31.07.2012 - 18:57 Uhr

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Unter Beobachtung

Text: juliane-frisse - Bild: jameek ƒ/photocase.com

Egal ob Muffin oder Gemüseteller: Was und wie viel unsere Autorin isst, das meinen andere Menschen dauernd kommentieren und bewerten zu müssen. Kein Wunder, findet sie, dass so viele Frauen nicht einfach entspannt etwas essen können.

Vergangene Woche erschien im Online-Magazin Rookie Mag ein lesenswertes Manifest: Eating. In dem Artikel wird beschrieben, wie eine Frau in einem Coffeeshop sich von der Bedienung quasi die Erlaubnis dazu holen wollte, zu ihrem Kaffee noch kalorienschweren Süßkram aus der Theke zu bestellen. Die Autorin machen solche Frauen, die sich schuldig fühlen, wenn sie etwas nicht komplett fett- und zuckerbefreites essen, geradezu wahnsinnig.



Es gibt viele solcher Mädchen und Frauen. Wenn ich zum Beispiel mittags mit einer noch sehr jungen Kollegin in die Kantine Essen gehe, rechtfertigt sie sich ständig dafür, dass sie ihren Teller relativ voll geladen hat. Sie habe noch nicht gefrühstückt, entschuldigt sie sich dann für ihre große Portion. Mir persönlich ist es völlig egal, wie viel jemand zu welcher Mahlzeit und aus welchen Gründen zu sich nimmt, wie die Tagesenergiebilanz am Ende ausfällt und ob dabei die heiligen fünf Portionen Obst und Gemüse abgedeckt wurden. Mich nerven diese dauernden Rechtfertigungen daher, aber gleichzeitig erkenne ich mich darin wieder: Denn sehr oft werde ich selbst mit Bemerkungen zu meinem Essverhalten in den Entschuldigungsmodus gedrängt und zu Erklärungen genötigt. Eigentlich kein Wunder, dass manches Mädchen und manche Frau da im vorauseilenden Reflex bereits die Antwort auf die noch ungestellte Frage gibt.

Denn ist man eine Frau, dann steht das eigene Essverhalten unter Dauerbeobachtung. Jeder fühlt sich berechtigt, die Nahrungsaufnahme zu kommentieren und zu bewerten. Dabei geht es nur manchmal darum, ob mein Essen wohl lecker schmeckt oder ob es gesund ist. Sondern vor allem um Portionsgrößen und Kaloriengehalt. Es geht um die Frage: Macht mich mein Essen dicker oder dünner? Noch ein Kantinenbeispiel: Finde ich die angebotenen Gerichte nicht so ansprechend und lade mir deshalb nur ein paar Beilagen von der Gemüsebar auf mein Tablett, dann kann ich mich darauf verlassen, dass mich am Tisch mein Gegenüber, Menge und Kaloriendichte meines Essens taxierend, fragen wird, ob ich gerade eine Diät mache. Genau das unterstellt mir auch ein Freund automatisch, wenn wir uns auf einen Kaffee treffen – und ich im Gegensatz zu ihm keinen Kuchen dazu bestelle. Dass ich gerade einfach keinen Appetit auf Kuchen habe, kommt ihm erstmal nicht in den Sinn. Kaufe ich mir dagegen nachmittags in der Verlagscafeteria einen Muffin, kommentiert der mir völlig fremde Kollege, der in der Schlange hinter mir steht, meine Wahl mit einem wohl nett gemeinten: Na, Sie können sich’s ja leisten.

Ich bin weder zu dünn noch zu dick und falle auch nicht mit ständigem Gerede über Diäten auf. Dass sehr viele Menschen meinen, mich dennoch auf die figürlich zu erwartenden Konsequenzen meiner Ernährung ungefragt hinweisen zu müssen, empfinde ich als respektlos. Und es verunsichert mich: Nur ungern nehme ich deshalb den besagten Beilagenteller von der Gemüsebar. Und wenn ich mal abends auf der Couch meine Lieblingsserie schaue und dabei einen ganzen Becher Ben & Jerry’s auslöffele, dann bin ich froh, dass niemand dabei ist, der meine Maßlosigkeit verurteilt. Das Schlimmste aber ist: Weil andere Menschen mein Essen fast nur durch die Kalorienbrille betrachten, habe ich mir diese Sicht inzwischen selbst angeeignet: Eine Tafel Vollmilch-Nuss? Ungefähr 550 Kalorien. Ein großer Teller Spaghetti mit Tomatensauce? Kommt in etwa aufs Gleiche raus. Es erschreckt mich oft selbst, dass ich solche Werte nicht nachschlagen muss.

Es gibt viele, sehr verschiedene Gründe für Essstörungen und ich möchte da bestimmt nichts vereinfachen. Aber dass Mädchen und Frauen besonders oft ein problematisches Essverhalten entwickeln, das liegt, glaube ich, auch daran, dass ihre Umwelt sie ständig dazu erzieht, beim Essen immer auch den Figureffekt wahrzunehmen.

