14.02.2012 - 22:07 Uhr

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buch teil 5

Text: JuergenB





 

 

Ok ich muss mich jetzt zusammen reissen.
Es gibt für alles eine Erklärung.
Angefangen hat alles mit diesem Anruf.
Kurz danach, der Eindringling in meine Wohnung, welcher dann doch keiner war.
Dorianes Geschichte, mit dem Mann an meinem Fenster.
Sie war die einzige die es bewerkstelligen hätte können, an meine Tür zu kommen um sofort unbemerkt wieder zu verschwinden.
Wenn sie dahinter steckt, dann ist auch die Geschichte, mit dem Mann an meinem Fenster nur erfunden.Wären zwei Teile des Puzzles ineinander gefügt.
Der Anrufer der von meinem Traum weiss.
Nur Dr. Spaemann wusste zum damaligen Zeitpunkt davon.
Davon kann Doriane nichts gewusst haben.
Oder muss ich dieses Ereigniss unabhängig von den anderen betrachten?

Vielleicht hat das eine, nichts mit dem anderen zu tun.
Dummer Zufall?
Dr. Spaemann hat dieses Anruf inszeniert, aus welchem Grund auch immer.
Zufällig, unmittelbar darauf, spielt mir Doriane diesen Streich.
Als sie gemerkt hat wie mitgenommen ich deshalb war, legte sie noch mehr Holz ins Feuer und hat die Geschichte mit dem Mann am Fenster erfunden.

Aber Moment!

Woher hatte der Anrufer dann Dorianes Nummer?
Von Doriane weiss Dr.Spaemann nichts!
Und Doriane wusste nichts von meinem Traum.
Es würde nur Sinn ergeben, wenn beide unter einer Decke stecken.
Damit hätte ich zwar alle Puzzleteile zusammen gesteckt, das fertige Bild würde aber eher nach einem Hund mit drei Beinen aussehen, dessen Schwanz aus seinem Kopf ragt.
Wie man es auch dreht und wendet, es ergibt keinen Sinn.

Der Regen knallt gnadenlos an meine Windschutzscheibe, während die Scheibenwischer einen verzweifelten Kampf um den Sieg führen.
Umso weiter ich in die Ferne starre desto langsamer scheinen die Regentropfen zu fallen, welche durch mein Scheinwerferlicht reflektiert werden.
Beinahe schon in Zeitlupe rasseln sie auf die nasse Fahrbahn und vermengen sich zu einer
Wasserfontäne die durch den Druck meiner Reifen in alle Richtungen spritzt.
Es sind die selben Regentropfen die pfeilschnell auf meine Windschutzscheiben knallen.
Und es sind die selben Regentropfen die man beinahe schon dabei beobachten kann wie sie, wie eine Feder im Wind, hinunter gleiten.
Es reicht nur ein Augenblick um die Perspektive zu wechseln und plötzlich sieht man das selbe, völlig anders.

Es ist ein und derselbe Regen.

