Konkurrenz
Ich habe eine Amsel gemalt, die
nicht fliegen kann. Es ist tragisch und genial
und eine Metapher für die ganze Welt.
Das Problem ist: Auch ein Mann namens Gernot Tschurtschenthaler
aus Ried im Innkreis
hat eine Amsel gemalt, die nicht
fliegen kann.
Aber meine ist besser als seine.
Jeder kann das sehen: Die Federn,
der Schwung der Flügel, wie sie sich abmüht,
die Schweißtropfen
(Vögel schwitzen nicht),
das Ansetzen zum Abflug der nie gelingt ...
Mir ist egal was die Welt sagt.
(Nur wenn Sie nichts sagt, ist es schlimm.
Zu mir. Äh, meiner Amsel.)
Kein Vergleich zu Tschurtschenthalers
behämmertem Kackvogel.
Jedoch: Keine Stimme antwortet, wenn ich nachts aus
den schwarzen Fenstern schaue (rufe),
das Telefon schweigt, niemand an der Tür.
Dafür dauernd Berichte über
Tschurtschenthaler und seine Amsel.
Ich hab sieben Bier getrunken, bin hin und
habe ihm eine Ohrfeige gegeben.
Sechzehn Monate später ist Tschurtschenthaler dafür
gekommen und hat mit meiner Frau geschlafen,
während ich mit einem Lohnsteuerausgleich
beschäftigt war.
"JajaJA!", hab ich zu ihm gesagt. "Sie erinnern mich
an mich selber, als ich noch jünger war."
"Ich bin siebzehn Jahre älter als Sie", hat er darauf
gesagt.
Seitdem haben wir nicht mehr miteinander gesprochen.
Aber unsere Amseln fliegen noch immer nicht.
Und meine noch immer besser nicht als seine.
Um mich abzulenken und weil wir Obst gebraucht haben
bin ich zum Markt. Der Mann hinter der Theke
hat mich angesehen als würde er glauben,
seine Kartoffeln wären größer als meine.
Eine klare Fehlannahme, wie jeder sehen kann
(dabei habe ich gar keine).
Ich habe ihm das gesagt und er hat mit dem Kleingeld
in seiner Tasche geklimpert als würde er glauben,
er habe mehr davon als ich, oder es würde mehr glitzern.
Mag sein, in dem MOMENT, aber er ist ja auch HÄNDLER,
er VERKAUFT den ganzen Tag Sachen!
Ich bin auf der Stelle heim und habe ihn gezeichnet wie sein
Kopf explodiert und ihm ein Oktopus aus dem Arsch kriecht.
Das ganze Leben ist ein
permanenter Schwanzvergleich.
Das muss aufhören, echt jetzt.
Ich meine, entweder das,
oder ich verschenke meine Pinsel.
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♡
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gestern saß ich mit einem jungen mann in einer äpplewoi-kneipe und unterhielt mich mit ihm über seinen hawai-aufenthalt (5 Monate). Er setzte die ganze Zeit voraus, dass ich mich genauso gut dort auskenne, wie er nun und sprach von bergen, die ich nicht kannte und von inseln, die mir nichts sagten. in einem nebensatz erwähnte er seine freunde hier in deutschland, die er nicht mehr aushält seit er zurück ist, weil sie sich die ganze zeit darüber unterhalten, was sie haben und wo sie waren anstelle davon, wer sie sind und wie es ihnen geht damit.
erwähnte es kurz und erzählte dann von seiner reise und seiner freundin, die gerade in new york arbeitet und echt, das ist so schwer, in new york zu leben, weil alles so teuer ist, die mieten und und und.... "wo wohnt sie denn?", habe ich gefragt, und er sagte: "upper west" und ich habe nur gedacht: ich gehe jetzt. ich kann dich keine sekunde weiter ertragen.
-
immer noch ein toller, lustiger text!









5
10.11.2012 - 13:23 Uhr
larala
Nicht dass mich Friseure irgendwie tangieren würden-
ich war schon seit Jahren bei keinem mehr.
Aber es hieß "Die Konkurrenz".
Ich stellte mir vor, ich wäre ein Kollege und hatte daraufhin Lust,
auf der Stelle auszusteigen und die Scheiben einzuschlagen. ;)
Sehr cooles Gedicht!