Rap Rendezvous. Wir hören Platten mit Raptile
Einmal im Monat plaudern wir mit einem Vertreter aus dem HipHop-Kosmos über aktuelle Rap-Veröffentlichungen. Heute mit Raptile über die Neuerscheinungen von Blumentopf, Kanye West, Homeboy Sandman, Brother Ali sowie Marteria, Yasha & Miss Platnum.

Um den gebürtigen Münchner Rapper Raptile war es eine ganze Zeit lang ruhig. Denn nachdem er in Deutschland mit Singles wie „Make Y’all Bounce“ feat. Xibit, „Da Unbeatables“ feat. Valezka und „Fight Back“ einige Erfolge verbuchen konnte, hat es den deutsch-äthiopischen Rapper ins HipHop-Mutterland verschlagen, von wo aus er sich musikalisch neue Möglichkeiten erarbeitet und Kontakte geknüpft hat. Zusammen mit Lionezz und Viper hat er dort die Urban-Pop-Gruppe Follow Your Instinct (Foto) gegründet, die bereits mit Bands wie den Black Eyed Peas verglichen wurde.
„No Matter What They Say“
Zusammen mit Samu von Sunrise Avenue und einem Beat von Just Blaze haben sie vor kurzem die Single „No Matter What They Say“ veröffentlicht.
Aber jetzt geht es los mit dem Rap Review Rendezvous und:
Marteria, Yasha & Miss Platnum – "Lila Wolken EP"

jetzt.de: Die Single „Lila Wolken“ ist direkt auf Platz 1 der deutschen Charts eingestiegen. Aus deiner Sicht verständlich oder eher überraschend?
Raptile: Die Eins ist sicherlich für alle Beteiligten überraschend gewesen. Aber das ist ein super Track, ganz hervorragend produziert! Der Erfolg ist damit absolut verdient.
Freust du dich als Rapper darüber, wenn die Szene so einen Erfolg verbuchen kann?
Ich freue mich vor allem darüber, wenn geile Musik auf den oberen Chart-Rängen steht. Und das war hier der Fall.
Wie sehr fühlst du dich überhaupt der hiesigen Szene zugehörig? Du hattest ja immer schon eine leichte Außenseiterstellung inne.
Ja, das stimmt, und diese Außenseiterstellung habe ich sicherlich immer noch – zumal ich schon seit sechs Jahren in Florida lebe und mit der deutschen Szene in dieser Zeit kaum noch etwas zu tun hatte. Mein Sound hat sich mittlerweile verändert, ist etwas poppiger geworden, und das passt heute vermutlich noch weniger zur hiesigen HipHop-Szene als früher.
Die „Lila Wolken“-EP ist in der relativ kurzen Zeit von vier Wochen entstanden. Hörst du einer Platte an, wie lange daran gearbeitet wurde?
Das ist schwierig. Es gibt aber einen hörbaren Qualitätsunterschied zwischen „Lila Wolken“ und den anderen vier Tracks auf der EP – ob deshalb aber weniger lang daran gearbeitet wurde, darüber kann ich nur spekulieren.
Klingt die EP für dich „typisch Berlin“? Kannst du als gebürtiger Münchner etwas damit anfangen?
Ob die Platte nach Berlin klingt, kann ich nicht sagen. Dafür bin ich schon zu lange aus Deutschland weg, um das beurteilen zu können. Aber eigentlich empfinde ich Berlin als viel zu vielseitig, um da so etwas wie einen typischen Berlin-Sound ausmachen zu können.
Blumentopf – "Nieder mit der Gbr"

Im Gegensatz dazu: Wie sehr repräsentieren die Jungs vom Blumentopf den Münchner Vibe? Schon sehr. Alleine, wie die Jungs reden und auf Teilen des Albums ihr Leben als Münchner aufs Korn nehmen.
Besteht Kontakt zwischen euch?
Ja, klar. Die Jungs haben die Platte bei meinem besten Freund im Studio aufgenommen, und ich habe sie dort häufiger getroffen. Das Album war mir daher bereits bekannt.
Gibt es denn so etwas wie regionales Konkurrenzdenken oder freust du dich lediglich darüber, wenn Rapper aus deiner Stadt was reißen?
Von meiner Seite gibt es da überhaupt kein Konkurrenzdenken – zumal ich auf einer ganz anderen Baustelle unterwegs bin. Ich freue mich darüber, dass die Jungs mit der Platte Top Ten gegangen sind. Das war aber zu erwarten, weil die sich über die Jahre eine supertreue Fan-Base aufgebaut haben.
Das ist bei dir anders, oder?
Ja, leider. Ist aber logisch: Ich habe in Europa seit knapp sechs Jahren nichts mehr veröffentlicht und stattdessen versucht, mich an die amerikanischen Infrastrukturen zu gewöhnen, Leute kennenzulernen. Treue Fans bekommt man jedoch nur durch konstante Releases, und das war bei mir einfach nicht der Fall. Insofern fange ich gerade wieder bei Null an.
Der Albumtitel „Nieder mit der GbR“ richtet sich gegen den Umstand, dass das Leben als Berufsmusiker eben nicht nur schöne Kreativ-, sondern auch unschöne Business-Seiten hat, die man nicht überhand werden lassen darf. Wie bekommst du das Verhältnis zwischen beiden Seiten gewuppt?
Das ist für jeden Künstler schwierig, denn am Ende des Tages muss man eben auch seine Miete bezahlen können – wie in jedem anderen Job auch.
Der Track „Ich bin dann mal weg“ wurde, nicht zuletzt durch das Pohlmann-Feature, kalkuliert als Radio-Single konzipiert. Vor 20 Jahren wäre die Szene deshalb auf die Barrikaden gegangen und hätte „Ausverkauf!“ geschrien. Wie stehst du dazu?
Wichtig ist: Man darf sich von niemandem vorschreiben lassen, wie die Musik zu klingen hat. Blumentopf haben sicherlich bewusst die Features mit Pohlmann, den Sportfreunden Stiller und dem Spider-Murphy-Gang-Sänger gemacht, aber man hat eben nicht den Eindruck, dass sie sich deshalb verbogen haben – das ist das Entscheidende.
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