15.11.2012 - 18:30 Uhr

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Geheimes Gesetz (19): Im Kino nix Neues

Text: friedemann-karig - Bastelei: Katharina Bitzl

In seiner Kolumne widmet sich Friedemann Karig den ungeschriebenen Regeln des Alltags. Diesmal untersucht er die vielen Reflexe, die in Hollywood immer gleich sind.



Die mehr oder weniger Geheimen Gesetze von Hollywood: Fortsetzungen sind immer schlechter als der erste Teil, Buch-Verfilmungen im Vergleich auch. Und die meisten Trailer verbraten schon 90% der guten Szenen.
 

Kino lebt von Illusionen: Blut, Schweiß, Tränen – nichts ist echt. Hollywoods wichtigste Täuschung jedoch ist die der Neuigkeit, da doch alle Filme nach denselben Regeln funktionieren. Von der Zwangsläufigkeit des Happy Ends über die schwere Kindheit des Bösewichtes bis hin zum ersten Kuss zwischen Ihm und Ihr nach genau 65 % des Films – großes Kino steckt voller (mehr oder weniger) Geheimer Gesetze. Weitere Normen der Traumfabrik: Verfilmungen von Büchern dürfen niemals dem Original das Wasser reichen. Dass David Fincher sich mit Fight Club über diese Regel hinwegsetzte, wurde mit seinem nächsten Film Panic Room hart bestraft. Autor Chuck Palahniuk wartet gar bis heute auf Entlassung aus dem One-Hit-Wonder-Gefängnis.

Oder: Fortsetzungen schaffen das Niveau des Vorgängers fast nie. Selbst raffinierte Filmreihen wie Indiana Jones dürfen qualitativ höchstens stagnieren. James Bond konnte es nur deswegen 23 Mal geben, weil die Filme keine Nummern tragen. Denn meistens ist die Ziffer „2“ oder gar „3“, die sich an einen beliebten Titel hängt wie eine nervige kleine Schwester an ihren coolen großen Bruder, ein sicheres Zeichen für eine Qualitätsteilung durch, genau, zwei oder drei.

Ein herkömmlicher Trailer eines herkömmlichen Popcorn-Movies muss übrigens mindestens 85% der guten Szenen des Films enthalten. Reichen die zwei Minuten Trailerlänge nicht, müssen die Bilder so rasend schnell geschnitten werden, dass der Besuch des eigentlichen Films für den trailergeschädigten Zuschauer zu einem hochbeschleunigten Déjà-Vu verkommt. Man hat alles schon gesehen, obwohl man nur ein knappes Vierzigstel des Films kannte. Und bevor man eine Szene ganz umrissen hat, weiß man schon ihre Pointe. Doch nicht nur Hollywoods Kunst ist geregelter als eine Steuererklärung. Auch „leise fotografierte“ Arthouse-Streifen sind keineswegs so independent, wie man meinen sollte. Sie wiederum dürfen nicht gut ausgehen, müssen immer wohlwollend rezensiert und von geduldigen Zuschauern bis zum Schluss ausgehalten werden sowie mindestens eine „ehrliche“ (also wenig ästhetische) Nacktszene enthalten.   Wahrscheinlich ist es Segen und Fluch zugleich, dass längst alle Geschichten erzählt, alle Helden gerühmt, alle Küsse geküsst wurden. Das Kino kann meist nur die alten Kunststoffe recyclen. Und jede Wiederaufbereitungsanlage braucht strenge Richtlinien. Sonst kommt am Ende nur noch mehr Müll raus.


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6 Kommentare
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2nd_live
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Mag ich Mag ich nicht

0

15.11.2012 - 20:53 Uhr
2nd_live

Jede Wiederaufbereitungsanlage braucht strenge Richtlinien. Sonst kommt am Ende nur noch mehr Müll raus.

clnet
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Mag ich Mag ich nicht

4

16.11.2012 - 02:09 Uhr
clnet

1. Dass die Bücher immer besser sind, ist eine Sinnestäuschung. Denn wenn ein Film auf einem schlechten Buch basiert, wird das nicht so laut verkündet.

