Die Sucht, ihre Apps und die Kunst des Kultivierens ...

Die hier beginnende Reflexion scheint relativ lang zu sein. Sie beschränkt sich aber lediglich auf ein Minimum an Information, um Kontexte für den Leser zugänglich zu machen. Es geht um „Anwendungen“ [applications] durch „Hinzufügen einer Ausdrucksweise“ [add-a-diction] an die „man“ sich dann irgendwann zu gewöhnen beginnt. Bekommt „man“ Anfälle radikal egoistischen Verhaltens, wenn einem diese „Apps“ entzogen werden, ist „man“ der Abhängigkeit verfallen: Sucht dominiert ihre Opfer. Der maximale Ausdruck eines solchen Verfalls, ist in antisozialen Positionen anzutreffen, die darin gipfeln, das Leben anderer zu vernichten, um eigene Suchtbedürfnisse zu befriedigen. Der Begriff „Sucht“ erschien von 1957 bis 1963 in den Akten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), danach verschrieb man sich auf Missbrauch und Abhängigkeit. Noch während einer Epoche subkulturell propagierten Drogenkonsums, wurde im Jahre 1969 dieses Konzept abgestuft. Ein unerlaubter Gebrauch wurde zu einem von der Gesellschaft nicht tolerierten Gebrauch, ein Gefährlicher Gebrauch wurde zum Gebrauch mit wahrscheinlich schädlichen Folgen für den Anwender. Fehlende oder mangelhafte Funktionen wurden als offensichtlich erklärt, wenn der User psychischen oder sozialen Anforderungen nicht mehr korrespondieren konnte; und ein schädlicher Gebrauch war fortan an seinen schädlichen Folgen (organisch, psychisch, sozial) zu erkennen. Und auf einmal ist der Begriff „Sucht“ wieder ganz aktuell geworden … als Internet-Sucht. Oder vornehm ausgedrückt als: Dysfunktionaler und pathologischer PC- und Internet-Gebrauch.
560.000 Deutsche internetsüchtig - Mädchen besonders anfällig - Drogenbeauftragte spricht von "neuer Erkrankung" … sind die Schlagzeilen unserer Tage. In Erklärungsmodellen wird versucht zu begründen, weshalb Nutzern von PC und Internet oft die Kontrolle entgleitet und pathologische Formen annimmt. Interpretationen der modernen Medien werden dabei meist historisch-kulturell in dysfunktionale Kontexte gezwängt, um dann daraus entwicklungspsychologische Bedürfnisstrukturen bei Jugendlichen zu konstruieren. In Folge wird ein dysfunktionaler oder pathologischer PC- und Internetgebrauch zu einem eigenen psychopathologischen Störungsbild erklärt. Dabei bedeutet „dys“ aber: falsch, schlecht - und „functio“: Leistung, Durchführung. Es wird also lediglich vergessen die eigene schlechte Leistung, ebenso wie die Möglichkeit einer falschen Durchführung der Analyse, zu berücksichtigen.
Suchtmittel zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Anwendung einem User geeignet scheinen seine Probleme zu lösen. Meist können sie ebenso leicht wie sonstige Apps bezogen und genutzt werden. Da ein derartiges Mittel nichts anderes ist als eine Art App, ein Programm für den entsprechenden User, dehnt sich die Bandbreite der Anwendungen von einfachsten Spaßanwendungen mit nur einer Funktion bis hin zu Programmpaketen mit umfangreicher Funktionalität. Es sind, bei in ihrer Persönlichkeit immer individuellen Menschen, sehr unterschiedliche Ursachen für diverse Süchte anzutreffen. Dabei greifen viele Faktoren ineinander und verstärken sich gegenseitig, doch eine Art klassifizierbarer „Suchtpersönlichkeit“ gibt es nicht. Wichtigster Risikofaktor bei der Entstehung von Sucht, ist das Belohnungszentrum in unserem menschlichen Gehirn: Werden gewisse Anwendung erfahren, registriert das Belohnungszentrum ein Wohlbefinden. Wir nehmen Ereignisse wahr, nicht Substanzen, und so wird alles zu einer Frage von Anwendungen (Apps) in einer situativen Ästhetik [sinnlicher Wahrnehmung in ihrem jeweiligen Raum-Zeit Kontinuum].
