"Die Tagesabläufe und Innenstädte sind überall gleich"
80 Großstädte in 30 Tagen - das war das Ziel von Fabian und er hat es auch erreicht. Wie war es unterwegs? Ein Interview übers "Speed-Sightseeing".
80 Großstädte gibt es in Deutschland – die wenigsten von uns waren schon in allen diesen Städten. Fabian Kuntz ist zwar erst 21, kennt aber trtozdem schon alles Urbane in Deutschland von Cottbus, der kleinsten Großstadt, bis Berlin. Zumindest ein bisschen. Der Student aus Karlsruhe, ursprünglich aus Herxheim, dem „zweitgrößten Dorf in Rheinland-Pfalz“, ist einen Monat lang mit dem Zug kreuz und quer durch Deutschland gefahren und hat allen deutschen Großstädten einen Kurzbesuch abgestattet.jetzt.de: Fabian, 80 Städte in einem Monat zu besuchen: Das ist ein ganz schön sportlicher Vorsatz!
Fabian: Vielleicht schon ein bisschen. Ich habe es meinen Freunden gegenüber auch als „Speed-Sightseeing“ bezeichnet.

Wie bist du auf die Idee zu diesem Speed-Sightseeing gekommen?
Durch die Umstellung auf die Bachelorstudiengänge hat man als Student ja nur noch wenig Freizeit. Dieses Semester lag die Prüfungszeit bei mir aber direkt nach dem Ende der Vorlesungszeit, so dass ich danach tatsächlich einen ganzen Monat komplett frei hatte. Da habe ich mir gedacht: Wahrscheinlich wirst du in absehbarer Zeit nie wieder so lange am Stück frei haben, die Zeit musst du also nutzen. Es gab gerade von der Bahn ein Angebot für eine Fahrkarte, mit der man für 249 Euro einen Monat lang kreuz und quer durch Deutschland fahren konnte. Die habe ich mir gekauft und war total euphorisch. Also habe ich mich einfach mal in den Zug gesetzt und bin nach Bochum gefahren. Erst, als ich dort angekommen bin, ist mir überhaupt die Idee zu dem Ziel gekommen: Alle 80 Großstädte Deutschlands in den 30 Tagen zu besuchen und mit einem Foto von mindestens einer Sehenswürdigkeit mir zu beweisen, dass ich eine Stadt geschafft habe.
Und ab dann warst du die ganze Zeit unterwegs?
Nicht ganz, ich hatte während des Monats auch Geburtstag, da wollte ich nicht alleine unterwegs sein, sondern bin zuhause geblieben. Je nachdem, wie weit die Städte weg waren, bin ich abends wieder zurück nach Karlsruhe gefahren, ab und zu habe ich aber auch im Hostel übernachtet. Insgesamt war ich an 25 Tagen unterwegs.
Bei 80 Städten insgesamt musst du dir dann ja an manchen Tagen sogar mehr als drei Städte angesehen haben!
Richtig, mein Rekord waren sogar sechs Städte an einem Tag, da war ich gerade im Ruhrgebiet. Da reist man ja auch nur eine Viertelstunde oder 20 Minuten bis zur nächsten Stadt. Da habe ich dann allerdings auch nicht immer zwei bis drei Stunden in einer Stadt verbracht wie sonst, sondern auch mal nur ein bis zwei Stunden.
Wie gut kann man denn eine Stadt in so kurzer Zeit überhaupt kennenlernen?
Das haben mich auch ganz viele Freunde gefragt. Ich bin halt einfach ausgestiegen und habe gehofft, dass die Stadt eine gute Tourismusbehörde hat und gut ausgeschildert ist. Ansonsten kann man auch nicht viel falsch machen, erstmal Richtung Innenstadt zu gehen. Meiner Meinung nach sind zwei bis drei Stunden aber völlig ausreichend, um zumindest einen Eindruck von einer Stadt zu bekommen. Sie später auf Fotos wiederzuerkennen. Für einen Museumsbesuch reicht es natürlich nicht, aber um die wichtigen Sehenswürdigkeiten anzuschauen, dafür schon.
Glaubst du denn, dass man mit der Jagd nach Sehenswürdigkeiten wirklich einen treffenden Eindruck von der Stadt bekommt?
Es ist zwar nur ein Appetizer, aber ich denke, dasss man schon einen ziemlich treffenden Eindruck bekommt. Nachdem ich 40, 50 Städte besucht hatte, konnte ich oft bereits am Bahnhof erkennen, ob es zum Beispiel eine Studentenstadt ist. Das sieht man schon allein an der Umhängetaschendichte. Und man erkennt auch schnell, wie gut es den Menschen in einer Stadt geht, ob es dort gediegen zugeht oder eher nicht. Aber natürlich erfasst man nicht unbedingt das Lebensgefühl, das eine Stadt natürlich auch ausmacht.
Wo hat es dir am besten gefallen?
Da könnte ich schon einige Städte nennen. Nürnberg hat mir zum Beispiel wirklich gut gefallen und auch Münster fand ich sehr schön.
Hast du dir von Anfang an einen genauen Plan gemacht, damit du alle 80 Städte schaffst?
Eigentlich war die Idee, alles ganz spontan zu machen, kurzfristig zu schauen, wo ich als nächstes hinfahre. Mit der Zeit hat sich das deutlich professionalisiert und ich habe mehr geplant, sonst hätte ich tatsächlich nicht alle 80 Städte geschafft. Ich habe dann angefangen, die Städte auf einer Deutschlandkarte abzuhaken. Das hat mir auch einige belustigte Blicke im Zug beschert.
Du hast sehr viel Zeit alleine im Zug verbracht. Was hast du da gemacht?