Lasst mich doch einfach in Ruhe essen, möchte ich manchmal all diesen Erziehern entgegnen. Und sollte ich vielleicht auch. Denn ich glaube, sie sind sich gar nicht bewusst, was sie mit ihren Kommentaren auslösen.


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alter_haudegen
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Mag ich Mag ich nicht

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03.08.2012 - 12:10 Uhr
alter_haudegen

jurette_ sagte:
alter_haudegen sagte:
Ähh... Ja ab einem Alter von 70 Jahren- davor sollte der BMI auch unter 27 liegen... Und in der Studie steht auch dass es nur für körperlich aktive gilt: "Fitte Dicke sind zumeist gesünder als schlappe Schlanke"... Und dass leichtes "Übergewicht" gesundheitsschädigend ist habe ich auch nie behauptet- fettleibigkeit schon- und ob jemand fettleibig ist kann der BMI schon relative gut berechnen.


Mir ging es ja draum zu zeigen, wie willkürlich dieser BMI ist. Und ich habe erhebliche Zweifel, dass der BMI für über 30 wahnsinnig aussagekräftig ist, wenn er das im Bereich drunter auch nicht ist. ich kann dem Beitrag auch nicht entnehmen, dass ein BMI von unter 27 für unter 70 jährige nötig ist - sondern, dass die, die einem BMI von 27 haben, die geringste Sterblichkeitsrate aufweisen - von "drunter" ist also gar nicht die Rede. Im Übrigen ist ein BMI von 27 ja auch leichtes Übergewicht.

Körperliche Aktivitäten spielten ja überhaupt keine Rolle, es ging nur um den BMI. Und wenn es heißt x% der Bevölkerung sind schwer fettleibig, weil sie einen BMI > 30 aufweisen, finde ich das nicht überzeugend, weil da ja die körperliche Aktivität auch nicht miteingerechnet wird.

Ich glaube schon dass über 30 aussagekräftig ist, da es unterhalb dieses Wertes individuelle Besonderheiten gibt, z.B dass manche von Natur aus einfach muskulöser sind, oder einfach gut beisammen sind etc. Aber ab einem bestimmten Verhältnis (sei es jetzt 30 oder 35 beim BMI) kann es rein rechnerisch nicht sein dass ein bestimmter Körperfettanteil (ca 40%)nicht überstiegen ist. Weil so individuell von der Physis sind Menschen nicht von ihren Muskeln, Organen und Skelett her gesehen, dass die Gewichtsschwankung +/- 30% bei gleicher Größe sind (die hard core Bodybuilder mal ausgenommen). Darum bin ich der Meinung, dass ab einer bestimmten Höhe des BMI (nagel mich nicht fest ob es jetzt 30 oder 35 ist ) auch ein bestimmter Körperfettanteil überstiegen wird. Und ihr könnt mir hier alle erzählen was ihr wollt ;-) über weltweite Verwschwörungen der slim Industrie- ich glaube ein hoher Körperfettanteil ist gefährlich.


alter_haudegen sagte:

Zwischen 20-30 ist es dann echt Einzelfallbetrachtung, da gebe ich dir recht. Ich will wirklich niemanden erzählen ein paar Pfund zu viel wären gesundheitsschädlich- aber ein 1/4 der Gesellschaft ist eben nachgewiesener maßen zu fett. So fett dass sie gesundheitliche Probleme haben oder befürchten müssen.


"Die Debatte um das Übergewicht wird mit zunehmender Wucht geführt, obwohl die Gefahren umstritten sind und wohl nur die ganz Dicken mit einem BMI über 30 betreffen. Doch sogar sie sind nicht alle gefährdet. "Etwa 20 bis 30 Prozent von ihnen weisen ein unauffälliges Risikofaktorenprofil auf und haben wahrscheinlich kein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko", schreibt Hans Hauner von der Technischen Universität München in einem begleitenden Kommentar"

Ebenfall aus dem SZ Beitrag. Die Gleichung BMI > 30 = stark gesundheitsgefährdet stimmt so pauschal einfach nicht.

stullemitbrot
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Mag ich Mag ich nicht

0

03.08.2012 - 12:13 Uhr
stullemitbrot

alter_haudegen sagte:
JoergAuch sagte:
alter_haudegen sagte:
Hmm wenn du meinst- aber mal im Ernst was ich sage ist, dass man sich ab einem BMI mit 30 Gedanken machen sollte.

Es ist diese BMI-Hörigkeit, ....

Wenn es für die Betroffenen mit der Essstörung nicht so Ernst wäre, könnte man herzhaft drüber lachen ...


