21.02.2012 - 01:19 Uhr

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Toller Tag, toller Morgen.

Text: JuergenB






 

 

Toller Tag, toller morgen.
Seit Stunden weckt mich das beschissene Gezwitscher
der Vögel, die sich an meinem
Fenster eingenistet haben, auf.

„Haltet endlich die Schnauze!!!“ schreie ich durch das gekippte Fenster
während ich mich aufrichte um durch selbiges hindurch zu sehen.
Unten im Garten, stehen zwei Nachbarn von mir, die sich gerade unterhalten
und starren mit einer bösen Mine direkt zu meinem Fenster.
Erklärend zeige ich mit einem Fingerdeut nach oben und visiere damit die Vögel an.
Der eine ballt drohend seine Faust in den Himmel, während der andere
irgendetwas, was ich um diese Uhrzeit noch nicht verstehen will,
in meine Richtung brüllt.
Ja ja, leckt mich doch am Arsch, denke ich mir, und schliesse das Fenster.

 

Also gleich mal nach draussen und in den nächsten Supermarkt um Frühstück
einzukaufen.
Nein, bitte nicht die. Jede, nur nicht sie!
Meine Lieblings Wurstsemmel Verkäuferin grinst mich dumm an.
Die redet und redet und redet, als wäre sie eine Nachrichtensprecherin.
Nur dass sie immer von einem Sack Reis berichtet der umgefallen ist,
anstatt brisante News von sich zu geben.

"Guten Morgen, Wieviel Wurst darf denn rein?
Vielleicht noch Gurken?
Wieviele denn?eins? Zwei?
Schönes Wetter haben wir heute! Gestern wars ja nicht so schön!
Dafür aber vorgestern!

Und und und..

Genervt verdrehe ich meine Augen und strecke die Hand aus bevor sie überhaupt mit der Zurichtung fertig ist, damit sie mir endlich das Scheiss Teil geben kann und ich von dieser grauenhaften Stimme erlöst werde.

"Haben Sie Probleme mit den Augen?Da müssen Sie zum Augenarzt.
Die Cousine meiner Tante hatte das auch.
Die wollten auch nicht zum Arzt gehen.
Glück gehabt dass ich sie überredet habe.
Sonst wär das alles nur schlimmer geworden.

Überredet? Überredet, nennt die das!
Wahrscheinlich wollte die gegen einen Baum fahren um dieser Folter zu entkommen und ist im Krankenhaus gelandet, wo man dann zufällig auch ihre Augen untersucht hat.

"Ja, so ist das. Man weiss ja nie. Nein man kann es nie wissen.

Gib mir endlich das Scheiss Ding und halt mal deine verfluchte Schnauze
du fette dumme Masochistin, denke ich mir während ich mich anstrenge, dass
meine zusammen gefletschten Zähne nicht durch mein angestrengtes lächeln blitzen.
Endlich, endlich, habe ich es.

So, was brauche ich noch?
Ach ja, Duschgel.
Also zurück in den Gang mit den Pflegeprodukten.
Mal schauen, welches nehme ich?
Die besondere Pflege für den Mann mit dem Extra Peeling Effekt
oder doch lieber das Antiaging Produkt mit dem man sofort
10 Jahre jünger aussieht?
Aha, 10 Jahre jünger also.
Was passiert denn wenn das ein 9 jähriger benutzt?
Sieht man ihn dann gar nicht mehr?
Oder womöglich erst wieder in einem Jahr?
Der würde dann ja aussehen wie minus ein Jahr.
Gefährlich, gefährlich sowas hier einfach unabgeschlossen rum stehen zu lassen.
Will gar nicht wissen, wieviele Kinder hier schon spurlos verschwunden sind.
Langsam folgen meine Augen dem kleinen Jungen der gerade mit seiner Mutter, Hand in Hand,
an mir vorbei geht.
Mit einem merkwürdigen Blick sehen wir uns beide an.
Mysteriös!

Ich entscheide mich für ein, zwei in eins Paket, mit dem ich duschen kann
und jetzt kommts, die grosse Sensation, sogar meine Haare waschen kann,
die danach den Extra Glanz erhalten.
Yeah, den Extraglanz.
Nur noch besser ist der Duft der mit der 480A Formel entwickelt wurde
was ein ganz spezielles Verfahren ist, so verrät es die Verpackung.
Normalerweise halte ich mich ja zurück, doch ich kann nicht anders
und frage die Verkäuferin die gerade neben mir ein Regal einräumt.

„Entschuldigen Sie bitte, ich hätte kurz eine Frage!
Dieses Duschgel ist ja ein, Zwei in eins, Paket.
Also Duschgel und Haarwaschmittel gleichzeitig.“

Verwundert bejaht die Verkäuferin.

