Schöne Probleme
Unter dem Hashtag #Modelproblems berichten Models von Schlafmangel, drückenden Schuhen, langen Wartezeiten und können dabei vor allem eins: sich selbst endlich mal ein bisschen leidtun.

„Sie ist ein Model und sie sieht gut aus" - mehr wollte schon Kraftwerk von den grazilen Laufstegschönheiten nicht wissen. 20 Jahre nach dem Hit hat sich daran offensichtlich nicht viel geändert. Jetset-Leben, hohe Gagen, Klamottenberge, so muss das Modelleben sein. Unter dem Hashtag #Modelproblems machen Models nun publik, welche Probleme sie wirklich plagen. Mit bekannten Klischees räumen sie dabei leider weniger auf. Während sich unsereins um die Steuererklärung drückt und mit den großen Lebensfragen ringt, stellt einen der Model-Alltag vor andere Aufgaben, wie der User @modelproblemss feststellt: „Hate looking at my own photos, but everyone else seems to love them #ModelProblems". Auch dieses Model hat es auf der New York Fashion Week nicht leicht: „3 hrs of prep for 30 seconds of walking #modelproblems #NYFW“, die Userin @HeyItsLindaK leidet dagegen unter Entscheidungsschwierigkeiten: "When you have a beach shoot scheduled & can't decide which bikini to wear. #modelproblems."
Dass das nicht der Stoff ist, aus dem großartige Songs entstehen, ahnte schon Kraftwerk.


Doch der Hashtag erfreut sich in den letzten Wochen großer Beliebtheit, das Mitteilungsbedürfnis der Schönen ist groß. Getweetet wird über alles, von verpassten Flügen über Sonnenbrand. Die Models scheinen erleichtert über ein Ventil für ihren Runway-Weltschmerz. Klickt man sich durch die Tweets der letzten Tage, findet man auch ein bisschen Selbstkritik, gut versteckt zwischen Kommentaren zu abgebrochenen Nägeln und zu großen High-Heels. Die Userin @alexandriariafini tweetet: „I just saw a truck driver with bigger boobs than me." und auch @modelproblemss sieht die eigenen "Probleme" mit Humor: „When you've become an expert at staring at things in the distance #modelproblems". Damit beweisen sie die Portion Selbstironie, die viele Kollegen vermissen lassen.


Wenige Tweets lassen darauf schließen, was sich hinter der glamourösen Fassade für die Mehrheit der Models wirklich verbirgt: schlechte Jobchancen, Ausbeutung oder Magerwahn. Selten sind die Tweets jenseits der Klischees, selten sprechen sie die Schattenseiten des Jobs an. Aber es gibt Ausnahmen. Andrea Cronbergs Tweet zeichnet ein wenig glamouröses Bild ihres Berufs: „model apartment with 8 girls and no toliet paper,no hot water...the model life is so luxiurous #modelproblems #milanholidaystoreclosed #breakingamish", eine andere Userin schreibt: „haven't had a job in 3 months yaay -__- #modelproblems“.
Leider bekommen solche Aussagen weit weniger Resonanz als die üblichen Model-Wehwehchen. Vielleicht fehlt uns dann doch der Unterhaltungswert. Da lesen wir lieber Klischeeprobleme wie „Its so cold I can't feel my six pack. This isn't good...#ModelProblems". Ob schöner Schein oder grausame Realität, eins ist nämlich klar, tauschen möchten wir mit den schnöden Models nicht.
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Ich lese gern Frauenzeitschriften, aber am schlimmsten sind immer im Frühjahr und Herbst diese seitenlangen nichtssagenden Fotostrecken: "Hinter den Kulissen der Fashion Week" , "Runway exklusiv", "Das Fashion-Event des Jahres", usw. usw. Und dann eine lieblos zusammengeschusterte Kollage mit lauter Fotos dünner Frauen, die gerade geschminkt werden oder die mit ihrem Smartphone auf dem Boden sitzen.
Wen soll das denn interessieren?
Cate81 sagte:
Hm. Geht es nur mir so oder gibt es auch andere, die alles rund um den Begriff "Model" ziemlich belanglos finden?
Ich lese gern Frauenzeitschriften, aber am schlimmsten sind immer im Frühjahr und Herbst diese seitenlangen nichtssagenden Fotostrecken: "Hinter den Kulissen der Fashion Week" , "Runway exklusiv", "Das Fashion-Event des Jahres", usw. usw. Und dann eine lieblos zusammengeschusterte Kollage mit lauter Fotos dünner Frauen, die gerade geschminkt werden oder die mit ihrem Smartphone auf dem Boden sitzen.
Wen soll das denn interessieren?
Würden nur Arztpraxen und Friseursalons diese Nichtigkeiten kaufen gäbe es sie wohl kaum. Oder vielleicht doch, da sind doch immer so viele Anzeigen drin (und der redaktionelle Content ist auch nichts anderes als eine Anzeige) dass man diese Modemagazine eigentlich auch verschenken könnte...
Oder es ist wie mit den Comcept Cars auf Autosalons, die sind unpraktisch, hässlich und kaufen kann man sie auch nicht. Trotzdem werden diese Fotostrecken eindeutig wie verrückt geklickt...









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06.11.2012 - 17:15 Uhr
octopussy
Nur werden es "Normalmenschen" eben auch eher unter "Luxusprobleme" katgorisieren und deswegen nicht reflektieren - oder?