28.06.2012 - 18:30 Uhr

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Was ist Eleganz?

Text: mareike-nieberding - Illustration: katharina-bitzl

Eleganz war gleichbedeutend mit Audrey Hepburn. Diese Formel gilt zwar immer noch, aber sie lässt sich nur schwer auf das eigene Leben und den eigenen Kleidungsstil anwenden. Macht aber nichts. Denn es scheint, als wären in zwei US-Seriendarstellerinnen längst die neuen Eleganzvorbilder aufgetaucht.



Für mich war Eleganz immer Audrey Hepburn: Rehaugen, schmale Taille, 7/8-Hose und Ballerinas. Audrey mit Zigarettenspitze und dicken Perlen, verschmitzt und doch unnahbar. Wie oft habe ich sonntags mit meiner Mutter „Ein Herz und eine Krone" geschaut, zugesehen, wie sie in Tellerrock und mit Seidentuch um den schmalen Hals, die Arme fest um Gregory Peck schlingt, um Rom von der Vespa aus zu entdecken – bevor ich selbst zum Handball musste und mit zerschlagenen Knien zurück kam.

Doch ihr Vorbild ließ sich nur schwer übertragen: die Perlenohrringe machten mich alt; die Hochsteckfrisuren klappten unter der Woche nachts allein vorm Spiegel, aber nie, wenn ich samstags abends das Haus als Grande Dame verlassen wollte. Zu viel Nostalgie, zu wenig Gegenwart steckte in dieser Vorstellung von Eleganz. Sie entsprach nicht meiner Gefühlswelt und der Suchbewegung, die das Einkleiden für mich zu dem Zeitpunkt war und immer noch ist. Elegant zu sein bedeutete auch irgendwie unflexibel sein.

„Eleganz ist Verweigerung", soll Coco Chanel einmal gesagt haben. Aber was verweigert man? Vielleicht eine Haltung, vielleicht auch Innovationen. Denn Eleganz ist mehr als die Art und Weise, wie man Kleidung kombiniert, sie ist auch die Art, wie man das Getragene mit Leben füllt. Und die Botschaft eleganter Frauen schien in den meisten Fällen Verlässlichkeit, ein gewisses Maß an Kontrolle zu sein, eine Vorhersehbarkeit, die immer ein bisschen was von einer weißen Weste hatte. Was darunter steckt – wer weiß. Schlicht, aber schön und vor allem bruchlos sollte der elegante Auftritt sein. Bloß kein Exzess. Aber was hat diese hepburnsche Eleganz noch mit dem Jetzt zu tun?

Mit meinem Leben herzlich wenig. Schließlich läuft man am Ende immer einer Idee von Perfektion hinterher, die so stilisiert unschuldig, so nicht-ordinär ist, dass ein Wiedererkennen kaum möglich wird. Keine Orientierungshilfe. Keine Inspiration. Eine Sackgasse. Doch was ist die Alternative?

Wahrscheinlich gibt es die Eleganz in der Form heute gar nicht mehr. Vielmehr hat sie in Frauen, die ihre Brüchigkeit anzuerkennen versuchen, eine neue Form angenommen. Vielleicht sind Frauen wie Lena Dunham oder Zooey Deschanel die Audrey Hepburn der Gegenwart. Sie schreiben, produzieren und spielen beide die Hauptrolle in ihren eigenen Serien: Dunham in „Girls" und Deschanel in „New Girl". Keine von ihnen würde man als klassisch elegant bezeichnen. Genau das scheint ihr Vorteil, gegenüber all den anderen Serien-Trullas zu sein. Sie sind cool, weil sie uncool sind, ohne sich was darauf einzubilden; weil ihre Figuren an sich zweifeln, sich streiten und als Wiedergutmachung etwas Selbstgemachtes und keinen Diamantring bekommen. Weil sie modisch auch mal daneben greifen, manchmal aber auch voll ins Schwarze. Wie Dunhams Figur Hannah Horvath, die sich freut, wenn sie es schafft, fast-passende Schuhe zu ihrem Kleid auszuwählen, und dabei weder kokett noch anbiedernd ist. Oder Deschanels Figur Jess Day, die auf Pünktchen und Plüsch besteht, weil es ihr gut tut, sie Spaß daran hat, es sie manchmal tröstet, und weil sie weiß, dass sie auch anders kann. Ihre Anmut liegt darin, dass sie dem Kontrollzwang der Trends zu entkommen versuchen, dass sie sich nicht festlegen wollen. Sie sind keine Sehnsuchtsfiguren, wie die Hepburn eine war. Sie reflektieren verschiedene Weiblichkeiten und probieren aus. Ihr Stil ist nicht zu greifen – sie sind nicht zu greifen. So, als würde man sie wirklich gerade neu kennenlernen und währenddessen dabei zusehen, wie sich selber kennenlernen. Und dieser Tanz um eine eigene Mitte, der ist vielleicht die neue Form von Eleganz.


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18 Kommentare
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la_campagnola
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Mag ich Mag ich nicht

2

28.06.2012 - 18:57 Uhr
la_campagnola

eleganz entsteht nicht durch das WAS man trägt, sondern WIE man es trägt.