„Duften denn jetzt auch die beiden kombinierten unterschhiedlichen
Waschmittel denn auch verschieden?
Ich mein, es ist ja schliesslich für die Haare und für den Körper,
dann müssten die doch auch unterschiedlich riechen, oder?

Nur zögerlich gibt sie eine Antwort und greift in das Regal.

„Ähmm, ja hier haben wir noch eins mit einem anderen Duft.“

Ok sie hat die Pointe nicht kapiert. Egal.
Weiter geht’s zur Kasse, wieder vorbei an der Wursttheke,
wo ich sofort im Hintergrund wieder diese Stimme wahrnehme.

!Na, schönes Wetter haben wir heute, Gestern wars ja nicht so schön.!

Der kleine von vorhin, tut mir leid, denke ich mir, während er sich ängstlich
an den Fuss seiner Mutter klammert, die sich das Gesülze von
Frau Plappermaul anhören muss.
Haha!
Die hat nen Zettel in der Hand mit einer langen Liste, was sie alles
an der Wursttheke braucht.
Viel Spass.
Nur der kleine tut mir irgendwie leid.
Hatte er vorhin doch noch so ein grosses Glück,
nicht für Jahre spurlos zu verschwinden,
muss er sich nun diese grauenhafte Stimme anhören,
die wahrscheinlich ein lebenslanges Trauma in ihm
auslösen wird.

Nein bitte nicht.
Vor mir bildet sich eine grosse Warteschlange.
Wie ich Warteschlangen hasse.
Das kommt einem wie eine Ewigkeit vor.
Bitte macht schnell!
Hektisch zieht die Kassiererin die einzelnen Produkte
über das Lesegerät.
Beeilt euch doch endlich.
Ausgerechnet vor mir muss Mister Weichei stehen der
gerade mit seiner Liebsten Telefoniert.

„Ja; Schatzi, ich dich auch.
Ok, Schatzi,
Bussi, Bussi.“
und schmatzt in den Hörer, während ihm seine
blondierten Strähnen ins Gesicht hängen.

Jetzt muss die Kassiererin auch noch aufstehen,
weil bei irgendeinem Scheiss Produkt kein Preis vermerkt ist
und sie erst im Regal, nach diesem sehen muss.

„Mei du arme du, ja ich bin eh gleich zuhause,
Göö Schatzi, ja“

Ja Göö Schatzi, meine Eier liegen irgendwo
auf dem Nachttisch.
Göö!!
Endlich kommt die Kassiererin wieder.
Nur noch ein Kunde vor mir und Barbie.
Barbie kramt bereits in seiner Hosentasche nach seiner
Geldbörse.

"24, Euro und 50 Cent, bitte."

Direkt vor mir öffnet er seine Geldbörse in der
mehrere 20er und 5 er Scheine hervor blitzen.

„Ich muss das Kleingeld mal loswerden,“ grinst er dumm.

Ja klar, musst du unbedingt das Kleingeld loswerden, wenn ausgerechnet
ich hinter dir stehe!
Vielleicht erzählst du ihr gleich deine ganze Lebensgeschichte.
Ich habs ja nicht eilig.

„Sehr gut, dass kann ich immer brauchen“

Ja sehr gut, wenn nicht sogar super sehr gut!
Und ich kann noch länger warten.
Akribisch sucht er sein Kleingeldfach ab, wie ein Detektiv
der jedes Detail durchleuchtet.
Gib ihr doch endlich den Scheiss 5 er Schein bevor du mit 48
Münzen zahlst.
Dein Schatzi wartet ja schon auf dich
damit ihr Murmeln spielen könnt.
Göö!!
Genervt stehe ich da, mit dem Wurstsemmel,
das ich mir hart erkämpft habe und
dem Super Duschgel,welches mit
der neuesten Technologie entwickelt worden ist,
während der Idiot so lange herumstöbert,
als wolle er verborgene Welten in
seiner Geldbörse finden wollen.
Und noch immer blitzen mehrere 5 er Scheine hervor.
Jetzt muss die Kassiererin natürlich erstmal
den Haufen Kleingeld in ihrer Hand abzählen.
Obwohl sie nur mit einer Mundbewegung signalisiert,
dass sie in Gedanken mitzählt,
kann ich sie beinahe hören.
40, 80, 1,40, 1,45

 

Sofort fällt mir der Werbeslogan des Supermarktes ein,
denn sie gelegentlich zwischen den Produktwerbungen einspielen.

„Kommen sie zu uns einkaufen!!
Hier macht einkaufen noch Spaaaasssss!!“

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