10.05.2012 - 18:30 Uhr

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Ding der Woche: Die Superbräune

Text: max-scharnigg - Fotos: H&M, dapd

H&M plakatiert ein ziemlich verbranntes Model und in New Jersey verbreitet die Solariums-Mom Furcht und Schrecken. Wird das der Sommer, den unsere Haut nie mehr vergisst?


Braun zu werden bedarf es wenig. Ein Nachmittag im Park herumrennen und dabei die Nase nach oben halten, schon fragen die Kollegen am nächsten Tag, ob man im Urlaub war. Die Kollegen des Models Isabeli Fontana dürften angesichts ihrer aktuellen Bikini-Fotostrecke für H&M eher fragen, welcher Farbton es war, der in der Nachbearbeitung für ihre schwarzbraune Haut sorgte. Die Dame, wiewohl Brasilianerin, sieht nämlich von Natur eher so aus: 

Natürlich ist das nicht, gesund auch nicht. Da wurde getanned und bronziert für ein Idealbild, das einem ganzem Hautärztekongress die Zornesfalten in die (sonst faltenfreien) Gesichter treiben dürfte. Schließlich ist Hautkrebs auf dem besten Weg zur Volkskrankheit zu werden und gerade auch die unnatürliche Solariumsbräune trägt dazu bei. Die deutschlandweit plakatierte Werbestrecke wirkt unter diesem Gesichtspunkt schon fast wie ein Mahnmal. Aber nicht nur deshalb verstört die sehr dunkle Isabeli an der Bushaltestelle – so viel Bräune war einfach lange nicht mehr in der Modewelt propagiert worden. Von milchweiß bis leicht kaffeebraun schienen die Teints der Models in den letzten Jahren gefragt zu sein, das tiefdunkle Sonnenbraun begründet H&M nun mit dem Wunsch, die knalligen Farben des Bikinis zu betonen. Erinnert uns vielleicht deswegen die Hautfarbe an die 80er-Jahre, dem Jahrzehnt, das für seine knalligen Farben berühmt war?



Klar, der Kontrast auf dunkler Haut ist besser als auf mitteleuropäischem Durchschnittsfleisch. Bleiben trotzdem zwei Fragen – nimmt die Modekette damit billigend in Kauf, dass die junge Zielgruppe sich ebenfalls den perfekten Kontrast ersehnt und deshalb die UV-Bestrahlung diesen Sommer ausreizen wird? Und warum buchen sie eigentlich nicht gleich ein dunkelhäutiges Model und vermeiden damit die ganze Bräunungspropaganda? Am heutigen Nachmittag jedenfalls, entschuldigte sich das Unternehmen für die Brutzelei und teilte via Presseagenturen mit: „Es war nicht unsere Absicht, für ein bestimmtes Ideal zu werben oder zu gefährlichem Handeln anzuregen“. Hinweise der Gesundheitsschützer würden künftig im Vorfeld von Kampagnen berücksichtigt werden.



Vielleicht würde das Plakat auch weniger Aufmerksamkeit erregen, wenn nicht gerade ein anderer Fall von Superbräune durch die amerikanischen Medien geistern würde. Patricia Krentcilie hat es in der letzten Woche als furchterregende „Tanning Mom“ aus New Jersey zu Boulevard-Berühmtheit gebracht. Nicht nur wegen ihrer grotesken eigenen Solariumsbräune, sondern weil sie angeblich auch ihre fünfjährige Tochter im Solarium brutzeln ließ – der Sonnenbrand des Kindes war im Kindergarten aufgefallen. Das Bild der Mutter bei ihrer Anhörung wegen Gefährdung von Minderjährigen, war dann ein gefundenes Fressen für Nachrichten und Blogs – die hübsche Wortschöpfung „tanorexic“ machte dabei die Runde.



Eine Spielzeugfigur gibt es jetzt auch schon zur Tanning Mom, allerdings mit einem recht martialischen Blazer als Ausstattung. Vielleicht liefern ja die HeroBuilders auch noch einen Bikini in knalligen Farben dazu?