2. Der Pate Teil 2 ist genau so gut wie der Pate Teil 1. Der dritte Teil ist vielleicht nicht ganz so, aber immer noch ein ordentlicher Film

Der Autor ist offensichtlich aus dem Jugendalter heraus. Bis 25 ist neuer Schrott, vor allem neu, also toll, und alte Meisterwerke sind vor allem alt, also weg damit. Ab ca. 60 ist es umgekehrt: alter Schrott, ist vor allem alt, also toll, und neue Meisterwerke sind vor allem neu, also weg damit!

Beim Blick in die Historie denkt man ehrfürchtig, das Ende der Kunst sei gekommen. Das war aber zu allen Zeiten so. Große Kunst verdanken wir den Ignoranten, die trotzdem weitermachen. Sind nicht in der Bibel alle Geschichten erzählt? Ebenso in der griechischen Mythologie. Shakespeare, der Ignorant, erzählt trotzdem Geschichten, bis alles bei Shakespeare erzählt ist. Molière und andere Ignoranten erzählen alles NOCHmal, und Ibsen und Strindberg und dann Hollywood. Wir wollen ausrufen: »Jetzt ist doch aber wirklich alles erzählt!«
Der Ignorant entgegnet: »Na und?« und in ein paar hundert Jahren wird man sich über diesen Shakespeare unserer Tage freuen, der sich um die Regularien der Müllaufbereitung nicht geschert hat.

Genauso in der Musik: was gab es nach Bach noch zu komponieren? Mozart, der Trottel, komponiert trotzdem, und nachdem nun wirklich alles komponiert war, machen die Romantiker neue Musik, und nach ihnen die Louis Armstrong und Coltrane, die Beatles und … Nun ist jede denkbare Musik musiziert, und doch wird sich ein Dickschädel finden, der das nicht einsehen mag …

guschie
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Mag ich Mag ich nicht

0

16.11.2012 - 09:24 Uhr
guschie

http://l3.yimg.com/bt/api/res/1.2/xXACPi...

Die ganz große Mehrheit an in Hollywood produzierten Filmen ist, trotz unbestreibarem Unterhaltungswert, 0815-Kost, Fortsetzungen, Neuverfilmungen (die natürlich auch mal herausstechen können)...

Nichts desto trotz erscheinen jedes Jahr ein paar wirklich gute Filme und so wird es (hoffentlich) immer bleiben.

ThomasCrown
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Mag ich Mag ich nicht

1

16.11.2012 - 22:35 Uhr
ThomasCrown

clnet sagte:
1. Dass die Bücher immer besser sind, ist eine Sinnestäuschung. Denn wenn ein Film auf einem schlechten Buch basiert, wird das nicht so laut verkündet.

2. Der Pate Teil 2 ist genau so gut wie der Pate Teil 1. Der dritte Teil ist vielleicht nicht ganz so, aber immer noch ein ordentlicher Film


"der pate" ist übrigens auch ein gegenbeispiel für die these, dass der film immer schlechter ist als das buch.

noplacespecial
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Mag ich Mag ich nicht

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17.11.2012 - 09:38 Uhr
noplacespecial

wie immer sind die geheimen Gesetzestexte so voller Neuigkeiten, dass man ihnen das gleiche attestieren darf, was in diesem Text verhandelt wird.

ich habe langsam Angst, dass der Autor diesen kram irgendwan in einen Buchladen stellt.

Peperino
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Mag ich Mag ich nicht

0

19.11.2012 - 16:40 Uhr
Peperino

guschie sagte:
http://l3.yimg.com/bt/api/res/1.2/xXACPi...

Die ganz große Mehrheit an in Hollywood produzierten Filmen ist, trotz unbestreibarem Unterhaltungswert, 0815-Kost, Fortsetzungen, Neuverfilmungen (die natürlich auch mal herausstechen können)....


vielen Dank an guschie, du hast mich mit deinem Link inspiriert. http://blog.dtoday.de/neonroehren/2012/1...

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