Von hier aus ist jedweder Fall von Sucht aufzurollen. Ereignisse, einfacher oder auch exzessiver Belohnung eines Individuums, lassen den Menschen dahin tendieren, sich diese als Gewöhnung zu erhalten und zu pflegen. Sollte auch anfänglich eine Abhängigkeit ausgeschlossen werden, kann keiner Anwendung, die Belohnungen zur Folge hat, eine latente Suchtgefahr negiert bleiben. Schon Anfang der 1970er Jahre hatte ich umfangreiche Erfahrungen mit der Therapie von Süchtigen. Holm, der sich täglich Mengen an Heroin injizierte, die für jeden normalen Bürger tödlich gewesen wären. Norbert, der mit hohen Dosen von Barbituraten, bei denen jeder andere eine Woche lang geschlafen hätte, erst richtig wach wurde. George, der sich konzentriertes L.S.D. gespritzt hatte. Es handelte sich um „Fälle“ die als unheilbar aus der Klinik zu uns auf den Kreativ-Bauernhof von „Release“ kamen, und die dort als Personen und Künstler wahrgenommen und begleitet wurden. Dieses positive Feedback, auf ihr eigentliches Wesen und dessen Kreativität, konnte sie in eine, der eigenen Persönlichkeit korrespondierende Realität, zurückführen; solange dieses Feedback Anwendung fand.

Seinerzeit konnte ich beobachten, dass der allgemein als Suchtresultat postulierte Perönlichkeitsverlust bereits als Ursache die Sucht generiert. Ein Mangel an Möglichkeiten, die eigene Persönlichkeit, oder auch nur die Wahrscheinlichkeit ihres Wesens zu verwirklichen, drängte in vielen Fällen die Betroffenen dahin, sich mittels Anwendungen in Scheinwelten zu flüchten: Defizienz in Effizienz zu wandeln. Bei derartigen Prozessen kann die Wahrheit des jeweiligen Wesens nicht länger äquivalent eines Wesens von Wahrheit bleiben. Diese Entpersonalisierung wurde von Martin Heidegger folgendermaßen erwortet: Jeder ist der Andere und Keiner er selbst. Das „Man“, mit dem sich die Frage nach dem „Wer“ des täglichen Daseins beantwortet, ist das „Niemand“, dem alles Dasein im „Untereinandersein“ sich je schon ausgeliefert hat. (“Sein und Zeit“ -S.128) - Und womit auf eine Perspektive des „Miteinander“ verwiesen wurde.
Ebenfalls zu dieser Zeit fand ich zu dem Referat “Probleme einer Anthropologie der Erkenntnis” einen Diskussionsbeitrag im “Bericht über den Philosophen-Kongress, Mainz 1948”. Es ging um Experimente, die in Innsbruck geprüft und erweitert wurden. Bekommt eine Versuchsperson als „App“ eine Brille aufgesetzt, die das optische Erlebnis für den Beobachter auf den Kopf stellt, passt sich die optische Wahrnehmung zwar nicht sprunghaft, sondern erst nach und nach, aber eindeutig an diese visuelle Distortion an, indem sie die auf den Kopf gestellte Wahrnehmung wiederum auf den Kopf stellt, um so weitere Anwendungen des in das Experiment involvierten Intermedianten möglichst nicht zu behindern, sondern ihm ein “normales” Weiterleben zu gewährleisten. Umgekehrt aber vollzieht sich dann derselbe Prozess: Wird die Brille wieder entfernt, bleibt das Bild zuerst einmal auf dem Kopf stehen, aber mit der Zeit orientiert es sich dann wieder an seiner originären Wahrnehmungs-Achse. Ähnlich reagiert unsere Wahrnehmung auf unterschiedlichste Anomalien, und es zeichnet sich ab, dass der „Schein der Sinne“ mit den „Apps der Sinne“ selbst im kognitiven System des Perzipienten (Empfänger) durchaus korrigierbar sind. Tiefenprägungen hingegen wirken sich meist expedientell als Distortionen aus. Oder in einen anderen Kontext transponiert: Solange die Software dysfunktional operiert, kann jedwedes Suchtverhalten relativ leicht korrigiert werden, indem die jeweilig aufgesetzte, verzerrende Anwendung wieder entfernt wird. Ist jedoch das Betriebssystem, der Verstand, dysfunktional angelegt oder geschädigt, bedarf es aufwendiger Therapien mit wenig Hoffnung auf Erfolg. Das Problem kann nur behoben werden, indem das defiziente Programm durch ein effizientes ersetzt wird. Hier empfiehlt sich eine gemeinsame Gestalt-Therapie, wo, in “Praxis situativer Ästhetik”, Prägungen expedientell ersetzt werden können und durch “Eigengeneration in einem kollektiven Prozess” die perzipientelle Annahme der neuen Programme durch den Patienten gewährleistet ist.
