21.05.2012 - 18:30 Uhr

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Aufforderung zum Liegenbleiben

Text: josef-wirnshofer - Foto: Alex / photocase

Schlafmangel gehört für viele Menschen zum Alltag, egal aus welcher Altersgruppe. Frühes Aufstehen und durchgearbeitete Nächte gelten als notwendiges Übel, dem man im Ernstfall mit einer Tasse Kaffee entgegentritt. Schlafforscher jedoch warnen vor den gesundheitlichen Risiken, die ein Social Jetlag mit sich bringt.

Der menschliche Organismus weiß vieles von Natur aus, lange bevor wir unser erstes Wort über die Lippen bringen. Zum Beispiel, wann es am besten ist, zu schlafen. In unseren Augen befinden sich Rezeptoren, die der inneren Uhr des Körpers signalisieren, ob es Tag oder Nacht ist, weshalb wir naturgemäß mit Einbruch der Dunkelheit müde werden. Seit der Erfindung der Glühbirne aber fingert der Mensch immer mehr selbst an den Zeigern dieser Uhr herum.

Es ist freilich nicht ungewöhnlich, bis nach Mitternacht wach zu sein, egal ob man Student, Schüler oder Angestellter ist. Denn mit seinen Seminararbeiten wird man, trotz aller guten Vorsätze, meist erst in den frühen Morgenstunden fertig. Dass man für Mathe- und Chemieklausuren die Nacht durchlernt, ist völlig normal. Und wer sowieso nie vor 22 Uhr aus dem Büro kommt, hat nicht einmal die Chance, früh ins Bett zu kommen. Aber solange einen der Wecker rechtzeitig wieder wach läutet, ist das Schlafpensum für viele eine dehnbare Variable. Schleift sich ein solcher Rhythmus jedoch über einen längeren Zeitraum ein, machen sich schnell Symptome wie Müdigkeit, Niedergeschlagenheit und Unwohlsein bemerkbar. Eigentlich sind dies Anzeichen eines klassischen Jetlags, der bei Reisen durch unterschiedliche Zeitzonen eintritt.  Mit dem Unterschied, dass sich der Körper binnen weniger Tage an die neue Zeitzone gewöhnt, die Symptome also verschwinden. Nicht so beim Social Jetlag: Tickt die soziale Uhr dauerhaft gegen die biologische, so ist die Gefahr groß, dass Müdigkeit und Niedergeschlagenheit zu chronischen Begleitern im Alltag werden.

Berechnet wird der Social Jetlag, indem man die Zahl der Schlafstunden an Arbeitstagen von der Zahl der Schlafstunden an freien Tagen subtrahiert. Wer also am Wochenende zehn Stunden schläft, unter der Woche aber schon nach sechs Stunden aufsteht, handelt sich einen Social Jetlag von vier Stunden ein.


Müdigkeit und Erschöpfung zählen zu den Symptomen des Social Jetlags.

Till Roenneberg ist Professor am Zentrum für Chronobiologie in München und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Schlafverhalten von Menschen. Er warnt vor den gesundheitlichen Auswirkungen, die chronischer Schlafmangel auf den Körper hat. So werde, laut einer Studie aus dem Jahre 2006, nicht nur die tägliche Leistungsfähigkeit eingeschränkt; auch Langzeitschäden wie Herzkreislaufbeschwerden, Diabetes und Übergewicht können die Folge sein. Denn Schlafmangel befördert neben Niedergeschlagenheit und Leistungsabfall auch den Heißhunger auf Zwischenmahlzeiten. Dass viele Betroffene zudem versuchen, ihrem Körper mit Kaffee und Zigaretten auf die Sprünge zu helfen, macht die Sache nicht gesünder. „Je stärker der soziale Jetlag, desto mehr greifen Individuen nach Stimulanzien,“ so Roenneberg. Betroffen sind dabei Menschen aller Altersgruppen, sowohl berufstätige Erwachsene als auch pubertierende Jugendliche. Schließlich kann ein sechzehnstündiger Arbeitstag genauso Grund sein, sich die Nacht um die Ohren zu schlagen, wie eine bevorstehende Klausur.

Es wird einem aber auch nicht leicht gemacht. Überall lauern Smartphones, das Internet ist sowieso ständig verfügbar, und wem geht es nicht manchmal so, dass er vorm Einschlafen noch etwas wahnsinnig Wichtiges wikipedieren muss? Das Fernsehen scheint zumindest noch insofern schlafkompatibel, als dass die meisten Programme spätestens um 23 Uhr fad werden. YouTube, Facebook und andere Internetplattformen hingegen locken rund um die Uhr mit Hochinteressantem.

