06.11.2012 - 14:19 Uhr

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Die Geister die ich rief

Text: pajaroj123

Ich liege unter der dicken Bettdecke und wage kaum zu atmen. Wenn ich zu laut atme könnte es sein, dass ich ein Geräusch überhöre. Ich warte. Es ist viel zu warm unter der Decke und mir ist furchtbar heiß. Ich kriege kaum Luft, zum einen wegen der Hitze, zum anderen wegen meiner Angst. Ich habe die Bettdecke an allen Seiten nach innen geklappt, so dass ja keiner an einer der Ecken ziehen kann. Ich könnte Licht machen, aber dazu müsste ich meine Hand unter der Bettdecke hervorschieben. Das geht nicht. Hier bin ich sicher. Die Bettdecke ist mein Schild. Sie macht mich unsichtbar. Ein Tarnumhang. Wie bei Harry Potter. Nur gabs es den damals noch nicht.

Als Kind hat man Angst vor Dingen, über die man als Erwachsener ab und an nur müde schmunzeln kann. In der Erwachsenenwelt hat man Angst davor, seinen Job zu verlieren. Oder schwer krank zu werden. Als Kind hat man Angst vor Monstern mit spitzen Zähnen, man hat Angst vor dem schwarzen Mann der unter dem Bett wohnt und immer hervorzukommen scheint sobald das Licht aus geht. Meine "Angstfigur" damals, war ein kleines Männchen das in einer Geschichte vorkam, die ich mir damals ständig anhörte. Damals noch auf Langspielplatte. Ich weiß noch genau wie das Cover aussah. Und ich kann mich auch noch genau an die Stimme des Männchens erinnern. So hinterhältig unf gemein. Das schlimmste aber war sein Kichern. Davor hatte ich am meisten Angst. Der Feuermann, so wurde er genannt. Ein fieser Kerl, der alles verdorren und vertrocknen und Mensch und Tier verdursten ließ und alles anzündete was ihm in die Quere kam. Zum Glück wurde er am Ende zerstört. Das beruhigte mich dann erstmal immer. Meistens so lange bis es dunkel wurde und ich ins Bett musste. Oft lag ich unter meiner Bettdecke und wartete darauf, sein fieses Kichern aus einer Ecke zu hören. Stundenlang. Bis ich irgendwann einschlief vor lauter Erschöpfung.

Ich denke, jeder hat ein solches Monster, einen Geist, eine böse Hexe, vor der er sich als Kind gefürchtet hat. Heute sehen meine Ängste tatsächlich etwas anders aus und die bösen Geister haben sich verändert (zumindest manche). Die Platte existiert übrigens noch...eventuell werde ich sie mir bei meinem nächsten Besuch zuhause mal anhören....wie gesagt....eventuell.


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7 Kommentare
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LaLaine
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Mag ich Mag ich nicht

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06.11.2012 - 19:16 Uhr
LaLaine

Ich fühle mit dir! ;) Ich bin 20 und hab manchmal jetzt noch Angst im Dunkeln. Gerade nach Horrorfilmen oder so.

pajaroj123
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Mag ich Mag ich nicht

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06.11.2012 - 20:36 Uhr
pajaroj123

Ohhh jaaa, das kenne ich ! Und ich bin 27 ;)

SambalOelek
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Mag ich Mag ich nicht

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06.11.2012 - 21:07 Uhr
SambalOelek

ich hatte als kind u.a. eine hörspielkassette von "die gänsemagd" und als der pferdekopf "falada", der über dem stadttor angenagelt war, zu sprechen begann - raste mein herz ganz furchtbar und der albtraum war vorprogrammiert.

amaliane
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Mag ich Mag ich nicht

1

07.11.2012 - 15:02 Uhr
amaliane

Ich weiß noch genau, wie ich als Kind akribisch darauf achtete, dass ich genau in der Mitte des Bettes lag. Die Decke bis zur Nasenspitze hochgezogen, damit von mir so wenig Körper wie möglich aus dem schützenden Schild lugte. Immer darauf bedacht, dass auch kein kleiner Zipfel der Bettdecke über den Matratzenrand hängt. Es war mehr als logisch für mich, dass sich Monster SO nicht an mich herantrauen würden - zumal ihre Klauen ja auch nicht lang genug waren, um dorthin zugreifen, wo - ich keinen Ton von mir gebend -ausharrte.

octopussy
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Mag ich Mag ich nicht

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07.11.2012 - 17:31 Uhr
octopussy

Ich war der festen Überzeugung, dass im Vorratskeller viele Monster wohnen. Deswegen habe ich entweder vorsichtig die Tür geöffnet und erst Licht gemacht und etwas gewartet oder ich habe die Tür aufgerissen und habe Laut was gesagt und Licht gemacht um sie gegenzuerschrecken. Rausgehen war dann immer noch schwieriger. Licht aus, die Arme voll mit Kartoffeln oder was man holen sollte, und dann Tür zu und Treppen hochrennen.

Es hat lange gebraucht, bis ich sie weg hatte. Und manchmal, wenn ich im alten zuhause bin, dann lungern sie noch im Keller unter den Regalen...

eisengrau
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Mag ich Mag ich nicht

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07.11.2012 - 17:54 Uhr
eisengrau

Schöner Text.
Ich war auch ein Opfer meiner überbordenden Fantasie. Vieles in Hörspielen kam mir gruseliger vor als es von den Machern beabsichtigt war. Aber auch reale Eindrücke:

Das Auto des Nachtexpress, der meinem Vater einmal die Woche Pakete brachte, konnte ich nicht sehen, aber es hatte ein fieses sirrendes Geräusch beim Rückwärtsfahren, das sich für mich wie Geistergeheul anhörte. Und das Plumpsen der Pakete vor der Haustür klang als würde die Geisterhorde versuchen, die Tür einzurennen. Klein-eisengrau lag darauf stundenlang wach und alarmierte morgens den Vater, der aber trotz eindringlicher Schilderung der nächtlichen Vorkommnisse keinen Handlungsbedarf sah.

Nun gut, manche Geistererscheinung fand nach und nach ihre natürliche Erklärung. Geblieben ist ein latentes Misstrauen gegenüber einsamen und dunklen Orten. Noch mit 11 hatte ich im Fernsehen einen Trailer aus Stephen Kings "Christine" gesehen und traute mich allein an keiner Reihe parkender Autos mehr vorbei. Zeitgleich kam dann noch der Film "Fahrstuhl des Grauens" raus, -ebenfalls mit vielsagenden Bildern im Schaukasten - da war es dann auch um mein Vertrauen in Aufzüge geschehen.

Inzwischen hat sich das weitgehend verloren, im Gegenteil, ich liebe gruselige Filme. Und dunkle Ecken fürchte ich höchstens, wenn ich dort durchgeknallte Drogenkonsumenten vermute. Aber ein klein bissschen an Geister und Monster glauben möchte ich schon noch gerne.

aufdemweg
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Mag ich Mag ich nicht

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18.11.2012 - 12:30 Uhr
aufdemweg

Damals gabs es bloß immer jemanden, der dir versucht hat die Ängste zu nehmen. Das ist die wahre Schönheit der Kindheit ;)

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pajaroj123 offline

pajaroj123

ist jetzt-Userin und hat diesen Beitrag verfasst.