Obwohl die Gestaltung unserer Welt immer als ein gemeinschaftlicher Prozess angelegt sein sollte, mehrten und perfektionierten sich jedoch im Laufe der Geschichte Mechanismen der Ausgrenzung. Der Zugang zu einer von Adorno geschilderten Potentialität, aus der sich Aktualität jeweils generiert, wurde erschwert und blockiert. Anwendungen [applications] durch Hinzufügen einer Ausdrucksweise [add-a-diction] wurden nur noch möglich, wenn damit ein Wohlbefinden im Belohnungszentrum der Besitzer von Gestaltungsmitteln ausgelöst wurde. Zwar geht es denen auch nur darum, die eigene Persönlichkeit zu verwirklichen, was jedoch die Betroffenen in vielen Fällen dahin drängte, sich ebenfalls mittels Anwendungen in Scheinwelten zu flüchten: Defizienz in Effizienz zu wandeln. Karl Marx erkannte in diesem Kontext vor ca, 150 Jahren: Geld wandelt auch Unvermögen in Vermögen. Der Kampf um Gold und Geld, der nie Hemmungen zeigte auch das Leben anderer zu vernichten, um eigene Suchtbedürfnisse zu befriedigen, entlarvte das Mittel ebenfalls schon immer als Droge; nur wurde das selten auf diese Weise interpretiert. Ein möglicherweise unerlaubter Gebrauch wurde durch eine gesamt gesellschaftliche Abhängigkeit ausgeschlossen. Gefährlichen Anwendungen wurden wahrscheinlich schädliche Folgen abgesprochen, und gerade weil heute die User hoher Dosen an Suchtmitteln ihren eigenen psychischen oder den sozialen Anforderungen nicht mehr entsprechen können, bleibt der schädliche Gebrauch nachhaltig in seinen negativen Folgen (organisch, psychisch, sozial) erhalten.

