30.03.2012 - 18:30 Uhr

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Kommissar Copyright im Einsatz

Text: dirk-vongehlen

Tatortautoren schreiben an einem schweren Urheberrechtsfall und schaffen damit eine große Debatte, deren Lösung sich vielleicht im Archiv findet

Wer sonntags gegen kurz nach acht nach Einträgen zum Hashtag #tatort sucht, kann dort die Meinung der Netzgemeinde über die jeweils aktuellen Ermittlungen von Deutschlands berühmtesten Kommissaren nachlesen. Wer heute Einträge zu dem Hashtag sucht, findet vor allem die Meinung von 51 Tatort-Autoren über diejenigen, die sie wiederum für die Netzgemeinde halten. Und diese Meinung ist schlecht.

"Liebe Grüne, liebe Piraten, liebe Linke, liebe Netzgemeinde" ist der offene Brief überschrieben, den die Drehbuchautoren donnerstag Nachmittag veröffentlichten. Darin beklagen sie Lebenslügen der Netzpolitiker, die sich nicht ausreichend für die Rechte der Autoren einsetzen würden, sondern alles dafür tun, "die Umsonstkultur in den Rang eines Grundrechtes" zu hieven.



Die Netzgemeinde tat den Autoren den Gefallen und reagierte sehr prompt auf die doch eher schlampig formulierte Provokation und brachte den Hashtag #tatort auf die Twitter-Tagesordnung. Hier machen wiederum diejenigen ihrem Ärger Luft, die sich von dem wenig konstruktiven Brief angesprochen fühlen. Zwar endet das Schreiben mit dem Angebot zu einem Dialog, inhaltliche Anknüpfungspunkte liefert es aber kaum - und findet sie in der twitternden Netzgemeinde auch nicht.

Am Abend reagierten dann "51 Hacker" vom Chaos Computer Club lieferten den Drehbuchautoren eine ebenfalls eher emotionale Antwort. Im Netz sammeln sich nun auf beiden Seiten Menschen, die den jeweiligen anderen unsachliche Argumentation oder Ahnungslosigkeit vorwerfen. Der Sache, also einer inhaltlichen Debatte über die Frage nach einem modernen Urheberrecht, hilft dies ganz und gar nicht. Auch dann nicht, wenn man die Autoren-Provokation wie auf Netzpolitik angedeutet, als Auftragswerk der Film- und Medienwirtschaft interpretiert.

Solche Wutausbrüche (wie auch der aus der vergangenen Woche von Sven Regener) verfestigen eher die Fronten als dass sie einer Lösung dienlich sind. Und so fühlt man sich als Hashtag-Leser tatsächlich an einen Tatort erinnert, in dem die Kommissare so lange im Dunkeln tappen bis irgendeiner einen für die Zuschauer unerklärlichen Geistesblitz hat und der Fall sich löst. In der Urheberrechts-Debatte könnte dieser Geistesblitz der Gang in das ebenfalls Tatort-typische Archiv sein. Dort könnte man nachschauen, wie die Gesellschaft urheberrechtliche Fälle in der Vergangenheit gelöst hat - als das Radio oder die Musikkassette die Kreativbranche ebenfalls schon vor grundlegende Herausforderungen stellte. Sie fand Lösungen, die gerade den Tatort-Autoren, die ja über Rundfunkgebühren finanziert werden, nicht fremd sein dürften: pauschale Abgabemodelle wie die Kulturflatrate.

Nachtrag: Im Laufe der Debatte sorgte übrigens der Neu-Tatort-Kommissar Til Schweiger dafür, den Hashtag mit neuen Beiträgen zu versorgen. Unter #tatort liest man jetzt auch die Empörung der Zuschauer über Schweigers Vorschlag den Vorspann der Krimi-Serie zu verändern.


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drolli
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Mag ich Mag ich nicht

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01.04.2012 - 23:17 Uhr
drolli

1) Wen interessiert was Zuschauer zu Til Schwaigers neuester Auesserung sagen?

2) In Moskau in der Fussgaengerzone sah ich viele Bettler die halberhungerte Katzen vor sich hielten, angeblich um Futter fuer die Katzen zu erbetteln. Angesichts der Tatsache dass diese armen Viecher vermutlich sogar noch mehr Anteilsmaessig der Tageseinnahmen abbekommen haben als die Tatortautoren von den Einnahmen des Tatorts erinnert mich das ganze doch erheblich daran. Warum man sich fuer sowas freiwillig hergibt ist mir aber scheierhaft.

3) In Deutschland muss ja nun jeder per GEZ fuer den Scheiss zahlen - ist schon lustig dass sich die Nutzniesser eines solchen Schemas dazu hinreissen lassen so eine Diskussion anzustacheln. Ich habe in den letzten 15J vielleicht 5 Tatort-Sendungen angeschaut wenns hoch kommt. Also liebe Tatort-autoren: wenn ihr schon meint dass hier alles genauso bezahlt werden muss, dann stellt eure Serie in die DVD Regale der Verleihe. Wenn sie so gut ist wie 'Breaking Bad' kaufe ich mir sogar eine Staffel.

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