Ich bin mal wieder krank.
Und wie jedes Mal wenn ich unerwartet ein paar Tage ohne schlechtes Gewissen auf dem Sofa rumhängen kann habe ich trotzdem eins.Da sind sie dann wieder, die Gedanken was ich in der kostbaren Zeit alles tun/erledigen/fertig stellen müsste/könnte/sollte und es einfach nicht tue. Wie ich einfach etwas machen könnte um mein jammerndes, verlaufenes Ich aus dem Irrgarten zu steuern, in dem ich festhänge.
Ich bin ein guter Arbeitnehmer. Ich behaupte das einfach mal und es hat sich oft bewiesen. Gerade erst wurde mir ein fristloser Vertrag verabreicht, nach einem Mitarbeitergespräch zum rotwerden. Im letzten Moment habe ich mich daran erinnert, daß ich mich für das Lob bedanken sollte.
Ich bin ein guter Arbeitsnehmer. Ich drucke im Büro kein privates Dokument aus ohne das schlechte Gefühl 3 Blatt Papier geklaut zu haben. Ich sage, wenn mir was nicht passt. Ich bin ein sozial engagierter Kollege. Wenn ich einen Job zu erledigen habe, erledige ich ihn so gut ich nur eben kann.
Ich rühme mich damit ein mieserabler Lügner zu sein und es deshalb meistens einfach zu lassen. Ich glaube, das am Ende doch immer alles ans Licht kommt.
Wenn man mich im Mitarbeitergespräch fragt, ob die Sache Spaß macht, gebe ich seltsame Halbantworten um nicht das Gefühl zu haben gelogen zu haben.
„Spaß ist anders“, könnte ich natürlich sagen. Oder „Es tut mir leid, Boss, aber der Job ist nicht mein Lebensmittelpunkt wie bei dir. Er ist tatsächlich nur das was mich ernährt und meine Socken bezahlt.“
Und deshalb interessiert es mich auch nur so halb welches Projekt warum gut und welches schlecht gelaufen ist. An diesen Projekten interessiert mich nur, ob ich den aufgetragenen Job erledigt habe. Das ich mir nichts vorzuwerfen habe.
Ja, ich habe immer noch Angst den kreativen Teil zu verlernen weil ich nichts kreatives leiste. Aber ehrlich gesagt: Ich habe es längst verlernt. Daß dafür hier kein Platz ist habe ich begriffen und es ist legitim, denn es ist dein Büro.
Was würde ich denn stattdessen gerne machen?
Spontan: Alles andere. Manchmal ist es Dinge bauen oder Zimmer einrichten, dann wieder Filme machen, dann Bücher schreiben, dann Rockstar sein. Und dann habe ich Zeit und bin wie gelähmt. Nichts ist konkret genug, nichts erschließt sich einfach so und alles ist zu viel. Spukt mir ein Thema durchs Hirn, zu dem mir spontan Sätze einfallen, muß ich mich förmlich zwingen sie auch aufzuschreiben. So wie jetzt.
Es ist so unglaublich ironisch Leute im Bekanntenkreis zu sehen die quasi alles machen könnten und mit dieser Freiheit total aufgeschmissen sind. Da gibt es gar kein Ziel, nicht mal eine Idee. Und unsereins bricht sich einen ab, hat tausend Ideen, kann doch keine durchziehen und gibt sich mit Übersprungshandlungen wie der perfekt aufgeräumten Küche ab.
Sobald ich Sätze denke, die mit „Hätte ich doch bloß“ anfangen hau’ ich mir intern aufs Maul: Ich hab aber nicht!
Und will ich die Schuld den Eltern/Bekannten/Geschwistern geben, die ja immer wussten was gut für mich ist genauso: Ich hätte ja auch einfach machen können. Also hab auch nur ich Schuld. Basta.
Ich bin ein verfluchter Waschlappen. Und das ist jetzt kein fishing, sondern ganz nüchtern betrachtet die Wahrheit. Risiko liegt mir nicht besonders. Ich bin kein Zocker und ein mieser Verhandler. Ich bin unfähig jemanden abzuziehen, der mir an der Ampel drauffährt. Und obwohl ich mich im Grunde als Einzelgänger sehe: Ohne Hilfe bin ich oft einfach aufgeschmissen.
Fein. Das hätten wir also geklärt.
Der nächste logische Gedanke aus diesen Überlegungen ist natürlich: Was mach ich draus? Wie krieg ich die Kurve? Schmeiß ich alles hin und mache irgentwas? Versuche ich den verkorksten Berufsweg in eine andere Richtung zu schieben? In welche? Und wie stell ich es an? Schaffe ich das?
Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Und dann bin ich wieder müde. Vielleicht räume ich erstmal die Küche auf.
- Vom Suchen und Finden 28.04.2013
- Mehr Leben wagen 21.04.2013
- Rot - Grün blind 18.03.2013
- Andere Länder andere Sitten 12.03.2013
- Leben - Wie geht das? 20.02.2013
Alle Kommentare anzeigen
Alle Kommentare anzeigen








1
18.11.2012 - 00:08 Uhr
schattenfisch
Da ist keine Energie mehr übrig um was zu "machen", da muß man schon 2 Wochen Time-Out haben um überhaupt wieder einen Funken "Inspiration" zu spüren. Und 3 Tage im Büro, dann wars das wieder.
Danke für Eure Kommentare, meiner ist hier das Schlußwort.
Cheers