18.10.2012 - 18:30 Uhr

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Geheimes Gesetz (15): Ikea vs. Liebesglück

Text: friedemann-karig - Illustration: Katharina Bitzl

In dieser Kolumne widmet sich Friedemann Karig den ungeschriebenen Regeln des Alltags. Diesmal geht er mit einem hoffnungsvollen Paar den schwersten Gang: Samstags ins Möbelhaus!

Das Gesetz: Eine Beziehung kann nur langfristig erfolgreich sein, wenn sie einen Samstagvormittag bei IKEA überlebt. Das gemeinsame Shopping ist streitfrei durchzustehen, die attraktiven Partner anderer Menschen zu ignorieren. Das Aufbauen der Möbel in Teamarbeit ist die letzte, schwerste Prüfung.

Viele Paare sehen die erste gemeinsame Wohnung als ultimativen Test für ihre Beziehung. Der Alltag zu zweit unter einem Dach soll zeigen, ob das „Wir“ funktioniert. Dabei sind hygienische Sollbruchstellen wie Toilettendeckel oder Zahnpasta-Tuben nichts gegen die Strapazen, überhaupt so weit zu kommen. Zusammenwohnen ist leicht – im Vergleich zum Zusammenziehen. In der Liebe erzeugt Reibung die Hitze, und einzig, wer gemeinsam durch große Möbelhäuser streifte, kann wissen, ob ihn diese schwedische Sauna wärmt oder verbrennt. Daher ist es Geheimes Gesetz, dass nur Beziehungen, die einen gemeinsamen Ikea-Besuch überstehen, eine Zukunft haben.  

Jeden Samstagvormittag kann man sie beobachten: Ratlose Pärchen vor endlosen Schrankkombinationen, die Bleistifte in ihren Händen so fein wie der Sinn für Dissonanzen. Wenig ist für den Nestbauer so sensibel wie eine stimmige Komposition aus Eierlöffel und Geschirrhandtuch. Wenigen Details misst er solche Bedeutung zu wie der Aufbewahrung seiner Schmutzwäsche. Er nimmt die Sache ernst. Erst recht zu zweit. Also erfasst eine grundsätzliche Genervtheit die Wohnraumteilenden, spätestens ab dem Küchenparadies. Der Geduldsfaden, etwa wenn einen Partner bezüglich Besteck eine plötzliche Bindungsangst blockiert, reißt schneller als das handgeschöpfte Papier der Lampenschirme. Es wird nicht mehr miteinander gesprochen, es wird gedroht: „Wenn du meinst, kauf das ruhig, aber..–“  die letzte Konsequenz bleibt unausgesprochen. Der Hotdog zur Belohnung scheint unerreichbar.  

Was vorher über einem Katalog entschieden wurde, gilt hier ebenso wenig wie alte Liebesschwüre. Im Scheinwerferlicht der Verkaufshalle scheinen nicht nur Bettvorleger, sondern auch vertraute Gesichtszüge plötzlich hässlich. Eine andere Kombination von Geschirr und Menschen erscheint möglich, gar wünschenswert. Man hatte sich festgelegt, jetzt zweifelt man. Die Kinderzimmer warnen: Überleg dir das gut. Könnte man diese inneren und äußeren Kämpfe wenigstens im Privaten ausfechten! Aber nein, unzählige andere Paare schleichen durch die Gänge. Man hat, während der eigene Partner zum fünften Mal dieselben Maße durchrechnet, ungesund viel Zeit, andere Pärchenteile zu begutachten: Ist sie dort drüben nicht nur hübscher, sondern auch viel geschmackssicherer als die eigene? Scheint nicht er dort drüben ein Macher und Meisterer, wo der eigene nur laviert und lamentiert? Warum passen andere Paare wie Buch zu Billy? Was machen wir falsch?  

