17.08.2012 - 18:30 Uhr

2 11 Über Twitter weiterempfehlen

AGBs vor-lesen lassen

Text: kathrin-hollmer

Wer liest sich schon durch seitenlange, trockene Nutzungsbedingungen? Die Website "Terms of Service; Didn't Read" nimmt uns diese Arbeit ab und benotet die AGBs von Online-Diensten.

Den Nutzungsbestimmungen von Online-Diensten hat man meistens mit einem einzigen Klick zugestimmt. Aber, mal ganz ehrlich, wer liest sich vor dem "I have read and agree to the Terms" schon durch seitenweise Juristendeutsch bzw. -englisch? Eben. Weil wir trotzdem immer auf "Zustimmen" klicken, will sich eine neue, nicht kommerzielle Website dieser "größten Lüge im Netz" annehmen: "Terms of Service; Didn't Read", kurz "ToS;DR".



Die Website ist eine Initiative von Unhosted.org, die Idee dafür ist beim "Chaos Communication Camp" des deutschen Chaos Computer Clubs im August 2011 entstanden. Einer der Macher von "ToS;DR" ist Jan-Christoph Borchardt, 23. Nach seinem Informationsdesignstudium in Stuttgart hat er als Designer an verschiedenen Open-Source-Projekten wie ownCloud mitgearbeitet, bevor er sich "ToS;DR" angeschlossen hat.

Auch Jan hat das mit dem Lesen vor dem Bestätigungs-Klick früher nicht ganz so ernst genommen: "Ich habe mir nur von einigen Diensten die AGBs wirklich durchgelesen, aber die meisten Leute lesen das gar nicht. Wir wollen zeigen, wozu Dienste wie Google Mail und Twitter fähig sind." Um das zu begreifen, würde das Lesen allein gar nicht ausreichen. "Man muss erst mal verstehen, was da steht", sagt Jan, "abgesehen davon, dass die Texte furchtbar lang und unübersichtlich sind, versteht man diese Juristensprache kaum."  

Für den Fachjargon hat das Team seit Juni Unterstützung. Der Pariser Jurastudent und FSFE-Aktivist (Free Software Foundation Europe) Hugo Roy leitet seit zwei Monaten das Projekt und bewertet mit seinem Fachwissen die Nutzungsbedingungen der Online-Dienste. Neben Jan, der sich um das Logo und die Nutzerführung kümmert, ist noch der Javascript-Programmierer und "Unhosted"-Mitgründer Michiel de Jong im Team.

Jan-Christoph Borchardt

Noch ist "ToS;DR" im Aufbau, bisher sind knapp 50 Online-Dienste in der Bewertung (Stand: 17.8.2012), trotzdem kann man die Funktionsweise schon gut erkennen: Jan, Michiel und Hugo zerlegen die Nutzungsbedingungen, denen man beim Registrieren zustimmen muss, und listen deren Inhalt stichpunktartig auf. "Inspiriert haben uns die europäischen Waschmaschinenlabels", sagt Jan, "da muss man nicht kapieren, wie die Maschine produziert wird oder was sie verbraucht, wichtig ist nur die Info, dass ein Grünes 'A' am besten ist." Wie ein "Eco-Label" für Webseiten-Nutzungsbedingungen soll am Ende "ToS;DR" werden: Mit einem grün hinterlegten Daumen oder einem Kreuz auf orangefarbenem Hintergrund geben sie gleich eine Wertung. Bei Facebook sieht das zum Beispiel so aus: Für die Hilfe, die man beim Sichern seines Accounts bekommt, kriegt das Social Network einen Pluspunkt, für die Tatsache, dass man seinen Klarnamen verwenden muss und dafür, dass man Facebook die Rechte über jeden eingestellten Content überschreibt, ein Minus.  

Am Schluss soll jede Seite eine Gesamtnote bekommen, von der Bestnote A, die anzeigt, dass Nutzer fair behandelt werden und keine Daten missbraucht werden, bis zur schlechtesten Wertung E. Bisher haben erst ein paar Seiten Gesamtnoten, zum Beispiel Twitpic ein wenig überraschendes E. Besser abgeschnitten haben der Hosting-Dienst GitHub (B) und die Suchmaschine DuckDuckGo (A). Von den "Großen" wie Facebook, Google, Twitter, Apple und Skype fehlen die Gesamtnoten noch.  

Ende August will Roy das Projekt beim Technikfestival "Campus Party" in Berlin vorstellen, auch um mehr Unterstützer zu finden. "Momentan lesen die Leute einfach die Nutzungsbedingungen und picken gute und schlechte Punkte heraus, dafür ist kein besonderes Wissen notwendig", sagt Jan, "Wir sind eine lose, unabhängige Organisation ohne Hierarchie. Jeder kann mitmachen und ist mehr als willkommen." Am meisten brauchen sie noch Juristen oder Personen, die sich mit Juristensprache und Nutzungsbedingungen auskennen. Bisher sorgen der juristische Rat von Hugo und der berufliche Background der drei für eine zuverlässige Einschätzung.  

Eine einzige Website wie "ToS;DR", auf der man alle Online-Dienste nach ihrer Nutzerfreundlichkeit abfragen kann, ist ziemlich praktisch, vor allem, weil man die Infos häppchenweise und mit einer Wertung bekommt. Nötig scheint sie auch zu sein. Das Blog irights.info zitiert das "I/S: A Journal of Law and Policy for the Information Society", wonach amerikanische Wissenschaftler berechnet haben, dass der durchschnittliche (US-)Nutzer 76 Arbeitstage im Jahr damit verbringen müsste, um die Nutzungsbedingungen aller von ihm genutzten Online-Dienste zu lesen. Und, AGB-Hysterie hin oder her, laut Bitkom liest nur jeder fünfte Internetnutzer mehr oder weniger regelmäßig die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Online-Anbietern, 22 Prozent der Internetnutzer verstehen die Texte nach eigener Aussage meistens nicht und insgesamt wünschen sich 53 Prozent verständlichere Formulierungen.  

