Lexikon des Guten Lebens

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Wie gebe ich einen fairen Korb?

Text: marlene-halser

Wie soll man dem Gegenüber mitteilen, dass die Verknalltheit leider einseitig ist? Im Lexikon des guten Lebens findest du Rat.

Kaum eine Stille ist quälender als die eines Telefons, das nicht klingelt, obwohl es soll. Am Wochenende hatte ich beim Ausgehen einen Typen kennengelernt. Er war lustig, smart und sah gut aus. Wir hatten Spaß, lachten und tanzten. Als der Abend zu Ende ging, tauschten wir Telefonnummern. Zwei Tage später rief ich ihn an, aber er nahm nicht ab. Am Tag darauf schrieb ich eine Sms: "Hey Du! War sehr lustig mit Dir neulich. Sollen wir das mal wiederholen?" Nichts. Kein Anruf, keine Sms. Ich war ratlos und durchlief die üblichen Phasen. "Er ist bestimmt beschäftigt. Er wird sich schon noch melden", dachte ich optimistisch in Phase 1. "Vielleicht hat er sein Handy verloren?", beruhigte ich mich in Phase 2. "Ihm ist bestimmt etwas zugestoßen!", mutmaßte ich voller Panik in Phase 3. "Ob er wohl eine Freundin hat und sich deshalb nicht meldet?", grübelte ich kleinlaut in Phase 4. Um dann schließlich in Phase 5 der wahrscheinlichsten aller Möglichkeiten deprimiert ins Auge zu blicken: "Er war wohl nicht ganz so begeistert von mir, wie ich von ihm und hat einfach keine Lust, mich wiederzusehen."

Eine Erkenntnis, die nicht leicht fällt, wenn man sie nicht teilt. Wäre es da nicht fair, wenn das angehimmelte Gegenüber gleich sagen würde, was Sache ist? Wie leicht könnte man Phase 1 bis 4 so überspringen. Aber warum fällt das vielen so schwer?

"Ein Korb ist eine Zurückweisung und wird als bedrohlich empfunden", sagt Milly Pfleiderer, Therapeutin für Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz. "Sie rührt an eine der menschlichen Urängste, die Angst isoliert und ausgegrenzt zu sein." Werde man von einem anderen Menschen abgelehnt, der einem etwas bedeutet, fühle man sich beurteilt und als für nicht gut befunden, führt die Therapeutin aus. "Das trifft das Selbstwertgefühl und das ist immer heikel." Mit anderen Worten: Menschen, die sich nicht mehr melden, versuchen der Konfrontation mit den negativen Gefühlen, die ein Korb unweigerlich hervorruft, aus dem Weg zu gehen. Pfleiderer hat dafür Verständnis.

"Wir sind alle soziale und emphatische Wesen", erklärt sie. "Fügen wir jemandem Leid zu, ist das in der Regel auch für uns selbst unangenehm." Außerdem verändere ein Korb die Stimmung jäh. Wo zuvor alles leicht und unbeschwert war, weil man geflirtet und sich dadurch gegenseitig Bestätigung gegeben hat, lässt eine Zurückweisung die Situation ernst und schwer werden. Ein Gefühl, dem sich niemand gerne aussetzt. Stattdessen hoffen die meisten Menschen, dass das Gegenüber die nonverbalen Signale auch so versteht.

Will man das Gegenüber aber dennoch nicht im Ungewissen lassen, gerade weil einem etwas am anderen liegt, kann man einen Korb zwar selten schön, aber doch zumindest einigermaßen fair gestalten. "Wichtig ist, dass das Gespräch unter vier Augen stattfindet", sagt Pfleiderer. "Ein Korb in der Öffentlichkeit kommt einem Gesichtsverlust gleich, ist also nicht nur unangenehm, sondern auch beschämend." Im Gespräch gelte es, einen möglichst ehrlichen Grund zu nennen, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. "Hier kann man sich immer überlegen, wie man selbst gerne behandelt werden möchte und sich dann so verhalten", rät Pfleiderer.

Danach sei es wichtig, dem Zurückgewiesenen die Handlungsfähigkeit zurückzugeben. "Jeder, der Gefühle offenbart hat und zurückgewiesen wird, hat sich dem anderen ein Stück weit ausgeliefert", erklärt sie. Das ließe sich abfedern, wenn man dem anderen die Möglichkeit gebe, zu entscheiden, wie er mit der Sitaution umgehen will. "Willst Du jetzt alleine sein?", könnte man fragen. "Oder hilft es Dir, wenn wir noch einen Spaziergang machen, um auf andere Gedanken zu kommen?"