Es gibt doch das Sprichwort „Reisen bildet“ – das hat bei mir insofern zugetroffen, als dass ich ganz, ganz viel gelesen habe. Aber auch mal Musik gehört. Ich habe außerdem viel im Zug geschlafen. Während des Monats habe ich nämlich ein ziemliches Schlafdefizit angehäuft. Und man hat alleine natürlich auch viel Zeit nachzudenken über Gott und die Welt. Vielleicht würde ich die Reise daher auch als meine persönlichen Jakobsweg bezeichnen.
Nachdem du jetzt alle 80 deutschen Großstädte gesehen hast: Gibt es etwas, das alle Städte gemeinsam haben?
Was mir aufgefallen ist, dass die Tagesabläufe wirklich überall gleich sind: Morgens früh zum Beispiel sind die Kehrmaschinen unterwegs, nachmittags gehen die Leute überall shopppen, abends leert es sich wieder. Die Innenstädte sind außerdem häufig austauschbar, überall gibt es die gleichen Ketten. Deswegen verstehe ich jetzt noch weniger, warum viele Frauen zum Shoppen immer in andere Städte fahren wollen. Und in vielen Städten haben mich Menschen angesprochen und gefragt, ob ich hierher komme, weil sie zum Beispiel Hilfe gesucht haben. Da hatte ich schon überall das schöne Gefühl: Hier könnte ich auch ein Einheimischer sein.
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aber die idee finde ich grundsätzlich super!
(was jetzt nicht heißen soll, dass ich die idee nicht gut fände)
Kann man noch die einzelnen Städte auseinanderhalten? Hat man noch individuelle Eindrücke? Verbindet man etwas typisches damit?
Für mich ist manchmal weniger mehr. Aber vielleicht hat Fabian ja auch andere Erfahrungen. Oder verfolgt andere Ziele.
Und ja die Ketten sind ein Geschwür und sie machen Städte langweilig.
Digital_Data
lea2 sagte:
erinnert mich an asiatische reisegruppen, die bewältigen ja oft ein ähnliches pensum :D
(was jetzt nicht heißen soll, dass ich die idee nicht gut fände)
Gibt schon Parallelen, wenn man den Artikel hier liest :-)
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-52...
Yeah_Yeah sagte:
hm. in 2-3 stunden pro stadt kann man halt wirklich nur die beliebigkeit kennenlernen, nicht das besondere jeder stadt.
aber die idee finde ich grundsätzlich super!
bei 2-3 Stunden von "kennenlernen" zu sprechen ist ein Witz. Eine Innenstadt und eine Fußgängerzone klassifiziert keine Stadt.
@apollyon: Da bleibt nix. außer: "Ja, da war ich schon." Aber bei seinem Speed-Trip bekommt er ja auch nur einen extrem flüchtigen Eindruck. Und dieser flüchtige Eindruck verschwimmt doch auch, bei der Menge in der Kürze. Ich denke, wenn man ihn jetzt fragt: "Wo is der Unterschied zwischen Bochum, Dortmund, Essen, Bremen, Münster?" wird kaum eine großartig differenzierte Auflistung kommen.
"Schönes Beispiel, was der Bätscheler aus dem gemeinen Studenten macht: Einen Hamsterradrenner."
So ein Quatsch^^- Ich studier grade noch (Bachelor) und hatte bisher immer mindestens 2 Monate Semesterferien so wie die meisten meiner Bekannten/Freunde auch mit anderen Studienrichtungen und Unis...
Genug Zeit zum Arbeiten unterm Semester hatte ich meistens auch, so dass dann doch mehr drin war als im Schnelldurchlauf die "Highlights" der Republik wie Oberhausen etc abzufrühstücken...
Aber klar Bachelor is scheisse und eigentlich eh grundsätzlich an allem schuld^^
octopussy sagte:
Yeah_Yeah sagte:
hm. in 2-3 stunden pro stadt kann man halt wirklich nur die beliebigkeit kennenlernen, nicht das besondere jeder stadt.
aber die idee finde ich grundsätzlich super!
bei 2-3 Stunden von "kennenlernen" zu sprechen ist ein Witz. Eine Innenstadt und eine Fußgängerzone klassifiziert keine Stadt.
@apollyon: Da bleibt nix. außer: "Ja, da war ich schon." Aber bei seinem Speed-Trip bekommt er ja auch nur einen extrem flüchtigen Eindruck. Und dieser flüchtige Eindruck verschwimmt doch auch, bei der Menge in der Kürze. Ich denke, wenn man ihn jetzt fragt: "Wo is der Unterschied zwischen Bochum, Dortmund, Essen, Bremen, Münster?" wird kaum eine großartig differenzierte Auflistung kommen.
Und? Wer von uns wagt es denn zu behaupten, den wesentlichen Unterschied zwischen Dortmund, Bochum und Essen zu kennen? Was wäre denn eine "differenzierte Auflistung"? Ein Vergleich der Arbeitslosenquoten, Bevölkerungsdichte, Passantenfrequenz in der jeweiligen City? Oder meinste Du mit "differenziert" den BVB09, den VFL und Rot-Weiß-Essen?
Wie lange sind denn üblicherweise "Städtetrips"? Wie viel Zeit nimmt "man" sich für Städte wie Koblenz, Kassel oder Osnabrück? Ein Tag, zwei? Und am Ende meint man, man kenne sie. Die Wahrzeichen, das bedeutendste Museum, das "regionale Flair" ... whatever.
Es steckt doch kein wissenschaftlicher Anspruch hinter seiner Reise. Dennoch sind ihm sicher viele Dinge im "Querschnitt" aufgefallen, die sich belegen ließen. Und die Städte, die ihm gefallen haben oder anderweitig in Erinnerung geblieben sind, kann er ja später ausgiebiger besuchen.
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30.08.2012 - 19:51 Uhr
BananenBill