Hürde ist, wie du meinst.

Sehe ich ähnlich wie @chrinamu, deswegen würden mich die entsprechenden Studien schon interessieren.


ZeroDegrees sagte:
Ein wesentlicher höherer Anteil der Abiturenten, die eben keiner Akademikerfamilie entstammen, entscheiden sich aus viellerlei Gründen gegen ein Studium


Die Gründe gg ein Studium sind oft auch im jeweiligen Umfeld zu suchen: fehlende Vorbilder in der eigenen Familie, falsche Erwartungen, Notwendigkeit wird nicht unbedingt gesehen " lern lieber was vernünftiges/geh arbeiten" etc und der damit verbundenen fehlenden ( auch finanziellen) Unterstützung...

Manchmal ist sicher auch die Angst da, dass man sich durch einen akademischen Abschluss zu weit von seinem sozialen Umfeld entfernt (kenn ich eher von Leuten mit Migrationshintergrund)

ZeroDegrees sagte: und selbst die Diskriminierung bzw. Benachteilung ist noch im Studium zu spüren... leider.


Wie sieht diese Diskriminierung/Benachteiligung denn konkret aus?
An größeren Unis kennen die Profs wenn überhaupt nur vereinzelt Namen, vom jeweiligen sozialen Hintergrund ganz zu schweigen.

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21.11.2012 - 16:26 Uhr
littlejohn

Cios sagte:
Aber ich erwarte nichts mehr in diesem Land


Gehts vll noch ne Nummer polemischer?

Dieses Land ermöglicht dir immerhin ein kostenloses Studium, das die Gemeinschaft finanziert...

ZeroDegrees
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21.11.2012 - 16:49 Uhr
ZeroDegrees

littlejohn sagte:
ZeroDegrees sagte:
Trotzdem bestätigen leider viele Studien noch, dass allein dass Abi nicht die größte Hürde ist, wie du meinst.

Sehe ich ähnlich wie @chrinamu, deswegen würden mich die entsprechenden Studien schon interessieren.


ZeroDegrees sagte:
Ein wesentlicher höherer Anteil der Abiturenten, die eben keiner Akademikerfamilie entstammen, entscheiden sich aus viellerlei Gründen gegen ein Studium


Die Gründe gg ein Studium sind oft auch im jeweiligen Umfeld zu suchen: fehlende Vorbilder in der eigenen Familie, falsche Erwartungen, Notwendigkeit wird nicht unbedingt gesehen " lern lieber was vernünftiges/geh arbeiten" etc und der damit verbundenen fehlenden ( auch finanziellen) Unterstützung...

Manchmal ist sicher auch die Angst da, dass man sich durch einen akademischen Abschluss zu weit von seinem sozialen Umfeld entfernt (kenn ich eher von Leuten mit Migrationshintergrund)


Naja, die Gründe nennst du ja schon selbst. Genau das sind doch eben die Hürden nach dem Abi, die vom Studieren abhalten. Die anderen müssen sich mit solchen Fragen halt nicht beschäftigen, sondern studieren einfach, wenn sie es möchten. Wäre es nicht im gesellschaftlichem Interesse diese Gründe auszuräumen, damit mehr fähige Leute studieren unabhähngig ihrer Herkunft?

Studien, die belegen, dass trotz Abi viele trotzdem nicht studienren, gab es doch erst kürzlich (wurden auch hier diskutiert und vorgestellt) und Google hilft da auch. (z. B. hier zwei erwähnt http://www.sueddeutsche.de/karriere/bildungsstudie-warum-viele-arbeiterkinder-aufstiegsangst-haben-1.1463913)

ZeroDegrees sagte: und selbst die Diskriminierung bzw. Benachteilung ist noch im Studium zu spüren... leider.


Wie sieht diese Diskriminierung/Benachteiligung denn konkret aus?
An größeren Unis kennen die Profs wenn überhaupt nur vereinzelt Namen, vom jeweiligen sozialen Hintergrund ganz zu schweigen.

Ich denke da eher in indirekte Diskriminierung. Wenn der Prof vorn steht und wie selbstverständlich davon ausgeht, dass alle eher wohlhabendere Eltern haben und somit eh alle ins Ausland können oder sich an diverse ausländische Unis "einkaufen" können, ist das auch eine Art Diskriminierung für all die, die dort sitzen und eben dies nicht haben und sich viele Vorhaben zweimal überlegen müssen. Wenn bei den Stipendien davon ausgegangen wird, dass man zig Praktika und ehrenamtliche Tätigkeiten oder anderes außeruniversitätes Engagement erbringt, dann ist das auch Diskriminierung all derer, die sich das nicht leisten können, weil sie eben wie oben zwei erwähnen drei Jobs machen müssen, um sich das studieren überhaubt leisten zu können. Es gibt einige, die ohne diese Probleme auch Topnoten haben können und ein Stipendium wert sind, aber vorher aussortiert wurden, entgegen des Leistungsprinzips.

Wenn ein Prof. ein Bsp. für einen Ausländer sucht und statt allgemein zu fragen, wer aus einem anderen Land kommt - lieber gezielt den farbigen Kommilitonen anspricht, obwohl dieser deutsch ist, dann ist das wohl Diskriminierung in Reinstform - um mal ein anderes Bsp. zu nennen.

Es geht also nicht darum, dass sie Noten nach Herkunft verteilen. Diskriminierung geht viel weiter...

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