Ist es eben nicht- bis 25 ist laut BMI normal und ich sage ja eben das ich finde dass bis 30 nicht schlimm ist, weil nicht gesundheitsgefährdend. Das ist reine Geschmackssache. Aber über 30 ist es halt gefährlich. Und über 30 ist halt nicht ein paar Polster... Das dürfte dir klar sein oder?
[link=http://www.ernaehrungsberatung24.de/imag...
]http://www.ernaehrungsberatung24.de/imag...

„Der BMI berechnet sich aus dem Körpergewicht [kg] dividiert durch das Quadrat der Körpergröße [m²]“ Mir ist nicht klar, wie sich die Gesundheit eines Menschen aus diesen zwei Größen errechnen soll.
Die zwei Süßen hier sind zum Beispiel laut BMI adipös:
http://www.flickr.com/photos/77367764@N0...

Diese Frau hat einen großen Busen, das macht sie nach BMI fettleibig: http://www.flickr.com/photos/77367764@N0...

Die Frage, welche Auswirkungen unser modernes Essverhalten auf Mensch und Umwelt hat ist wichtig. Nicht jeder dicke Mensch ist aber krank (egal ob physisch oder psychisch) genauso wenig wie dünne Menschen gesünder sind. Ich hoffe, in Zukunft wird sich dafür ein besseres Instrument als der BMI finden.

jurette_
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Mag ich Mag ich nicht

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03.08.2012 - 12:22 Uhr
jurette_

alter_haudegen sagte:
Ich glaube schon dass über 30 aussagekräftig ist, da es unterhalb dieses Wertes individuelle Besonderheiten gibt, z.B dass manche von Natur aus einfach muskulöser sind, oder einfach gut beisammen sind etc. Aber ab einem bestimmten Verhältnis (sei es jetzt 30 oder 35 beim BMI) kann es rein rechnerisch nicht sein dass ein bestimmter Körperfettanteil (ca 40%)nicht überstiegen ist. Weil so individuell von der Physis sind Menschen nicht von ihren Muskeln, Organen und Skelett her gesehen, dass die Gewichtsschwankung +/- 30% bei gleicher Größe sind (die hard core Bodybuilder mal ausgenommen). Darum bin ich der Meinung, dass ab einer bestimmten Höhe des BMI (nagel mich nicht fest ob es jetzt 30 oder 35 ist ) auch ein bestimmter Körperfettanteil überstiegen wird. Und ihr könnt mir hier alle erzählen was ihr wollt ;-) über weltweite Verwschwörungen der slim Industrie- ich glaube ein hoher Körperfettanteil ist gefährlich.


Ich glaube auch nicht an eine Verschwörung der Schlankheitsindustrie. Ich bin ja von Deinem Ausgangspunkt ausgegangen: Wir haben immer mehr Menschen, die gesundheitsgefährdend dick sind, beruhend auf Erhebungen, dass es immer mehr Menschen gibt, deren BMI über 30 liegt. Und da bei dieser Erhebung eben von dieser starren Grenze ausgegangen wird, halte ich sie halt nicht für so aussagekräftig. Soweit ich mich erinnere, hat die Erhebung ja gerade nicht den Körperfettanteil gemessen.

Im übrigen stammen diese BMI Werte ja aus dem vorletzen jahrhundert und es ist bekannt, dass der BMI nicht mehr aussagekräftig ist, wenn die Menschen größer werden. Vielleicht hat sich das auch alles nur verschoben? Also, die Menschen werden größer, der BMI muss sich verändern?

JoergAuch
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Mag ich Mag ich nicht

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03.08.2012 - 12:24 Uhr
JoergAuch

alter_haudegen sagte:
Ich glaube schon dass über 30 aussagekräftig ist, da es unterhalb dieses Wertes individuelle Besonderheiten gibt, ...

JEDER Fall muss individuell betrachtet werden, mit allen möglichen Einflussfaktoren. Es ist doch Quatsch anzunehmen, dass es da bei BMI = 30 eine unsichtbare Grenze gibt oder bei 35.

Dass deine Glaube dir sagt, über 30sei alles gefährlich, ist ja ok. Jeder darf glauben was er will. Viele glauben, dass Schweinefleisch unrein ist, und essen es deshalb nicht. Andere glauben, dass man Kühe nicht essen darf. Jeder wie er will. Allerdings kann man daraus keine allgemeingültigen Schlüsse ziehen.

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Mag ich Mag ich nicht

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03.08.2012 - 14:41 Uhr
JoergAuch

alter_haudegen sagte:
Und ihr könnt mir hier alle erzählen was ihr wollt ... ich glaube ein hoher Körperfettanteil ist gefährlich.

Ja ja, glauben ist immer einfacher als Wissen. ;-)

LazyMosquito
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Mag ich Mag ich nicht

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06.08.2012 - 18:04 Uhr
LazyMosquito

ich kommentiere gar nixx, s'geht mir niks an

jazzbertie
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Mag ich Mag ich nicht

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08.08.2012 - 10:45 Uhr
jazzbertie

sehr schön & wahr.

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