Die virtuelle Freundin
Statt wilder Cybersex-Orgien wird im Internet und Computerspielen momentan gerade eher der zahme Aspekt der zwischenmenschlichen Beziehung gepflegt.
Seit das 65k-Modem in unseren Haushalten Einzug gehalten hat, wird in regelmäßigen Abständen das Zeitalter des Cybersex ausgerufen. Doch trotz futuristisch anmutender Zeichnungen von Ganzkörperanzügen mit Sensoren an interessanten Stellen, hat sich nicht allzu viel getan. Wir nehmen die Reize weiterhin fast ausschließlich visuell auf und bleiben ansonsten zumindest in dieser Hinsicht altmodische Handarbeiter.
Doch nun passiert auf einer ganz anderen Ebene der zwischenmenschlichen Beziehung der Fortschritt: Die virtuelle Freundin ist in Japan mittlerweile nahezu im Mainstream angekommen. Ursprünglich waren solche Freundschaften eher fantasiebegabten Menschen im Vorschulalter vorbehalten, oder sie hießen Pumuckel und gingen einem grantigen Schreiner im Fernsehen auf die Nerven. Doch die virtuellen Freundinnen, um die es hier geht, haben mit dem Kobold höchstens gemein, dass sie zweidimensional und sehr, sehr jung sind. Ihre Freunde dagegen sind ausschließlich männlich und im echten Leben ziemlich einsam.
Ein Video, auf dem ein junger Mann seine virtuelle Freundin, den animierten Popstar Hatsune Miku, auf einen Spaziergang in der „augmented reality“ mitnimmt, ist momentan ein großes Hit auf Youtube. Es tatsächlich nicht unspannend, zu sehen, wie mithilfe einer speziellen Brille eine künstliche Person in eine real existierende Umgebung verpflanzt wird und der User sogar mit ihr interagieren kann - wobei sich die Interaktion in dem Video auf ein bisschen Kopf-Gekraule und Krawatten-Geschubse beschränkt.
Ein wenig irritierend ist das Video trotzdem. Denn egal, wie technisch versiert die Anwendung sich auch gestaltet, bleibt es ja doch immer: ein einzelner Mensch, der mit einem Wesen, das nur er sieht, in sehr engen und vorprogrammierten Bahnen interagiert.
So ähnlich funktioniert auch das Nintendo DS-Spiel „New Love Plus“. Darin hat der Spieler die Aufgabe, eines von drei zur Verfügung stehende Mädchen für sich zu gewinnen und dann für den Rest des Spiels (das keinerlei „echtes“ Ende kennt) so etwas wie eine Beziehung mit ihr zu führen. Das bedeutet, er muss sich mehrmals pro Tag mit ihr beschäftigen, sich wichtige Daten merken und wenn er bereit ist, ein wenig zu investieren, bekommt er auch Mails und SMS von seiner virtuellen Geliebten geschickt. Kümmert er sich nicht genug um seine Freundin oder erst spät nach der Arbeit, kann es schon vorkommen, dass sie dann schmollt oder schon schläft. Es gibt sogar einen japanischen Ferienort, der sich auf diese Paarungen spezialisiert hat: in Atami werden die jungen Männer und ihre unsichtbaren Begleiterinnen herzlich willkommen geheißen und verständnisvoll behandelt.
Man mag sich kaum vorstellen, wie all die Internet-Cybersex-Pioniere auf diese Entwicklung reagieren würden: statt wilder Techno-Orgien können wir nur die nervigen Pflichten einer Zweier-Beziehung einigermaßen realistisch simulieren. Andererseits ist der Vormarsch der virtuellen Freundin vielleicht auch ein Hinweis darauf, dass die Menschheit so verderbt gar nicht ist. Und das wäre immerhin eine recht beruhigende Erkenntnis.
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Es gibt sogar einen japanischen Ferienort, der sich auf diese Paarungen spezialisiert hat: in Atami werden die jungen Männer und ihre unsichtbaren Begleiterinnen herzlich willkommen geheißen und verständnisvoll behandelt.
Atami ist eher auf RentnerInnen speazialisiert. Netter Ort in dem man den Flair des Japans aus den 80ern schnuppern kann. Kommt inzwischen etwas runter, da kommen junge ausgabewillige Nerds sicher gelegen.
Wenn schon Izu peninsula, dann aber bitte nach shimoda weiterfahren..... Da war ich mit meiner Freundin (meiner echten).
11.07.2012 - 21:39 Uhr
drolli
nachtwaechter sagte:
"Kümmert er sich nicht genug um seine Freundin oder erst spät nach der Arbeit, kann es schon vorkommen, dass sie dann schmollt oder schon schläft."
Im Ernst? Wer sollte so etwa spielen wollen?
Wer soltle schon ein Tamagotchi haben wollen?
Nein, ich glaube eigentlich dass der Trend mit den virtuellen Freundinnen schon wieder alt ist. die Spiele habe ich in Japan gesehen seit ich dort angekommen bin, aber Anteilsmaessig haben sich die Leute in der S-Bahn mit anderen Spielen wesentlich mehr beschaeftigt.
Aber es musste mal wieder ein "wie verrueckt niedlich Japan doch ist" Artikel her.
Sprich, von Natur aus, viele männliche Einwohner wenigen weiblichen gegenüberstehen?
Das würde zumindest erklären warum, allem Anschein nach, viele Japaner auf solche "Dating-Sims" (oder wie das heißt) und Schlüpferautomaten stehen.
Zomtec sagte:
Ich kann mich auch irren aber ist es nicht so, dass der prozentuale Anteil der Bevölkerung in Japan nicht gerade durch eine homogene Geschlechterverteilung geprägt ist?
Sprich, von Natur aus, viele männliche Einwohner wenigen weiblichen gegenüberstehen?
Das würde zumindest erklären warum, allem Anschein nach, viele Japaner auf solche "Dating-Sims" (oder wie das heißt) und Schlüpferautomaten stehen.
Oeh. Du irrst dich. Vieleicht meinst Du China. Und in China ist das auch nicht von Natur aus.
Aber weder in Japan noch in China stehen schluepferautomaten auf der Strasse (zumindest habe ich weder in Japan noch in China welche gesehen).
Oha... Sind wir hier jetzt bei kreuz.net?









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11.07.2012 - 20:16 Uhr
nachtwaechter
Im Ernst? Wer sollte so etwa spielen wollen?