Geht es nach den Machern von "ToS;DR", dann soll ihre Seite internationale Gültigkeit haben. Aus ihrer Sicht ist das auch unproblematisch: "Die Nutzungsbestimmungen eines Dienstes sind landesbedingt nicht allzu unterschiedlich. Aber es spielt eine Rolle, wo die Rechtsprechung gilt. Facebook hat Beispielsweise einen Sitz in Irland, um Europa abzudecken", sagt Jan, "das berücksichtigen wir natürlich." Eine Rechtsberatung will "ToS;DR" aber nicht sein. "Wir sind keine qualifizierten Juristen, versuchen aber, so objektiv wie möglich zu sein und hoffen, dass Juristen sich für das Projekt interessieren und uns helfen, die Bewertungen zu verfeinern", sagt Jan. Einen konkreten Rat braucht es aber gar nicht, ein D oder E als Bewertung reicht als Empfehlung, sich bei bestimmten Diensten nicht zu registrieren.


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soylentyellow
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Mag ich Mag ich nicht

1

18.08.2012 - 13:36 Uhr
soylentyellow

Einen neuen, fiesen Twist habe ich erst gestern beim Installieren kleiner, nützlicher und dennoch kostenloser Software gefunden (ich glaube es war der pdf Creator, mit dem man jedes beliebige Dokument als pdf drucken kann, oder es war der foxit reader, ich kann mich nicht mehr genau erinnern).

Installiert man diese Art von Software so muss man normalerweise der EULA zustimmen (wie bei [fast] jeder anderen Software auch) und kann die angebotene Toolbar wegklicken/das Häkchen entfernen. Finanzieren tut sich diese Sorte Software über die Toolbar, wobei es eine Provision für jede installierte Toolbar gibt.

Bei der Installation des pdf Readers allerdings ist die (bzw. eine der) EULA(s) die Zustimmung zur Installation der Toolbar, die man ja überhaupt nicht will, denn sie nimmt unnötigen Platz weg, sie leitet einen ständig auf die Homepage desjenigen weiter der diese Toolbar bezahlt und nistet sich überall ein, sogar in fremden Browsern. Da ja nie jemand dieses Zeugs liest (kein Wunder, es ist ja auch juristisch) weiß man später nicht einmal wo dieses Miststück denn nun hergekommen ist.

Was man nun tun muss um diese Toolbar NICHT zu bekommen ist es die EULA abzulehnen (!), dann bekommt man nur die gewünschte, nicht aber die unerwünschte Software. Tricky.

vaus
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Mag ich Mag ich nicht

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18.08.2012 - 22:04 Uhr
vaus

und wie würde jetzt.de abschneiden?
B, C oder D?
z.b. 5 tracker, recht auf content geht an betreiber...
liebe Kathrin, du hast dich das sicher auch gefragt. aber wohlweislich nicht geschrieben ;-)

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Mag ich Mag ich nicht

1

18.08.2012 - 22:07 Uhr
vaus

@soylentyellow: DANKE! und es ist der pdf-creator. naja foxit vielleicht auch.

PeterUnbequem
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Mag ich Mag ich nicht

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19.08.2012 - 12:05 Uhr
PeterUnbequem

Gewünschtes Pragramm über ein Proxy runterladen, Installieren, mit ein "Cleaner" die ungewollten mitgelieferten Toolbar entfernen, dll, datei ersetzen damit das Programm nicht aufs Internet zurückgreift, und Presto...

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Mag ich Mag ich nicht

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19.08.2012 - 12:08 Uhr
PeterUnbequem

Gewünschtes Programm über ein Proxy runterladen, mit ein "cleaner" überflüssige und ungewollte Toolbars entfernen, dll.datei ersetzen damit das Programm nicht mehr "selbständig" aufs Internet zurück greift, und Immer ein "Fake" E-Mail Konto einrichten zur Angabe...

soylentyellow
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Mag ich Mag ich nicht

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19.08.2012 - 13:32 Uhr
soylentyellow

vaus sagte:
z.b. 5 tracker,


No Script Addon und die Tracker tracken nicht mehr so viel. Nervig ist nur manchmal (v.a.n wenn eine Seite auf zig andere Seiten zugreift) herauszufinden welche dieser Seiten nun für die gewünschte Funktion zuständig ist (und zugelassen werden muss damit die Seite auch funktioniert) und welche Seite nur fürs tracken (bzw. die Werbung zuständig ist).

vaus
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Mag ich Mag ich nicht

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19.08.2012 - 14:24 Uhr
vaus

tja die versteckten kosten des angeblich so umsonstigen internets.
*stöhn.

Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

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19.08.2012 - 22:27 Uhr
Digital_Data

"abgesehen davon, dass die Texte furchtbar lang und unübersichtlich sind, versteht man diese Juristensprache kaum."


Nach allgemeiner Rechtsauffassung sind AGBs von mehr als einer Seite, zumindest in D, nicht rechtskonform.

Digital_Data

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Mag ich Mag ich nicht

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20.08.2012 - 03:43 Uhr
Digital_Data

Achja und noch was. Die Überschriften "Fluch der AGBs" und vor allem "AGBs vor-lesen lassen" sind so neben dem Inhalt, dass ich den Text fast nicht gelesen hätte.

Digital_Data

Muhikuhi
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Mag ich Mag ich nicht

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20.08.2012 - 11:57 Uhr
Muhikuhi

Es heißt verdammt nochmal AGB ohne s!

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kathrin-hollmer

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.


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