Geheimes Gesetz (14): Immer Ärger mit der Buchse
In dieser Kolumne widmet sich Friedemann Karig den ungeschriebenen Regeln des Alltags. In dieser Folge geht es um das große Leid beim Einrichten eines Internetanschlusses.

Das Gesetz: Die Installation oder Ummeldung eines Internet- und/oder Telefonanschlusses muss ein langer, schmerzhafter Prozess sein. Nichts darf auf Anhieb funktionieren.
Die sogenannten Sozialen Medien machen Emotionen sichtbar. Freude und Stolz, vor allem aber Wut und Ärger werden in die Netzwerke hinaus geschrien, auf dass möglichst viele Kontakte sehen, wer einen so bitterlich gefoppt hat. Es ist die Ironie des Digitalen Zeitalters, dass Telekommunikationstechnik meist benutzt wird, um deren Anbieter zu beschimpfen. Besonders gern verflucht wird das Geheime Gesetz: Kein Internet-/Telefonanschluss darf auf Anhieb und ohne großen Ärger funktionieren.
Diese Anschlüsse sind die Weisheitszähne des Kommunikationszeitalters: Jeder hat eine Leidensgeschichte. Nur wer gar keinen besitzt, geht schmerzfrei aus. Jede Installation oder Ummeldung muss ein langwieriger, schmerzhafter Prozess sein. Viele Fehlerquellen warten darauf zu nerven: Falsche Adresse hinterlegt, Leitung noch nicht freigeschaltet, Kundendaten unvollständig, Techniker nicht verfügbar. Was auch immer angeblich geschehen sollte, um das Problem zu beheben – letztlich geschieht nichts. In Erwartung von Hilfe wendet man sich törichterweise an die vorgesehenen Stellen. Und lernt: Hotlines sind keine Hilfe, sondern zeittötende Folter.
Unerträgliche Wartemelodien münden meist in Ansagen, dass momentan niemand Zeit hat. Erreicht man einen Service-Sklaven, agieren diese wie Agenten einer dunklen Macht: doppelzüngig, boshaft, destruktiv. Zuerst muss man einem denkbar unfreundlichen oder zumindest unfähigen Angestellten des gesichtslosen Konzerns sein Problem schildern. Man darf von diesem Ansprechpartner nicht erwarten, dass er mit dem Kollegen, der letzte Woche zuständig war, auch nur kleinste Informationspartikel austauscht. Die Monologe des Bittstellers werden zum sprichwörtlichen Sprung in der Platte, wenn er sein Problem wieder und wieder neu schildern muss, weil Kommunikation, sowohl direkt als über die Datenbanken der Firmen, verboten ist. Schnell landet man in der nächsten Warteschleife. Denn niemals kann derjenige helfen, mit dem man aktuell redet. Bemüht sich doch einmal ein menschliches Gegenüber zu einer konkreten Antwort, sollte man ihm nichts glauben. Denn die eigentliche Aufgabe der Angestellten scheint darin zu bestehen, arglose Anrufer in Schleifen zu verwickeln, noch einmal eine Adresse anzugeben, noch einen Termin für den Techniker auszumachen, noch einmal zu warten. Bis sie ihr Anliegen aufgeben und niemanden mehr damit belästigen. In den Filialen das Gleiche: Niemand scheint mit irgendeiner Kompetenz ausgestattet, die über teure Neu-Verträge hinausgeht. Kafkaeske Sackgassen, wohin man sich wendet, vgl. Asterix erobert Rom, Stichwort: Passierschein A 38.
Es ist ausnahmsweise offensichtlich, was dieses Gesetz bezwecken soll: Wenn niemand mehr Internet oder wenigstens Telefon hat, kann auch keiner dessen Anbieter digital kritisieren. Ärger und Wut verhallen dann ungehört an analogen Stammtischen. Texte wie diese kann niemand mehr lesen. Wenn sie so weiter machen, haben die Telekommunikationsunternehmen bald endlich Ruhe vor ihren Kunden.
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10.10.2012 - 22:11 Uhr
donrazzi
John Cleese könnte in dieser Situation habilitierter Experte für Landschildkröten sein - er würde an der Hotline verzweifeln, um klarzumachen, dass seine Landschildkröte tatsächlich tot und nicht nur in Winterstarre verfallen ist.
Ich will damit nichts schönreden. Natürlich ist es eine Katastrophe, wenn Netzbetreiber ihre Servicetechniker überbuchen, wie manche Airline ihre Touristenklasse. Aber ich kann inzwischen auch ganz gut verstehen, wenn nicht jeder Kunde mit "mein Internet geht nicht" gleich an einen Admin mit Root-Zugang für den Login-Server weitergeleitet wird.
:)
Was ich aber sagen muss: Der Film heißt "Asterix erobert Rom" und der Passierschein "A 38". Wenn schon Popkulturreferenz, dann richtig =) Der Film ist gerade auch wegen dieser Szene mein Lieblings-Asterix-Film.
Indijanajones sagte:
Ich dachte bei der Überschrift auch, dass es um Unterhosen gehen wird ...
Was ich aber sagen muss: Der Film heißt "Asterix erobert Rom" und der Passierschein "A 38". Wenn schon Popkulturreferenz, dann richtig =) Der Film ist gerade auch wegen dieser Szene mein Lieblings-Asterix-Film.
Danke, ist berichtigt!
Ich finde die Platzierung des Routers eine viel mysteriösere Sache, denn nur weil man direkt daneben sitzt bedeutet noch nicht dass man Topp Empfang hat. Hängt das Ding dagegen weiter weg kann es durchaus sein dass der Empfang gleich viel besser wird.
soylentyellow sagte:
Ich finde die Platzierung des Routers eine viel mysteriösere Sache, denn nur weil man direkt daneben sitzt bedeutet noch nicht dass man Topp Empfang hat. Hängt das Ding dagegen weiter weg kann es durchaus sein dass der Empfang gleich viel besser wird.
Das ist mitnichten mysteriös sondern hängt damit zusammen in welche Richtung die Antennen strahlen (Polarisationsebene) und wie die Lage der Antenne im Endgerät ist. Von daher kann es definitiv einen grossen Unterschied machen ob der Router steht oder hängt.









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10.10.2012 - 22:02 Uhr
donrazzi
Bevor ich aber selbst einen derartigen Job bekommen habe, in der guten, alten Zeit, als Handys noch so groß wie Telefonzellen waren und man Noobs im Netz noch an der AOL-E-Mail-Adresse erkannte, Ende der 1990er-Jahre, da musste ich selbst wegen der Konfiguration der Internetverbindung bei meinem Anbieter anrufen.
Es war erstaunlich: Man mußte sich damals noch selbst von der Hand durch die Menüs von Windows hangeln, hier und dort klicken und kryptische DNS-Server-Adressen eintragen. Aber ich hatte bei meinem ersten Anruf direkt einen kompetenten Mitarbeiter an der Strippe, der mich durch die Konfiguration führte. Nach fünf Minuten war ich online.
So guten Service habe ich nie wieder bei einer Telekommunikationsfirma bekommen - nur seitdem ich selbst für eine arbeite, weiß ich auch, warum das leider so ist...
Dann kamen Boris Becker und Robert T. Online und brachten das Land ins Netz. Und damit begann der Krieg. Bis zur Jahrtausendwende waren nur Menschen ins Netz gegangen, die sich auch mit der Materie auskannten. Was passierte, möchte ich an dem alten Monty-Python-Sketch erklären, in dem John Cleese einen toten Papagei reklamieren will.