Zweite und dritte Februarwoche
Autopannen, Schlittschuhe, rotbackige Äpfel, Maskenball und Eisenbahn.
10. FebruarIm Auto blinkt immer dringlicher das Service-Lämpchen. Auch der Kofferraumdeckel hält nicht mehr allein oben, hätte mich beim Einladen heute beinahe in zwei gleich große Hälften geteilt. In der Redaktion Übergabe der Peter-Sachen, das wird bitte, ohne ihn. J. holt mich gegen 16 Uhr ab, gleich auf die Autobahn und gleich Stau. Wenn ich abends auftreten muss, macht mich Stau wahnsinnig. Der Erfüllungsstress, schon bei so einer kleinen Sache ist enorm, wie fühlt sich das an, wenn man Hallen ausverkauft und dann der Flieger nicht geht? Schließlich freie Fahrt, über Regensburg tief ins Hinterland. Gegen 18.15 in Amberg, Hotel, schaurig-schön in den Siebzigern stehen geblieben. Kölnisch Wasser in der Luft und Flecken auf dem Tischtuch. Große Eile, hetze noch nach einem Pizzastück für J. und mich, dann zu Fuß ins Luftmuseum, wo die Lesung stattfindet. Eisig, aber die Stadt recht nett. Lesesaal angenehm, auch der Empfang. Am Ende wohl so 50 Zuhörer. Kleine Einführung ins Gesamtwerk durch Lehrer Geiger, dann erst Roman, Pause und danach Hauptsätze und ein Stück vom neuen Ackerbuch. Roman – sehr still, zwischenzeitlich ungutes Gefühl, es würde jemand schnarchen, dadurch seitenlang unkonzentriert. Hauptsätze Slapstick und viel Freude im Publikum. Einiges zu signieren. Mit den Honoratioren danach in großer Runde zum Wirt, Bier, gut dass J. dabei ist, ich bin ja immer ganz leer und erschöpft. Wg. Hunger noch von zwei Mädchen zur einzig geöffneten Versorgungsstation lotsen lassen: Citygrill, Döner. Gegen 1 Uhr im Hotel. Das Zimmer wirklich nah am Seniorenstift.
11. Februar
Starkes Kopfweh, schlechte Nacht. Frühstück mit dem größten Angebot an Kleinstverpackungen, das ich jemals schauen durfte.

Noch zum Metzger um oberpfälzische Würste zu kaufen, die mich aber gar nicht anmachen. Kälte nervt. Queren Niederbayern sozusagen am Rückenmark, Autobahn nach Passau nur Schlagloch. Sorge vor Ankunft im Häuschen und Kälteschäden. Gegen 14 Uhr da und gar nichts. Haus warm, alle Leitungen normal, sogar Heizöl ist noch im Tank, wenn auch eher Reserve. Froh und das liebe Häuschen gelobt, das auch im Winter so trutzig klein einfach dasteht und auf uns wartet. Habe Lektüre vergessen, deswegen in der Ferienhausbibliothek Bolwieser von Graf. So eine Art Traumnovelle aus Niederbayern.
12.Februar-14.Februar
Stille Tage auf dem Land. J. packt mal die Schlittschuhe aus und wir spazierfahren malerisch über den gefrorenen Stausee. Sonst kaum draußen. Schlaf, Ofen einheizen, Kochen und ein paar Filme. Starke Erkältung und deswegen kaum am Schreibtisch. Handful of Dust als Film, sehr schön. Der konservativ Liebende der nichts verändern möchten - eigentlich wie bei der Eiger-Nordwand, nur dass der Brite nach dem Schock natürlich in den Dschungel reist um zu vergessen. Kaum mit den Nachbarn, einmal am Inn ein paar Würfe, aber witzlos bei -8 Grad. Am Nachmittag wollen wir eigentlich wieder in die Stadt, sind aber zu verliebt in den perfekt bollernden Ofen und bleiben doch noch über Nacht.
15. Februar
Fehlentscheidung, Schneewalze, Radio spricht von dramatischer Verkehrslage in Niederbayern. Super. Über Nacht zehn Zentimeter Neuschnee und wir müssen los. Immer noch krank, Nachbarn schütteln Köpfe als ich das Auto räume, schenken aber trotzdem kleine rotbackige Winteräpfel. Straßen recht passabel, allerdings dann am Autobahnende Schock: Scheibenwischer fliegt davon. Immer passiert so was, immer Autopech. Im Blindflug angehalten. Habe per Zufall den alten Scheibenwischer noch im Kofferraum, der auch schon Probleme gemacht hat, kriege ihn aber nicht montiert. Suchfahrt durch Schneelandschaft nach Tankstelle vergeblich, Stress. Dann doch den alten Wischer fest bekommen, Rettung. Erleichtert weiter, aber doch zu spät in der Konferenz. Mühsam, das Durcheinander überall zu lichten. J. auch krank. In wüstem Schneetreiben heimgerutscht, wo Mama und Schwester zum Essen angetreten sind. Keine Freude mit zwei total verschnupften Gastgebern. Kämpfen uns wacker durch, J. hat gekocht und noch Cupcakes gemacht, sehr sportlich. Gegen zehn wieder allein, wir fallen regelerecht auseinander. Trübe Tage.