Doch davon mal abgesehen, scheint es generell schwierig, dem Social Jetlag gänzlich zu entgehen, denn dazu wären grundlegende soziale Veränderungen notwendig. So müssten für Kinder und Jugendliche beispielsweise die Schulzeiten angepasst werden, während im Berufsalltag eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten notwendig wäre. Man kann seinem Körper aber dennoch entgegenkommen. Etwa, indem man ihm so viel Tageslicht wie möglich zukommen lässt und darüber hinaus darauf achtet, zu später Stunde keine allzu großen Mahlzeiten mehr einzunehmen.


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14 Kommentare
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soeren_preibusch
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Mag ich Mag ich nicht

3

21.05.2012 - 18:57 Uhr
soeren_preibusch

Gute Bestandsaufnahme - aber die Lösungsvorschläge kommen zu kurz. Mit "angepassten" Schulzeiten ist es nicht getan, denn später anfangen heißt auch später aufhören. Im Moment liest es sich wie die Anmoderation zum nächsten Tagesticker.

Cios
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Mag ich Mag ich nicht

1

21.05.2012 - 20:26 Uhr
Cios

Selbst, wenn Arbeits-/Schulzeiten angepasst werden und so weiter bringt das nichts, wenn man auf der Arbeit von Popolöchern umzingelt ist, die einem das Leben schwer machen. Da kann man dann 10 Stunden zum Schlafen haben - diesen wird man nicht finden.

Ich würde liebend gern morgens um 7 anfangen - ich bin Frühaufsteher und arbeite gerne früh am Morgen. Doch das findet man selten irgendwo… =)

Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

0

21.05.2012 - 21:15 Uhr
Digital_Data

ob es Tag oder Nacht ist, weshalb wir naturgemäß mit Einbruch der Dunkelheit müde werden.


Das glaube ich eher weniger, da es Fürhaufsteher und Spätaufsteher gibt, also Lerchen und Eulen. Ähnlich wie bei Enten, wo einer schläft und der andere wach bleibt um aufzupassen, kann ich mr gut vorstellen, dass das in unserer Vergangenheit auch so war. Und so haben sich die unterschiedlichen Rhythmen heraus gebildet. Ich kenen meine Rhythmus-Stunden ziemlich genau. Und an die halte ich mich, wann immer es nur geht.

Digital_Data

gewitterhexe
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Mag ich Mag ich nicht

0

22.05.2012 - 00:20 Uhr
gewitterhexe

ein guter anfang. zu dem thema hätte ich aber gern viel mehr und ausführlicheres gelesen.

einloewenzahn
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1

22.05.2012 - 09:52 Uhr
einloewenzahn

ich sags ja: "schlafen ist besser als kaffee"

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Mag ich Mag ich nicht

0

22.05.2012 - 09:52 Uhr
einloewenzahn

ich sags ja: "schlafen ist besser als kaffee"

golden_platitudes
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Mag ich Mag ich nicht

2

22.05.2012 - 10:10 Uhr
golden_platitudes

Muss man denn so eine unnötige und relativ sinnfreie (wenn an bedenkt, dass der 'Jetlag', das eigentlich nachgelagerte Phänomen ist, das man viel später gefunden und benannt hat) Vokabel wie 'Social Jetlag' erfinden (und übernehmen), wenn doch mit 'Schlafmangel' und/ oder '-entzug' alles gesagt ist? Ganz ohne alberne Formel. (Was soll die neben der simplen Differenz abbilden? Da hat der BMI mehr Sinn.) Sicher, der Zuckerberg-Film war nicht schlecht, aber mit vermeintlich neuen Begriffen Relevanz vorzutäuschen ist Blendwerk. Und, sind wir schon dabei, bei allem Jammern über 'Social Networks' & die immer verfügbare Technik: die lässt sich ausschalten. Das ist einfach. So viel Eigenverantwortung kann man entwickeln. Das muss man sich nicht permanent antun.

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Mag ich Mag ich nicht

3

22.05.2012 - 10:15 Uhr
golden_platitudes

Worüber man schon eher jammern kann, dass die besten Filme, die mit ein wenig mehr Anspruch, meist erst jenseits der 23-Uhr-angeblich-fad-Grenze im öffentlich-rechtlichen Elend versendet werden.

izzy_bizzy
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Mag ich Mag ich nicht

0

22.05.2012 - 15:17 Uhr
izzy_bizzy

golden_platitudes sagte:
Worüber man schon eher jammern kann, dass die besten Filme, die mit ein wenig mehr Anspruch, meist erst jenseits der 23-Uhr-angeblich-fad-Grenze im öffentlich-rechtlichen Elend versendet werden.


Da gibts so eine altmodische Erfindung namens Videorecorder.
Oder wer hipp ist kauft sich einen Festplattenreceiver.

Dann kann man die Filme auch bequem sehen wann man will. Ich lass mir doch vom TV Gerät nicht vorschreiben wann ich schlafe.

mia_mia
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Mag ich Mag ich nicht

0

22.05.2012 - 15:38 Uhr
mia_mia

achwas, es gibt eine innere Uhr? Und man ist erschöpft, wenn man weniger Schlaf bekommt als am Wochenende?
u dont say.

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