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chrinamu
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Mag ich Mag ich nicht

-3

21.07.2012 - 11:29 Uhr
chrinamu

Das Wort Trigger hab ich in diesem Zusammenhang ehrlich gesagt noch nie gehört, vielleicht sollte ich mehr Blogs lesen? Es erscheint mir aber nicht nur deshalb ambivalent, weil die Warnung verwässert, wenn man sie zu oft benutzt, sondern weil es so ein typisches Phänomen unserer sicherheitsfixierten Gesellschaft zu sein scheint. Gut, in einzelnen Fällen mag so eine Warnung sinnvoll sein, aber wenn man das konsequent machen würde, müsste man doch vor jeder Äußerung (nicht nur im Netz, sondern auch im Alltag), die irgendwen aus dem seelischen Gleichgewicht bringen könnte, warnen. Und da jeder Mensch anders reagiert (manche gruselt´s auch beim Gedanken an Hunde oder Dreck, es muss ja nicht immer gleich das Thema Vergewaltigung sein), kann man irgendwann außer "Beep" überhaupt nichts mehr sagen.

Davon ganz abgesehen wäre es für Traumatisierte doch hilfreicher zu lernen, mit Schocks auslösenden Situationen umzugehen, denn vermeiden kann man sie halt einfach nicht ganz. Und je mehr sie vermieden werden, desto schlimmer sind sie doch, wenn man sie ausnahmsweise doch mal erlebt.

Awesomeness
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Mag ich Mag ich nicht

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21.07.2012 - 12:04 Uhr
Awesomeness

@chrinamu
Das Wort gab es schon zu Anfangszeiten des populärer werdenden Internet und zuvor in anderen Diskussionsmedien wie z.B. FIDONET.

Ursprünglich und bis vor einiger Zeit wurde es auch auf die erwähnten Trauma-Themen und -Gruppen beschränkt.

Wenn es sehr explizit wird, finde ich diese Dinge ja noch gut, aber in entsprechenden Gruppen gab es auch sogenannte "Arme Wesen", die hauptsächlich Mitleid erregen wollten und deshalb ganz alltägliche Dinge wie eine Farbe oder eine bestimmte Margarine-Marke als "Trigger" bezeichneten.

In einem Blog, der sich mit einer Fernsehserie beschäftigt, werden Triggerwarnungen oft gesetzt, um Leuten vom Weiterlesen abzuraten, die nicht schon bekannte Details wissen wollen.

Ich denke, hier ist es wie meistens der Kontext, der das Wort mit Sinn füllt. Im Traumabereich wird es seine Bedeutung nicht verlieren.
Bei Serien hat es eine andere erhalten.
Für Ingenieure und Informatiker wird es größtenteils seine wörtliche Bedeutung behalten.

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21.07.2012 - 12:07 Uhr
Awesomeness

Nachtrag: Wenn man "Trigger" für bestimmte Zusammenhänge (Gewalt, Missbrauch, usw.) genauer bestimmen möchte, z.B. auf Plattformen, die sich mit allen möglichen Themen beschäftigen, muss man genau diesen Trigger auch entsprechend kenntlich machen.

Das kann z.B. das Verwenden des Begriffes an sich sein.

Etwa #Sex würde diejenigen abhalten, die es nicht lesen wollen und umgekehrt die anlocken, die es interessiert.

soylentyellow
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Mag ich Mag ich nicht

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21.07.2012 - 15:37 Uhr
soylentyellow

Spoilerwarnung

Warning: Explicit Lyrics

Contains some nudity, sex & violence

Bei den zwei letzteren dient diese "Warnung" ja auch eher als Qualitätsnachweis denn als Warnung (ein Rap Album ohne Warnung vor Schimpfwörtern? Undenkbar!). Na ja und bei Wikipedia sind die Spoilerwarnung ja zum Glück auch außer Mode gekommen. Wenn ich den Artikel zum Film lese will ich ja auch wissen worum es geht...

JulchenMSD
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21.07.2012 - 20:17 Uhr
JulchenMSD

chrinamu sagte:
...Gut, in einzelnen Fällen mag so eine Warnung sinnvoll sein, aber wenn man das konsequent machen würde, müsste man doch vor jeder Äußerung (nicht nur im Netz, sondern auch im Alltag), die irgendwen aus dem seelischen Gleichgewicht bringen könnte, warnen...

Nicht ganz, denn man darf nicht vergessen, das die meisten Leute alleine sind, während sie sich im Netz bewegen!
Trigger können oft zu flashbacks, zum Switchen oder Dissoziationen führen...hierbei kann es zu Handlungen kommen, die mitunter nicht immer positiv für das Selbst sind etc.!
Somit macht es natürlich einen Unterschied, ob man beim getriggert werden alleine ist, oder ob man ggf. ein Gegenüber hat, welches den Trigger auslöst, einen ggf. aber dann auch auffangen kann.


...Davon ganz abgesehen wäre es für Traumatisierte doch hilfreicher zu lernen, mit Schocks auslösenden Situationen umzugehen, denn vermeiden kann man sie halt einfach nicht ganz. Und je mehr sie vermieden werden, desto schlimmer sind sie doch, wenn man sie ausnahmsweise doch mal erlebt.