16. Februar
Wäre es nicht spannender in einem Tagebuch die Dinge zu notieren, die man jeden Tag nicht gemacht hat, statt das wenige, was man gemacht hat, diese immergleichen Abfolgen?
Busfahrer trinkt Milch aus der Tüte und hat ein eigenes Tuch für den Schnauzbart danach. Viel zu schreiben in der Redaktion, dazu Tagesdienst. Schönes Interview mit Forssman, der beeindruckend konzentriert und so herrlich geistig-fachlich. Ich muss diese Menschen sammeln. Neidisch auf Kracht, der immer alles richtig macht. Abends Betriebsfeier sueddeutsche.de in einer Beachvolley-Halle! Komme wegen TD zu spät, was gut ist, da mir Gag-Sportspiele erspart bleiben. Barfuss im Sand, how very odd. Essen, Kollegen, Geplauder vor TribalSound. Gedacht: Das muss bald anders werden. Immer noch krank, deswegen Taxi, so ungefähr die längste Strecke die man innerhalb des Rings fahren kann. J. sehr krank und trotzdem allerliebst. 17. Februar Immer noch Kopfgefühl wie Vakuum, keine Stimme, alles taub. Alles stapelt sich. Aber ein paar Lichtblicke, paar Zuschriften, Zusagen. Seit langer Zeit mal wieder die Printseite gemacht, ab jetzt jeden Freitag. Heizöl bestellt, wieder 800 Euro weg. Für J. eine Suppe gekocht, Rucksack gepackt für morgen. Exorbitanter Zellstoffverbrauch.
18. Februar
Sieben raus und zur BOB, in der schon PW, KB; NW und ML sitzen. Nette Runde, schöne Fahrt in den meterhohen Schnee. Schleppe Skischuhe. Mit Bus zur Stümpflingbahn und ach: Skiverleih überfüllt. Es dauert so etwa eine Stunde, bis wir alle unse Sachen beisammen haben. Immerhin Sonne. Kleines Skigebiet, aber breite Pisten. Nach zwei Jahren wieder auf Ski, geht schon. Fröhliches Fahren, Mittagspause in der Sonne, danach wacklig. Sehr angenehm: Einfach um drei aufzuhören, hätte man mit 20 nicht gemacht. So aber easy vor der großen Rückwelle in die Bahn und bumsfidel zurück. J. hat gekocht, würde danach gerne bei ihr bleiben, muss aber noch zum Fest von IS. das ich die letzten vier Jahre schon nicht geschafft habe. Diesmal: Maskenball. Hmpf. J. hat mir eine Papiermaske gekauft. Unsichere Etikette: Trägt man nur Maske und dazu einfach Anzug? Oder auch noch Kostüm? Entscheide ersteres, Straßenbahn, müder Körper. Gegen 22 Uhr bei IS, der natürlich ganz in weiß mit Amadeus-Zopf und venezianischer Maske. Hm. Die anderen indifferent verkleidet, von gar nicht bis total. Bleibe eisern unter der Maske, weil interessant: Durch die starren Augen guckt man ganz anders und die anderen fühlen sich seltsam beobachtet. Außerdem kenne ich niemanden und stehe so stumm mit der Maske, manchmal zehn Minuten. Aufgerissene Gesprächspartner unergiebig: alles Lehrer. Alles versickert. Geht anderen das auch so? Ich war diesmal wirklich bemüht. Je voller es wird, desto isolierter, weil jeder doch noch einen anderen kennt. Fad. Unglücklich schließlich im Affekt gegangen. Wäre ich Daheim geblieben.
19. Februar
Froh über diesen freien Sonntag, der nichts will. Außer natürlich das ewige Unglück mit der Geschichte, die mich nie zum weiterschreiben reizt. Diese hartnäckige Erkältung, oder wieder von vorne? Schön: Schneegriesel draußen. Kaum richtig aufgestanden.
20. Februar
Hoher Himmel und ein Grad. Allerlei geschrieben.
- 26.05.2012, nachtrag vor 5 Std.
- 26.05.2012 vor 5 Std.
- 25.05.2012 vor 6 Std.
- 24.05.2012 - rückwärts erzählt 24.05.2012
- Wochenschau 24.05.2012
(die Beachvolleyball Halle riecht komisch, nicht?)








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21.02.2012 - 20:15 Uhr
MsAufziehvogel