Wer es trotzdem liiert nach Hause schafft, steht noch vor der schwersten Prüfung: Dem Aufbauen der Möbel. Selbst sozialkompetente Kaltblüter verwandeln sich unter dem Stress der Schrauben und schiefen Winkel in reißende Wölfe. Selbst harmonische Paare mit konstruktiver Streitkultur schreien sich an, wenn das Regal nicht stehen will. Montageanleitungen werden aus Händen gerissen, Werkzeug konfisziert, Recht gehabt, Vorwürfe gemacht. Tränen fließen. Am Ende steht die Trennung – oder der Versöhnungssex auf dem neuen Bett. Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zu den Möbeln findet.


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14 Kommentare
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addictedToSleep
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Mag ich Mag ich nicht

0

18.10.2012 - 19:41 Uhr
addictedToSleep

na dann sind mein junge und ich wohl für die ewigkeit bestimmt. wir sind schon 2 mal zusammen umgezogen und waren entsprechend oft bei ikea und haben letztens sogar bei einem befreundeten pärchen einen ganzen nachmittag ikea kram aufgebaut.

ThomasCrown
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Mag ich Mag ich nicht

1

18.10.2012 - 20:36 Uhr
ThomasCrown

och, gähn.

vammy
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Mag ich Mag ich nicht

1

18.10.2012 - 21:24 Uhr
vammy

Musste sehr lachen :)

schwindlicht
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Mag ich Mag ich nicht

0

18.10.2012 - 21:25 Uhr
schwindlicht

addictedToSleep sagte:
na dann sind mein junge und ich wohl für die ewigkeit bestimmt. wir sind schon 2 mal zusammen umgezogen und waren entsprechend oft bei ikea und haben letztens sogar bei einem befreundeten pärchen einen ganzen nachmittag ikea kram aufgebaut.

oder: ihr seid geborene schreiner.

concarne
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Mag ich Mag ich nicht

1

19.10.2012 - 07:31 Uhr
concarne

was andere leute für eine normale beziehung halten erstaunt mich immer wieder aufs neue.

dem_osten_so_nah
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Mag ich Mag ich nicht

1

19.10.2012 - 08:43 Uhr
dem_osten_so_nah

Am Ende steht die Trennung – oder der Versöhnungssex auf dem neuen Bett.

Das kann bei IKEA-Betten schon mal schiefgehen...

MsAufziehvogel
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Mag ich Mag ich nicht

3

19.10.2012 - 09:06 Uhr
MsAufziehvogel

schwindlicht sagte:
addictedToSleep sagte:
na dann sind mein junge und ich wohl für die ewigkeit bestimmt. wir sind schon 2 mal zusammen umgezogen und waren entsprechend oft bei ikea und haben letztens sogar bei einem befreundeten pärchen einen ganzen nachmittag ikea kram aufgebaut.

oder: ihr seid geborene schreiner.


ikea-möbel aufbauen hat jetzt mit schreinerei wirklich nichts zu tun.

ZeroDegrees
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Mag ich Mag ich nicht

2

19.10.2012 - 11:00 Uhr
ZeroDegrees

Hm, wir hatten uns schon bei der Wohnungssuche ansich richtig gezofft, da war Ikea und Möbelaufbauen (was wir jetzt auch schon mehr mals hinter uns haben) wie schönster Sommerurlaub.

Vorher haben wir noch fast ein Jahr in einer Einraumwohnung gewohnt, direkt nach unserer Fernbeziehung (600km oder so?) plus Auslandsaufenthalt meinerseits.
Soviel was uns schocken könnte, kann da wohl nicht mehr kommen? Außer, dass wir jetzt wieder 700km entfernt wohnen. Aber die Ikeamöbel haben wir wieder gut aufgebaut bekommen. ;)

addictedToSleep
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Mag ich Mag ich nicht

0

19.10.2012 - 11:12 Uhr
addictedToSleep

MsAufziehvogel sagte:
ikea-möbel aufbauen hat jetzt mit schreinerei wirklich nichts zu tun.


nee, eben.
und gezofft haben wir uns auch wegen ganz anderen sachen, als so nem bisschen ikea shopping und aufbau.

Citterio
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Mag ich Mag ich nicht

1

19.10.2012 - 11:24 Uhr
Citterio

Wenn die neue gemeinsame Wohnung dem IKEA-Katalog gleichen soll, dann ist eh sofort Schluss.

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friedemann-karig offline

friedemann-karig

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.