"Es wird die Clubs brutal hart treffen"
Am Donnerstag wird in München und anderen deutschen Städten gegen die für 2013 geplante Tarifreform der Gema protestiert. Die Clubs sehen sich in ihrer Existenz bedroht, der Streit schwelt seit Monaten. Wir haben Münchner Musiker, Label- und Clubbetreiber und die Gema gefragt, wie sie zur Reform stehen und was sie konkret für sie bedeutet.
David Süß, Betreiber des Harry Klein
Im Augenblick zahlen wir an die Gema 6 300 Euro im Jahr. Zukünftig werden wir, je nachdem, wie gut oder schlecht unsere Veranstaltung besucht sein werden, zwischen 30 000 und 35 000 Euro zahlen müssen – also mindestens fünf mal so viel. 24 000 Euro ist viel Geld und mehr, als wir im Jahr Gewinn machen. Ich könnte also nur das Personal oder die Künstler schlechter bezahlen oder das Geld über Eintritt oder Getränke wiederholen.
Es gibt seit 30 Jahren gültige Tarife und die Verträge sind immer wieder verhandelt und angepasst worden. Die Behauptung der Gema, dass man wohl bislang viel zu wenig gezahlt habe, wenn man so hohe Steigerungen habe, grenzt an politisches Kabarett. Bei uns wird es vollends absurd, denn die Künstler, die ins Harry Klein kommen, sind oftmals gar keine Gema-Mitglieder. Das macht für die gar keinen Sinn, die verkaufen vielleicht 200 Platten. Sobald aber bei einem Live-Auftritt oder einem DJ-Set nur ein Lied oder ein Sample aus dem Gema-Repertoire stammt, müssen wir die volle Gebühr zahlen.
Die kommt am Ende dann allerdings nicht bei unseren Künstlern, sondern bei David Guetta oder den Weather Girls an. In 120 Diskotheken in Deutschland steht nämlich eine Blackbox der Gema, die dort eine Stunde Musik pro Woche mitschneidet. So soll ermittelt werden, welche Musik in Clubs gespielt wird. Bei 5000 Diskotheken in Deutschland kann man sich vorstellen, dass da nur eine unscharfe, nicht besonders gerechte Auswahl herauskommt – da sind vor allem die großen Hits dabei, die überall gespielt werden.
In der elektronischen Musik hat sich deshalb ein eigenes Verwertungssystem entwickelt: Die Künstler, die bei uns auftreten, leben nicht von Plattenverkäufen, sondern von DJ-Auftritten. Als DJ bekannt werden sie aber nur über die Musik, die sie produzieren. Ihre Platten sind also vor allem Werbung für Gigs. Wenn den Leuten der Sound gefällt, dann gehen sie dorthin und sind bereit, dafür auch einen gewissen Eintritt zu zahlen. Von dem Eintritt, den die Leute dann zum Beispiel im Harry Klein zahlen, kommt sehr viel bei den Künstlern an: Ein renommierter DJ bekommt bei uns eine Gage zwischen 1 000 und 3 000 Euro.
Den alten Gema-Tarif empfinde ich als gerecht. Wenn er geändert werden soll, muss die Gema sich mit ganz vielen Leuten zusammensetzen und gemeinsam mit ihnen ein neues Tarifmodell entwickeln, dass auch Spartenmusik wie bei uns berücksichtigt.
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