Lost Generation - ja , immer noch
Lost Generation -angeblich kommt der Begriff aus den 20ern. Er passt heute genauso. Mit einer Freundin haben wir auch einen neuen Verantwortlichen für unseren Zustand gefunden: unsere Jahrgangzahl - 1985.
Eine Runde Selbstmitleid für uns: ohhhhh.
Ne, ist schon klar, wir sind alles verwöhnte Mittelstandskinder - mal mit mal ohne den guten alten Migrationshintergrund. Mit ein bisschen Bafög, Kellnern aber vor allem Mamis und Papis solidem Einkommen haben wir uns durch die Uni geschummelt.
Ja toll, wir haben es so gut. Wir wissen das. Das macht die Sache aber nicht besser. Es gibt keine echtes Problem. Unseren Mangel an Verantwortungsbewusstsein, unsere ewige Pubertät ist selbst verschuldet. Nur leider haben wir trotzdem keine Ahnung wie wir daraus kommen soll.
Jetzt also der neue Sündenbock: unser Geburtsjahr.
Wir sind nämlich nicht die einzigen. Angefangen, abgebrochen, an seltsame Masterstudiengänge geraten, zu lange gebraucht, schräg Ausbildungen, keine Ausbildungen zu viel gekellnert, zu wenig Praktika, zu viele falsche Praktika, nie überlegt, was man selber will, zu spät gemerkt dass der Abschluss eine Sackgasse ist.
Wir haben mehr oder weniger Abschlüsse in der Tasche, Bachelor, Master, angefangene Diplome. Und nun? Was machen wir jetzt? WAS wollen wir eigentlich?
Und: wir haben Angst. Angst davor jeden morgen um sieben aufzustehen. Angst, das uns keiner will, dass wir nicht gut genug sind. Das uns nichts Spaß macht, dass wir unser Job uns moralisch korrumpiert. Angst überhaupt etwas zu machen, weil es das falsche sein könnte. Das Falsche ist oder schon mal das falsche war.
Wir sind noch keine dreißig, aber fühlen uns zu alt und zu jung zugleich. Zu alt um nochmal ganz von vorne anzufangen (wenn wir noch einmal 18 sein könnten, würden wir natürlich alles anders machen). Zu jung um irgendetwas wirklich auf die Reihe zu kriegen.
Dazu kommt die frustrierende Erkenntnis, dass man niemals den Standard der Eltern erreichen wird. Hey, ich finde das nicht schlimm, Spagetti mit Pesto kann ich meinetwegen mein Leben lang essen. Aber wenn man mal eigene Kinder hat? Fühlt man sich dann nicht einfach nur scheiße, wenn man weiß was man alles selbst ermöglicht bekommen hat, und nur weil man zu blöd war, sein Leben auf die Kette zu kriegen, kann man es ein eigenen Kindern nicht mehr bieten?
Teilweise bemitleiden wir uns. Aber eigentlich sind wir wütend. Natürlich erst mal auf die anderen, aber vor allem auf uns selbst. Scheiße, wo bitte geht's zum echten Leben?
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Materielle Frage: Really?
soylentyellow sagte:
Und das allerschlimste daran ist dass man selbst Schuld daran ist. Hätte man halt was Ordentliches gelernt, wie Maschinenbau oder Elektrotechnik oder so was, dann wäre dieses Gefühl nicht da.
und wieso sollte das dann nicht auch da sein?
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14.11.2012 - 19:59 Uhr
guglhupf_