GeorgeCostanza
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Mag ich Mag ich nicht

0

28.06.2012 - 19:17 Uhr
GeorgeCostanza

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Mag ich Mag ich nicht

0

28.06.2012 - 19:17 Uhr
GeorgeCostanza

"Not many people have grace."
"Well, you know, grace is a tough one. I like to think I have a little grace. Not as much as Jackie O...."
"You can't have a little grace. You either have grace or you don't."
"Okay, fine. I have no grace."
"And you can't acquire grace."
"Well, I have no intention of getting grace."
"Grace isn't something you can pick up at the market."
"Alright, alright, look, I don't have grace, I don't want grace, I don't even say grace, okay?"

gartenfrau
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Mag ich Mag ich nicht

0

28.06.2012 - 19:43 Uhr
gartenfrau

einfach das tragen, was man gerne trägt und was einem steht. und das dann in schick. das ist eleganz.
an irgendwelchen ganz bestimmten kleidungsstücken läßt sich das nie festmachen, weil nicht allen das gleiche (gut) steht.

tuladoesthehula
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Mag ich Mag ich nicht

-4

28.06.2012 - 20:20 Uhr
tuladoesthehula

eleganz ist ein versuch irgendwie erhaben, übernatürlich zu wirken. diplomatisch ohne ecken und kanten. ich finde, eleganz ist auf eine gewisse weise feigheit, weil man keine zugeständnisse macht und irgendwie allen gefallen will.

durchtanztnaechte
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Mag ich Mag ich nicht

3

28.06.2012 - 22:49 Uhr
durchtanztnaechte

individualitaet.
selbstbewusstsein.
eigener stil.
keine zu plumpen trampelbewegungen/tollpatschigkeit.
keine gossensprache.
=
eleganz.

witzgenstein
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Mag ich Mag ich nicht

0

29.06.2012 - 09:17 Uhr
witzgenstein

Welche Bedeutung hat der Begriff "Eleganz", und wandelt sich diese Bedeutung nicht je nach Subgruppe einer Gesellschaft?

Als Kind habe ich in dem Wort stets auch das "Glanz"-Akronym mitgelesen, und in der Tat schreiben viele Definitionen der Eleganz ja einen Geschmack "nach der letzten Mode", also dem, was neu, modern oder "hip" ist, zu.
Doch ist der typische Berlin-Mitte-Hipster elegant gekleidet?

Giorgio Armani hat es wie folgt versucht: "Eleganz heisst, nicht ins Auge zu fallen, sondern im Gedächtnis zu bleiben."
Möglicherweise hilft also doch - Audrey Hepburn lässt grüßen - der etwas altmodische Ausdruck "Anmut" weiter. Was aber gleich die Frage aufwirft, wie denn ein Herr "anmutig" auftreten kann.
Mein Verdacht, für diesen Teil der Eleganz müsse immer wieder das hochgezogene feine Strümpflein am Herrenbein herhalten, stellt mir persönlich in Aussicht, nie elegant zu erscheinen.
Obwohl es mir an Mut nie fehlte.

jurette_
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Mag ich Mag ich nicht

4

29.06.2012 - 09:36 Uhr
jurette_

Nein, Frauen, die sich wie kleine Mädchen anziehen und die unförmige Sachen tragen, sind nicht elegant.

Montrose
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Mag ich Mag ich nicht

1

29.06.2012 - 10:35 Uhr
Montrose

Eleganz hat für mich was mit scheinbar unangestrengter Perfektion, unaufdringlicher Hochwertigkeit und eben irgendwie auffälliger, geschmackvoller Unauffälligkeit zu tun. Es gibt hundert Männer im Anzug im Raum. Es gibt einen, der trägt den perfekten Anzug. Nicht, weil er besonders teuer ist. Oder weil der Stoff besonders auffällig ist. Oder der Schnitt besonders modisch. Nein, nur weil er perfekt für ihn gemacht ist. Und weil die Schuhe, der Gürtel, das Hemd, die Krawatte ebenso perfekt passend sind. Was ebenso für seine Haltung und sein Benehmen gilt.
Alles was schreiend, aufdringlich und unperfekt ist, kann nicht elegant sein. Aus diesem Grund sind die Aussagen des Textes für mich absurd. "Fast passend" ist niemals elegant.
Gilt nur für mich (und elegant werde ich nie sein, viel zu anstrengend);-)
Und zur Anmerkung der Feigheit: Ich befürchte, dass Eleganz extrem zum Anecken führt. Wer sich in die Perfektion erhebt, wird i.d.R. nicht gerne gesehen vom unperfekten Rest. Vor allem, wenn es auch noch ganz einfach aussieht (was es meist natürlich nicht ist);-)

chrinamu
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Mag ich Mag ich nicht

0

29.06.2012 - 13:12 Uhr
chrinamu

Eleganz ist, wenn man sich kennt und weiß, was zu einem passt, und sich nicht durch Modephänomene davon abbringen lässt. Wie z.B. all die Leute, die derzeit Röhrenjeans tragen, weil es in ist. Bisher ist mir niemand begegnet, der damit gut aussah, geschweige denn elegant...

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