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119 Kommentare
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shoota
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Mag ich Mag ich nicht

1

11.05.2012 - 17:31 Uhr
shoota

pff, das sieht man doch, dass die fotos stark verdunkelt sind, da kann man sich eher über die teilweise schlecht gesetzten reflektionen mokieren ...

anagramm
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Mag ich Mag ich nicht

0

11.05.2012 - 18:04 Uhr
anagramm

stirnlappenbasilisk sagte:
izzy_bizzy sagte:
Nee, nicht. Jeder weiss, wie diese Firmen Menschen in Schwellenländern ausbeuten, und trotzdem kaufen viele da. Auch die, die sonst im Bioladen einen auf Fair Trade machen.


WAAAAH! Die sch... Absolutismus Debatte! Entweder oder.... aber bloß nicht: Hier so und da so verhalten. Immer straight.

*beißt große Stücke aus der Tischplatte*

gibt kein richtiges leben im falschen und so, ne.

der_sendlinger
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0

11.05.2012 - 23:00 Uhr
der_sendlinger

anagramm sagte:
stirnlappenbasilisk sagte:
izzy_bizzy sagte: Nee, nicht. Jeder weiss, wie diese Firmen Menschen in Schwellenländern ausbeuten, und trotzdem kaufen viele da. Auch die, die sonst im Bioladen einen auf Fair Trade machen.WAAAAH! Die sch... Absolutismus Debatte! Entweder oder.... aber bloß nicht: Hier so und da so verhalten. Immer straight.*beißt große Stücke aus der Tischplatte*gibt kein richtiges leben im falschen und so, ne.

eben, wir sind alle sterblich. und nun?

sabado
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Mag ich Mag ich nicht

2

12.05.2012 - 11:13 Uhr
sabado

Fototechnisch Aufgeklärte wissen, was man alles mit knapper Belichtung und Polfiltern erreichen kann; den Rest macht Photoshop. Mit Realität hat das nichts zu tun. Als Brasilien-affiner Mann, der nicht zur Zielgruppe dieser Kampagne gehört, muss ich doch gestehen, dass mich die Plakate im Stil des legendären Fotografen Otto Weißer aufs Angenehmste belästigen. In der wirklichen Welt (in Hamburg!) habe ich einen solchen Teint mit einer solchen Textur zuletzt bei einer (extrem leckeren!) Weihnachtsgans gesehen.

Andere Bilder des Models Isabeli Fontana im Netz zeigen eine blasse Giraffe ohne Hüften, die trotz ihrer vermutlich stattlichen Honorare nur selten lächelt (weil sie ständig hungern muss?)

In der U-Bahn höre ich ein paar etwa dreizehnjährige Mädels das Plakat mit aufrichtiger Bewunderung kommentieren. Die leisten sich die 4,95 für das Bikini-Oberteil locker von ihrem Taschengeld. Ihre Altersgenossinnen in östlichen Gefilden, die die Dinger zusammennähen, müssten dafür eine Woche arbeiten. Sie kaufen eher selten neue Bikinis, denn sie sind auch ohne Urlaub so schön braun wie die edelbrasilianische Photoshop-Weihnachtsgans. Obwohl auch sie wenig essen und noch härter arbeiten als unsere Topmodels, scheint es ihnen nichts auszumachen, denn sie lächeln viel öfter.

Unsere Arbeitgeberverbände und ihre Freunde in Berlin setzen sich dafür ein, auch unsere Arbeitswelt zu verbessern, damit wir auch so glücklich werden. Wir sollten das aber nicht übertreiben und den Leutchen in Bangladesh die Jobs wegnehmen. Wir müssen hier schon noch ein klein wenig mehr verdienen, denn irgendwer muss ja schließlich die Bikinis kaufen.

noplacespecial
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12.05.2012 - 13:26 Uhr
noplacespecial

sabado sagte:
Fototechnisch Aufgeklärte wissen, was man alles mit knapper Belichtung und Polfiltern erreichen kann; den Rest macht Photoshop. Mit Realität hat das nichts zu tun. Als Brasilien-affiner Mann, der nicht zur Zielgruppe dieser Kampagne gehört, muss ich doch gestehen, dass mich die Plakate im Stil des legendären Fotografen Otto Weißer aufs Angenehmste belästigen. In der wirklichen Welt (in Hamburg!) habe ich einen solchen Teint mit einer solchen Textur zuletzt bei einer (extrem leckeren!) Weihnachtsgans gesehen.