Seit kurzem offeriert das Internet aber vielen Usern eine relativ günstige Eintrittskarte zu eben jener Potentionalität, aus der wir unsere gemeinsame Aktualität zu generieren haben, und schon soll eine sich entwickelnde zeitgenössische und innovative Kreativität (ein originär immer virtueller Prozess), zu einem dysfunktionalen und pathologischen PC- und Internet-Gebrauch degradiert werden. So wie Holm, Norbert und George vielleicht zuerst ein Bier zu viel tranken, dann einen Joint rauchten, und sich immer tiefer im Drogensumpf verstrickten, sind es heute die Jugendlichen, die zuerst Wackelbilder herunterladen, später Videos, um sich dann endgültig im Internet-Dschungel verlaufen? - Doch bleibt nicht die höchste Stufe der Internetsucht, das „virtuelle Crack“, den Usern mit dem am stärksten ausgeprägten Suchtverhalten vorbehalten? - Dieser vermeintliche Vorteil lässt sich allerdings nur vollautomatisch nutzen: Hochfrequenzhandel basiert auf Geschwindigkeitsvorteilen. Voraussetzung ist hoch entwickelte Computertechnik und eine schnelle Datenleitung zur Börse. Um letzteres zu erreichen werden teure Serverkapazitäten oder Serveraufstellplätze in unmittelbarer Nähe zu den Systemen des Börsenbetreibers platziert, um der Orderübermittlung anderer Investoren zuvor zu kommen. Die Dauer einer Orderübermittlung wird inzwischen in Nanosekunden gemessen … das ist der totale „Flash“. Wurden diese Symptome berücksichtigt, als im im Bundestag der Antrag „Medien- und Onlinesucht als Suchtphänomen erforschen, Prävention und Therapien fördern“ vorgelegt wurde? Da heißt es: „Pathologischer Internet- oder Mediengebrauch, eine in der Symptomatik dem pathologischen Spielen vergleichbare Impulskontrollstörung, wird aus allen Staaten berichtet, in denen das Internet genutzt wird und in denen Untersuchungen zu diesem Syndrom stattgefunden haben.“
Wo bleiben also die Schlagzeilen: Die Financial Times Deutschland schätzt den Anteil des Hochfrequenzhandels am gesamten Handelsvolumen in New York auf ca. 70%. An der Deutschen Börse soll der Anteil bereits 40% betragen. Und der Devisenmarkt soll global zu 45% vom Hochfrequenzhandel bestimmt sein. - „Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen, sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“ (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte) Doch sollte nicht gerade, in Fällen exzessiver Sucht, ein von der Gesellschaft nicht zu tolerierender Gebrauch zu einem unerlaubten Gebrauch werden? - Nicht auch Hochfrequenzhandel als ein dysfunktionaler oder pathologischer PC- und Internetgebrauch zu einem eigenen psychopathologischen Störungsbild erklärt werden? - Erkannt werden als ein gefährlicher Gebrauch mit wahrscheinlich schädlichen Folgen? - Weshalb sind Bestrebungen derartige Apps zu verbieten, und die bereits seit dem Flash-Crash seitens der amerikanischen Börsenaufsicht SEC bestehen, nach Information des Instituts für fraktale Börsenanalyse leider noch sehr weit von der Umsetzung entfernt? - Weshalb verhalten sich Börsen mit Informationen sehr intransparent? - Während andererseits gegen eine transparente Kommunikation im Internet immer größere Einschränkungen geplant werden?

Der Begriff Internet-Sucht (internet addiction) soll, angeblich nur als Witz, vom New Yorker Psychiater Ivan Goldberg erfunden worden sein. Doch dieser „Witz“ wurde zum Selbstläufer, und seit die New York Times im Februar 1995 in einem Artikel über die Gefahr der Internetsucht berichtete, mehren sich (meist dysfunktionale) öffentliche und wissenschaftliche Diskussionen. Wir befinden uns mitten in einem transdisziplinären Problem, wo triviale Lösungen wie „Was dem einen eine Eule, ist dem anderen eine Nachtigall“ oder „Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach“ keine Auswege weisen können. Der Weltinformationsgipfel 2003-2005 brachte unter anderem eine Declaration of Principles. Hier ging es auch um eine transkulturelle Moralcharta für eine entstehende digitale Weltinformationsgesellschaft. Der Umgang mit den neuen Möglichkeiten bedarf einer gewissen Gewöhnung bezüglich der Menge an impliziten Wahrscheinlichkeiten. - Gerade auch für jene, die aus einer Aversion gegen offene Kommunikation heraus, diese offene Kommunikation aus Gründen ihres eigenen Suchtverhaltens leichtfertig als pathologisch zu verschreiben suchen. Kann aber ein jugendliches Trial-and-Error in zeitgenössischen sozialen Beziehungen als krankhafter verurteilt werden, als ein eiskaltes, antisoziales Zocken?
