Rap Rendezvous: Wir hören neue Platten mit Tobi
Einmal im Monat plaudert jetzt.de mit einem Vertreter aus dem HipHop-Kosmos über aktuelle Rap-Veröffentlichungen. Heute mit Tobi (ehemals Der Tobi & Das Bo und Fünf Sterne Deluxe, heute Moonbootica) über die Neuerscheinungen von Fiva, Sexion D'Assaut, Chiddy Bang, Aphroe und Common.

Tobi Tobsen, mit bürgerlichem Namen Tobias Schmidt, hat definitiv seinen Teil zur hiesigen HipHop-Geschichte beigetragen. In den 90er-Jahren gründete er in Elmshorn bei Hamburg zusammen mit Bo das Rap-Duo Der Tobi & Das Bo, die als eine der ersten Formationen eine humorvolle Alternative zum ansonsten doch recht verbittert wirkenden Genre lieferten. Als Teil der Klasse von 95 mit Leuten wie Fettes Brot, den Massiven Tönen und MC Rene propagierten sie ihre musikalische Herangehensweise mit den Worten: Wir nehmen den HipHop-Begriff und drehen ihn um PohPih. Ende der 90er fusionierte das Duo dann mit Marcnesium und DJ Coolmann zu Fünf Sterne Deluxe und lieferten bis 2003 veritable Szene-Hits ab wie Dein Herz schlägt schneller oder Ja, ja, deine Mudder. Nach der Trennung gründete Tobi zusammen mit KoweSix das Elektroduo Moonbootica und zieht seither als DJ durch die Lande. Am 25. Mai erscheint deren neues Album Our Disco Is Louder Than Yours.
Aber jetzt geht es los mit dem Rap Review Rendezvous und
Fiva & Das Phantom Orchester Die Stadt gehört wieder mir

jetzt.de: Wie hat dir die Platte gefallen?
Tobi: Ich möchte mal so anfangen: Ich finde es immer gut, wenn jemand einen eigenständigen Sound macht und das Ganze in dem Kosmos passieren lässt, dem er/sie entstammt. Die Texte von Fiva finde ich insofern gut, als dass sie auf mich ehrlich wirken und das zu repräsentieren scheinen, was sie als Person ausmacht. Musikalisch finde ich es aber ganz schrecklich. Das ist wahnsinnig unfunky und geht in eine Richtung, die ich nicht mag: Der Rap-Style, die Stimme, der Ausdruck damit kann ich überhaupt nichts anfangen. Aber in ihrer Welt ist das wahrscheinlich super.
Was fehlt dir an den Raps denn konkret?
Es ist sehr einfach geflowt und erinnert an die Sachen von früher. Rap in Deutschland hat sich weiterentwickelt, ihrer aber nicht. Ich vermute allerdings, dass das auch gar nicht ihr Anspruch ist und es gibt bestimmt viele Frauen, die sich in ihren Texten wiedererkennen. Die Musik ist sympathisch, nett und wahnsinnig feminin. Vielleicht ist es auch deshalb nicht mein Ding.
Auf musikalischer Seite haben auf der Platte Mitglieder der Sportfreunde Stiller und der Emil Bulls mitgewirkt. Hört man das auf dem Album heraus?
Die Musik ist wahnsinnig weiß, wenn du verstehst, was ich meine. Da ist so gar kein Soul und Funk mehr drin. Dadurch hat es zwar eine Eigenständigkeit, die man durchaus auch als Pluspunkt ansehen könnte, aber man hört dem Ganzen definitiv an, dass es nicht von einem HipHop-Produzenten gemacht wurde. Die Beats sind total labberich. Die sind einfach nur da. Mir fehlt da der Dreck.
Sexion DAssaut LApogee

Das letzte Album von Sexion DAssaut ging 400.000 Mal über den Ladentisch. Bleibt das nach Durchhören des neuen Albums für dich nachvollziehbar?
Ja, ich verstehe vollkommen, warum das so gut funktioniert. Das ist clever umgesetzte französische Popmusik aus dem Rap-Kosmos mit eingängigen Hooklines auf hohem musikalischem Niveau. Das ist gut gemacht, geschmacklich aber auch nicht unbedingt meins. Auch hier fehlt mir der Dreck, das ist mir zu glatt.
Mit dem Stück Wati House ist ja auch ein Club-Track auf dem Album vertreten. Kannst du mit dem denn etwas anfangen?
Du meinst, weil das als DJ meinem Bereich zuzuordnen ist?
Als DJ dürftest du zumindest einschätzen können, was im Club funktioniert und was nicht, oder?
Derzeit ist ja fast alles Clubmusik selbst der ganze Kram aus Amerika basiert fast ausschließlich auf einer Vierviertel-Bassdrum mit Elektroelementen. Insofern ist es eine vollkommen normale Entwicklung, dass das nun auch in Frankreich ankommt zumal das ja eigentlich in Europa losgetreten wurde. Ich spiele in meinen Sets aber eher andere Tracks.
Wie ist denn bei dir eigentlich damals der Schritt von Rap zu Elektro vonstatten gegangen?
Mein älterer Bruder hat mich sogar schon vor meiner HipHop-Zeit auf elektronische Musik gebracht, irgendwann bin ich dann aber doch auf HipHop hängen geblieben und konnte während der kommerziellen Rave-Hochzeit in den 90ern gar nichts mehr mit dieser Musik anfangen. Irgendwann habe ich dann aber angefangen, auf TripHop zu flashen, wodurch ich mich wieder mehr elektronischen Sounds angenähert habe vor allem durch French-House, der ja auch auf Loops und Samples basiert. Anfang 2000 haben wir in Haburg dann die Moonbootica-Party-Reihe losgetreten, wo wir von HipHop bis Techno alles gespielt haben, was wir geil fanden. Das war der Startschuss.
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