Hm, jede einzelne Situation, in der ein erneuter "Schockzustand" bzgl. des Traumas ausgelöst wird, kann einen tiefer in die Sache ziehen...bis hin zur Traumatisierung des Traumas.
Grundsätzlich ist es natürlich richtig, das man sich mit diversen Dingen diesbezüglich konfrontieren muss...deswegen ja auch Verfahren wir Trauma-/Konfrontations- und EMDR - Therape! Aber hierbei ist es wichtig, das dies in einem geschützen Rahmen geschieht!


Zur Anwendung der Begrifflichkeit "Trigger" allgemein muss ich allerdings auch sagen, das es allmählich überhand nimmt, und meiner Meinung nach wahllos in jedem Bereich eingesetzt wird!

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21.07.2012 - 20:20 Uhr
JulchenMSD

Uups...jetzt sind eigene Worte von mir ins Zitat gerutscht!

"Nicht ganz, denn man darf nicht vergessen, das die meisten Leute alleine sind, während sie sich im Netz bewegen!
Trigger können oft zu flashbacks, zum Switchen oder Dissoziationen führen...hierbei kann es zu Handlungen kommen, die mitunter nicht immer positiv für das Selbst sind etc.!
Somit macht es natürlich einen Unterschied, ob man beim getriggert werden alleine ist, oder ob man ggf. ein Gegenüber hat, welches den Trigger auslöst, einen ggf. aber dann auch auffangen kann."

Des gehörte nicht zum Zitat! ^^

Pianissimo
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Mag ich Mag ich nicht

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22.07.2012 - 19:59 Uhr
Pianissimo

chrinamu sagte:
Das Wort Trigger hab ich in diesem Zusammenhang ehrlich gesagt noch nie gehört, vielleicht sollte ich mehr Blogs lesen? Es erscheint mir aber nicht nur deshalb ambivalent, weil die Warnung verwässert, wenn man sie zu oft benutzt, sondern weil es so ein typisches Phänomen unserer sicherheitsfixierten Gesellschaft zu sein scheint. Gut, in einzelnen Fällen mag so eine Warnung sinnvoll sein, aber wenn man das konsequent machen würde, müsste man doch vor jeder Äußerung (nicht nur im Netz, sondern auch im Alltag), die irgendwen aus dem seelischen Gleichgewicht bringen könnte, warnen. Und da jeder Mensch anders reagiert (manche gruselt´s auch beim Gedanken an Hunde oder Dreck, es muss ja nicht immer gleich das Thema Vergewaltigung sein), kann man irgendwann außer "Beep" überhaupt nichts mehr sagen.

Davon ganz abgesehen wäre es für Traumatisierte doch hilfreicher zu lernen, mit Schocks auslösenden Situationen umzugehen, denn vermeiden kann man sie halt einfach nicht ganz. Und je mehr sie vermieden werden, desto schlimmer sind sie doch, wenn man sie ausnahmsweise doch mal erlebt.


Ja, es wäre wünschenswert, wenn die menschliche Psyche Traumata einfach wieder auslöschen könnte, und mit Flashbacks-auslösenden Begriffen oder Bildern emotionslos umgehen könnte.
Doch so funktioniert es nicht. Zu einer Traumatherapie bedarf es dem höchsten Maß an seelischer Aufarbeitung unangenehmster Erinnerungen, die oftmals schon sehr lange verdrängt wurden.

Bezüglich der Posttraumatischen Belastungsstörung finde ich den Trigger-Begriff hundertprozentig sinnvoll, und in Betroffenenforen funktioniert das Indizieren sensibler Posts sehr gut. Hier geht es auch nicht um gesellschaftliche Zensur, sondern um den verantwortungsvollen Umgang mit anderen Personen, zumeist Betroffenen, im Netz.

Awesomeness
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Mag ich Mag ich nicht

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23.07.2012 - 18:51 Uhr
Awesomeness

Gerade in Betroffenenforen hatte ich immer das Gefühl, das würde inflationär benutzt. T*lweise war*n Beitr*ge s* verspo*lert, dass sie nicht mehr gelesen werden konnten.

Aber die Mehrheit ging schon Maßvoll und bedacht damit um, das stimmt.

Als Betroffener ist es wichtig zu lernen, mit bestimmten Dingen überall konfrontiert werden zu können. Egal ob man alleine ist oder mit Freunden zusammen.
Seine Lebensqualität nach einem traumatischen Ereignis kann man nur dann wieder erlangen, wenn man den "inneren Krampf" gelöst hat.

Und dazu gehört in jedem Fall, die Trigger-Fähigkeit bestimmter Elemente erst abzuschwächen und danach völlig zu beenden.
In den Foren neigen viele dazu, sich in Selbstmitleid zu baden. Das ist meiner Erfahrung nach in jedem Fall kontraproduktiv!

Dass der Begriff nun ausgeweitet wird, ist nicht das erste Mal. Da wir auf der einen Seite immer mehr erotisches, gewaltgeladenes und fäkalsprachliches Material konsumieren, wird auch überall davor gewarnt!

Wie mein Vorredner richtig schrieb ist das bei vielen Produkten mittlerweile ja auch der Kaufreiz.

Also dran gewöhnen... die Mode geht auch wieder vorbei, genau wie KEWL und Bamboocha.

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nadja-schlueter

ist jetzt-Mitarbeiterin.