In der westlichen Philosophie wurde die wichtige Rolle der Phantasie, bei der Gestaltung unserer Welt, zum ersten Mal und erst um 1780 in Immanuel Kants “Schematismuskapitel” der “Kritik der reinen Vernunft” verschrieben. Der jemals größte gemeinsame Pool an Phantasie steht, in akzeptabler Funktionalität und seit wenigen Jahren, in Form des Internet zur Verfügung. In seinen Funktionen ist es weniger als Suchtmittel zu verteufeln, sondern als ein offenes Medium, das weltweit neue Perspektiven der Therapie offeriert. So wie früher in einem realen Garten, kann hier Information in kommunikativen Gärten global kultiviert werden. Der Austausch von Information wird zu einer gemeinsamen Gestalt-Therapie, ebenso wie gemeinsames musizieren, tanzen etc., und die “social blogs” werden zu Gärten einer globalen Kommunikation. Unkraut kann in diesen transparenten “Kulturen” schnell als solches erkannt werden. Je besser die Gärtner wissen worum es sich eigentlich dreht, kann eine breite Palette von funktionellen und effizienten Apps, die auch den Zufall, Verrücktes, und Ungewohntes in ihr innovatives Konzept von Zukunft involvieren, suchtfrei genutzt werden und unsere kognitiven Dimensionen um weitere Wahrscheinlichkeiten bereichern. Gemeinhin gefährliche Süchte können so auch als dysfunktionale und sogar pathologische Insistenz in Prägungen erkannt werden, die sich aus politischem, religiösem und Ökonomischem Fundamentalismus historisch entwickeln konnten, heute aber ihre Zunkunftsträchtigkeit bereits verloren haben. In dieser virtuellen “Praxis situativer Ästhetik”, können allgemein nachteilige Prägungen expedientell ersetzt werden und durch die intermediative “Eigengeneration in einem kollektiven Prozess” bleibt die perzipientelle Annahme der neuen Programme durch die Patienten gewährleistet. Niemand wäre länger sich selbst und anderen ein Fremder, und eine Frage nach dem „Wer“ des täglichen Daseins wäre antizipiert beantwortet. Es zeichnet sich für mich im voraus, kompatibel mit allen mir bekannten transdisziplinären Erkenntnissen: Nur durch einen globalen Therapiewillen sämtlicher involvierter Intermedianten, können unausweichliche Konflikte bereits im “Vorfeld Internet” kompensiert werden, um in einer Art “negativer Eskalation” alle historisch programmierten Desaster zu verhindern.
In der Ausgabe Nr. 29/30 von 2005 der „Schweizerische Ärztezeitung“ schrieb Dr. med. Thomas Knecht, zuständig für Sucht und Forensik a.d. Psychiatrischen Klinik von Münsterlingen: „Zieht man Bilanz, so kommt man zum Schluss, dass die Vorteile und Nutzanwendungen des neuen Mediums Internet dessen Nachteile und Gefährdungspotentiale auch aus psychiatrischer Sicht deutlich überwiegen. Dies soll uns jedoch nicht dazu verleiten, unsere Augen vor den bekannten Auswüchsen und den zweifellos bestehenden Gefahren zu verschließen. So hielt (z.B.) Leo Sher fest, dass das Internet analog zur Kernspaltung zu friedlichen und schädlichen Zwecken genutzt werde. So könne man es zu Bildungszwecken oder zur Unterstützung Bedürftiger gleichermaßen heranziehen wie zur Promotion von Hass, Gewalt und (Selbst-)Zerstörung. Nicht das Internet an sich sei problematisch, sondern sein Missbrauch.“ - Eine stringente Konklusion, aus der jedoch noch anklingt: Jeder ist der Andere und Keiner er selbst. Das „Man“, mit dem sich die Frage nach dem „Wer“ des täglichen Daseins beantwortet, ist das „Niemand“, dem alles Dasein im „Untereinandersein“ sich je schon ausgeliefert hat ...
Holger E. Dunckel

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