Am wichtigsten sei aber, so Pfleiderer, aus einem Korb kein Drama zu machen. "Wenn man nie etwas wagt, vergibt man viele Möglichkeiten im Leben", sagt die Therapeutin. Das Risiko zurückgewiesen zu werden, schwinge immer mit. "Schlechte Gefühle lassen sich im Leben nicht vermeiden", sagt sie. "Aber man wächst daran."

Marlene Halser ist 35 Jahre und hat schon viele Körbe einstecken müssen. Weil sie weiß, wie unangenehm es ist, im Ungewissen gelassen zu werden, hat sie sich angewöhnt, immer möglichst klare Ansagen zu machen.

Fünf Tipps für einen fairen Korb:

1. Beide Parteien sollten Mitgefühl miteinander haben. Einen Korb zu bekommen ist ebenso unangenehm, wie einen Korb zu geben. Die Situation macht also in der Regel keinem von beiden Spaß.

2. Ein fairer Korb findet immer in einem persönlichen Gespräch unter vier Augen statt. Eine Zurückweisung in der Öffentlichkeit beschämt den anderen nur unnötig und macht die Situation noch unangenehmer.

3. Es gilt das Prinzip: Verhalte Dich so, wie Du gerne von anderen behandelt werden möchtest. Eine ehrliche Begründung ist meist am fairsten. Ins Detail zu gehen, ist nicht angebracht. Das verletzt nur unnötig.

4. Um den Zurückgewiesenen nach dem Korb nicht handlungsunfähig zurück zu lassen, kann man ihn fragen, was er nun gerne tun möchte. Damit gibt man demjenigen, der sich zuvor ausgeliefert hat, die Möglichkeit aus der Erstarrung heraus wieder aktiv zu werden. Das fühlt sich meist besser an, als das ohnmächtige Gefühl, das ein Korb hinterlässt.

5. Zurückweisungen nicht zu sehr dramatisieren. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Unangenehme Erfahrungen, so schlimm sie manchmal sein mögen, sind ganz normal und gehören zum Leben.
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better_dressed
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Mag ich Mag ich nicht

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13.11.2012 - 21:43 Uhr
better_dressed

Naja, wenn ich einen Typen beim Ausgehen kennen lerne, dann fahr ich doch nachher nicht extra zu ihm, um ihm unter vier Augen nen Korb zu geben! Ich finde, da reicht eine kurze SMS - hey, es war schön, aber ich habe grade keine lust auf mehr.
das kann ja wohl auch jeder verstehen...

ich finde es meistens unangenehm, wenn ich jemanden nettes auf ner party kennen lerne und der dann sofort meine nummer haben will. kann man denn nicht mal nur einen abend spaß zusammen haben, ohne dass es gleich mehr sein muss? dann würde man sich auch dieses korbkriegen ersparen.

(und ja: ich gebe trotzdem meistens meine nummer, weil ich mich nicht traue 'nein' zu sagen. dann fragt der andere nämlich "warum?" und man muss sich rechtfertigen... unangenehm. wär mal interessant zu wissen, wie man jemandem einen "nummer-korb" verpasst.)

herrjemine
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Mag ich Mag ich nicht

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14.11.2012 - 11:00 Uhr
herrjemine

better_dressed sagte:

ich finde es meistens unangenehm, wenn ich jemanden nettes auf ner party kennen lerne und der dann sofort meine nummer haben will. kann man denn nicht mal nur einen abend spaß zusammen haben, ohne dass es gleich mehr sein muss?


Und wie Vielen hast du deine Nummer gegeben und warst dann froh, dass etwas daraus geworden ist? Wenn du dir wünscht, dass niemand mehr fragt, dann fragt dich auch der/die Richtige nicht mehr. Da muss frau halt auch mal die Ovarien haben und nein danke sagen.

better_dressed sagte:
dann würde man sich auch dieses korbkriegen ersparen.


Genau! Einfach nicht mehr fragen, dann gibts auch keine Körbe mehr! ... Dann gibts aber auch keine Beziehungen mehr

concarne
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Mag ich Mag ich nicht

0

14.11.2012 - 11:00 Uhr
concarne

Der wichtigste aspekt hier ist doch mit oder ohne Ficken?
Mit Ficken ist am ehrlichsten wenn garkeine Nummern gegeben werden und gegenseitig auch nicht danach gefragt, ausser man will denjenigen wirlich wiedersehen (dann muss man auch anrufen / rangehen).
Ohne Ficken ist auch ohne Verpflichtungen zu irgendetwas. Ne SMS kann man zum guten Ton zählen, muss man aber nicht. Das Austauschen der Telefonnummern verpflichtet einfach zu garnichts, schon garnicht zu einem 4 Augen Gespräch. Es ist ja nichts passiert.

