Meine Worte bei dir.
Letzte Nacht habe ich von dir geträumt. Ich habe mich in einer fremden Stadt verlaufen. In einer Gasse sah ich dich, war so erleichtert, dich gefunden zu haben. Ich habe deinen Namen gerufen. Du hast dich nicht umgedreht. Erst als ich dir nachlief, bliebst du stehen. Aber die richtigen Worte hattest du nicht. Du hattest gar keine mehr.Nicht mal im Traum fällt mir ein, was du noch sagen könntest.
Du hast mich an dich gezogen, deine Lippen an meiner Schläfe. Ich habe dein Gesicht gestreichelt und es nicht verstanden: ich konnte mir nicht erklären, wie ich die Kraft gefunden hatte, dir zu verzeihen.
Nach dem Aufwachen bin ich liegen geblieben, habe mir die Bilder in Erinnerung gerufen, wollte es behalten, das Gefühl. Wie ich dein Gesicht streichle. Die Scharte neben deinem Mund. Nur einen Augenblick lang wollte ich fühlen, wie es war dich zu kennen.
Der Mann in meinem Traum war kein Fremder.
Wie lang ich deinen Verrat schon überlebt habe. Wie gut ich die Enttäuschung mittlerweile verbergen kann. Ich zähle die Tage, von Woche zu Woche. Das, was schmerzte, zieht sich zusammen, wird hart und kalt. Doch wie ein Schlag in die Magengrube trifft es mich wieder. Das Vermissen. Das Zurückwollen. Das Bereuen.
Ich dachte, sie sind sicher: meine Worte bei dir.

Bild: Rita Lino.
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19.09.2012 - 20:09 Uhr
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