Andere Bilder des Models Isabeli Fontana im Netz zeigen eine blasse Giraffe ohne Hüften, die trotz ihrer vermutlich stattlichen Honorare nur selten lächelt (weil sie ständig hungern muss?)

In der U-Bahn höre ich ein paar etwa dreizehnjährige Mädels das Plakat mit aufrichtiger Bewunderung kommentieren. Die leisten sich die 4,95 für das Bikini-Oberteil locker von ihrem Taschengeld. Ihre Altersgenossinnen in östlichen Gefilden, die die Dinger zusammennähen, müssten dafür eine Woche arbeiten. Sie kaufen eher selten neue Bikinis, denn sie sind auch ohne Urlaub so schön braun wie die edelbrasilianische Photoshop-Weihnachtsgans. Obwohl auch sie wenig essen und noch härter arbeiten als unsere Topmodels, scheint es ihnen nichts auszumachen, denn sie lächeln viel öfter.

Unsere Arbeitgeberverbände und ihre Freunde in Berlin setzen sich dafür ein, auch unsere Arbeitswelt zu verbessern, damit wir auch so glücklich werden. Wir sollten das aber nicht übertreiben und den Leutchen in Bangladesh die Jobs wegnehmen. Wir müssen hier schon noch ein klein wenig mehr verdienen, denn irgendwer muss ja schließlich die Bikinis kaufen.


:D
mehr davon.

purzelmeier
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0

12.05.2012 - 14:30 Uhr
purzelmeier

Grrmpf sagte:
stirnlappenbasilisk sagte:
Grrmpf sagte:
nix dran.


da fallen mir auf den Schlag zwei Gegenargumente ein.

Du meinst die hier so genannten Hupen? Hmja.

Wohl eher schon Sirenen.

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0

12.05.2012 - 14:31 Uhr
purzelmeier

wollmops sagte:
izzy_bizzy sagte:
Echt? Ich nicht.

Also, mir ist niemand persönlich bekannt, der in seinem Kleiderschrank nicht Diverses von H&M hätte; ich würde sogar so weit gehen: niemand, der nicht fast jeden Tag zumindest ein Kleidungsstück von H&M trägt, seien es Socken, T-Shirt oder Unterhosen.
Ebensowenig kenne ich jemanden, der nichts von Ikea hat.

Ikea biete Socken, T-Shirt, Unterhosen an? Womöglich zum selberzusammenbauen, Stricknadel liegt bei.

SCNR :-)

izzy_bizzy
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14.05.2012 - 12:22 Uhr
izzy_bizzy

der_sendlinger sagte:
izzy_bizzy sagte: der_sendlinger sagte: izzy_bizzy sagte: Ikea-Möbel & H&M Klamotten sind die Geisseln der Menschheit.so ein schmarrnNee, nicht. Jeder weiss, wie diese Firmen Menschen in Schwellenländern ausbeuten, und trotzdem kaufen viele da. Auch die, die sonst im Bioladen einen auf Fair Trade machen.ja und? das tun die anderen auch, egal ob kik oder gucci.

Und weil die anderen es machen, macht es das besser? Oder was willst du damit sagen?

der_sendlinger
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Mag ich Mag ich nicht

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15.05.2012 - 22:21 Uhr
der_sendlinger

izzy_bizzy sagte:
der_sendlinger sagte: izzy_bizzy sagte: der_sendlinger sagte: izzy_bizzy sagte: Ikea-Möbel & H&M Klamotten sind die Geisseln der Menschheit.so ein schmarrnNee, nicht. Jeder weiss, wie diese Firmen Menschen in Schwellenländern ausbeuten, und trotzdem kaufen viele da. Auch die, die sonst im Bioladen einen auf Fair Trade machen.ja und? das tun die anderen auch, egal ob kik oder gucci.Und weil die anderen es machen, macht es das besser? Oder was willst du damit sagen?

nö.

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