nulli_1
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Mag ich Mag ich nicht

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14.11.2012 - 11:00 Uhr
nulli_1

egal ob es sich um einen korb handelt, den man ganz am anfang einer bekanntschaft gibt, im sinne von, halt kein interesse und einem der nach einer zeit gegeben wird, weil eine(r) aus der der beziehung aussteigen will, warum auch immer

unangenehm sind beide, und umso wichtiger der umgang damit.
wenn sich auch der korbgebende sich seiner verantwortung bewusst ist, wird er das imit entsprechendem taktgefühl machen. und das kommt, bei allem schmerz für den anderen auch so an. vllt nicht sofort, aber irgendwann.

wie diese form aussieht, ob das ein persönliches gespärch ist oder ein anruf oder auch nur eine sms wie better-dressed das beschreibt, hängt von der situation ab.
wichtig in jedem fall: ehrlichkeit. zeitnah.

octopussy
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Mag ich Mag ich nicht

0

14.11.2012 - 16:55 Uhr
octopussy

Den angenehmsten Korb finde ich: "Du bist nicht so mein Typ." Da kann man einen schönen Abend miteinander verbracht haben und sich gut unterhalten haben, aber die Chemie fehlt halt einfach.
Wenn man schon mal was miteinander hatte, sollte man auch so ehrlich sein, zu sagen: "Den einen Abend/Nacht fand ich schön, aber mir ist nicht danach, das weiter auszubauen." oder so.
Und eh: wenn man den anderen nicht interessant findet, sollte man auch die Nummer nicht rausgeben.

chrinamu
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Mag ich Mag ich nicht

1

14.11.2012 - 16:56 Uhr
chrinamu

Ich selber sag eher zu direkt nein als gar nichts, was auch leider schon zu absurden Szenen geführt hat: zu Beginn meines Studiums hat mich mal ein netter Kommilitone gefragt, ob wir mal einen Kaffee zusammen trinken, und ich Huhn habe gesagt, ja gerne, aber ich hab übrigens einen Freund oder so (was stimmte). Peinlich.

Was ich übrigens echt gemein finde, ist, dass man als Paarhälfte sowas Ablehnendes sehr bequem sagen kann, während Singles eigentlich fast nur Körbe geben können, indem sie lügen, sie hätten einen Freund. Denn die Mehrheit geht davon aus, dass der Single einfach IMMER "unter die Haube" will.

yourloveistheplacewhereicomefrom
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Mag ich Mag ich nicht

5

14.11.2012 - 16:56 Uhr
yourloveistheplacewhe…

better_dressed sagte:

(und ja: ich gebe trotzdem meistens meine nummer, weil ich mich nicht traue 'nein' zu sagen. dann fragt der andere nämlich "warum?" und man muss sich rechtfertigen... unangenehm. wär mal interessant zu wissen, wie man jemandem einen "nummer-korb" verpasst.)


oh ja. ein "ich bin nicht interessiert" ist ja auch unglaublich schwer über die lippen zu bringen. und wer dann noch nachfragt "warum?", den kannste eben auch mit ner unbequemen wahrheit konfrontieren. trau dich gefälligst. die typen haben sich nämlich auch getraut, dich anzusprechen.

Trilobitin
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Mag ich Mag ich nicht

0

15.11.2012 - 17:35 Uhr
Trilobitin

better_dressed sagte:
(und ja: ich gebe trotzdem meistens meine nummer, weil ich mich nicht traue 'nein' zu sagen. dann fragt der andere nämlich "warum?" und man muss sich rechtfertigen... unangenehm. wär mal interessant zu wissen, wie man jemandem einen "nummer-korb" verpasst.)


einfach nicht die nummer geben? nett danke für das gespräch/den abend/was auch immer sagen und vermitteln dass man keine interesse hat?
alles andere ist doch unfair, der herr wird sich doch auch mühe gegeben haben dich anzusprechen. und wartet am ende auf einen anruf.

better_dressed
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Mag ich Mag ich nicht

0

15.11.2012 - 17:36 Uhr
better_dressed

chrinamu sagte:

Was ich übrigens echt gemein finde, ist, dass man als Paarhälfte sowas Ablehnendes sehr bequem sagen kann, während Singles eigentlich fast nur Körbe geben können, indem sie lügen, sie hätten einen Freund. Denn die Mehrheit geht davon aus, dass der Single einfach IMMER "unter die Haube" will.


danke, eigentlich wollte ich sowas in der art sagen. dass ich eben oft nicht auf ner party quatschen kann, ohne dass der andere gleich denkt, ich will irgendwas beziehungs- oder sexmäßiges. hey - man kann auch manchmal einfach nur reden, oder nicht!?

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