Ich entscheide wie ich ihn sehe.
Irgendwie ist es wie mit den Menschen.
Man braucht eine Ewigkeit, um jemandem positiv zu betrachten, doch es reicht ein kleiner Augenblick um dieses Bild in ein Negativ Format zu ändern.
Und jeder weiss wie Negativbilder aussehen.
Man muss sie erst gegen ein Licht halten, damit man sie überhaupt erkennen kann.
Doch ganz egal wie stark dieses Licht ist, das Bild bleibt farblos.
Immerhin ist es ja nur ein Abzug des eigentlichen Bildes.
Ja, wir alle sind eigentlich nur Negativbilder.
Und erst durch andere Menschen kann es sich zu einem farbenfrohen Gesamtbild entwickeln.
Natürlich kann die Farbe wieder verblassen.
Meistens langsam, schleichend, bis wir nur noch grau und schwarz Töne vom Bild in unserem Kopf erkennen können.
Jeder Mensch hat ein anderes Bild, von jedem Menschen.
Egal wie gut wir jemanden glauben zu kennen, wir kennen ihn nur aus unserer Perspektive.
Und je nach Betrachtungswinkel schillert dieses Bild wie ein Regenbogen der sich in einem See spiegelt oder wirkt grau und leblos wie die Bilder meiner Grossmutter aus ihrer Jugendzeit auf der Vitrine ihres Wohnzimmers.
Bedeutet das nicht automatisch, dass wir immer alleine sind?
Zwangsläufig mit jeder Begegnung eines anderen Menschen
knallen verschiedene Interessen aneinander.
So wie der Regen an meine Windschutzscheibe.
Von der Entfernung ausgesehen wirkt er wunderschön, wie ein Meisterwerk, in dem man sich verlieren kann.
Doch aus der Nähe wirkt er bedrohlich und nur die Scheibenwischer verhindern, dass er mir die Sicht versperrt und nur deshalb kann ich den Weg erkennen.
Ich müsste durch den Regen hindurch sehen können um trotzdem den Weg zu erkennen.

Ja, ich müsste hindurch sehen können!

Dann würde ich trotz der Nähe die ganze Schönheit des fallenden Regens bewundern können und der Weg wäre klar und deutlich zu erkennen.
Ich würde gemeinsam mit dem Regen, trotz seiner widersprüchlichen Erscheinungsform, an das sichere Ziel fahren.

Es ist ja noch immer der selbe Regen, bestehend aus lauter einzelnen Regentropfen die völlig verschieden wirken können.
Ohne jeden einzelnen Regentropfen würde der Regen gar nicht existieren.
Gibt es einen Menschen durch den ich hindurch sehen kann und er durch mich?
Diese Dinge beschäftigen mich erst seit dieser Traum ein Kraterloch in mein Inneres gesprengt hat.
Als hätte er mir das wesentliche gezeigt, auf was es wircklich ankommt im Leben.
Wobei ich mir nicht sicher bin ob ich nicht lieber darauf hätte verzichten können.
Verdammt was hat das alles nur zu bedeuten?
Und wo ist sie nur?

 

„Wo bist du verdammt?“

 

Das selbe wird sich auch Dr.Spaemann gerade denken.
Etwas verspätet betrete ich die Praxis.

Nach den üblichen Begrüssungsfloskeln sitzt er wieder in seinem Sessel.
Seine verschränkten Füsse und seine ruhige Miene deuten auf nichts ungewönliches hin.

Er verhält sich wie immer.

Doch ihm ist aufgefallen, dass mich heute etwas bedrückt, was mehr als nur mit diesem Traum zu tun hat.

„Haben Sie schon jemals daran gedacht aufzugeben?“ sagt er

 

Ich überlege kurz.

 

„Was meinen Sie mit aufgeben?“

 

„Naja sehen Sie, Sie kämpfen einen Kampf den sie scheinbar nicht gewinnen können und ganz egal was Ihnen auch passiert, Sie halten sich fest und machen weiter.

Klammern sich an diesen Traum, wie an einen Strohhalm.

Es könnte doch sein, dass dieser Traum Ihr Rettungsanker ist.

Ihr einziger Fels in der Brandung an dem Sie sich gelegentlich festhalten, damit Sie nicht ertrinken.“

 

Ich verstehe was er damit meint.

Meine Probleme liegen also ganz woanders und dieser Traum ist sozusagen meine selbst erschaffene Hoffnung ohne den ich dieses Leben nicht überstehen könnte.

Dr.Spaemann merkt, dass er mich damit zum überlegen gezwungen hat.

 

„Aufgeben ist keine Option!

Niemals!

Wie soll das denn aussehen?

Aufgeben?

Was würde dann noch bleiben?“

 

„Man kann auch leben ohne einen ständigen Kampf führen zu müssen.
Man sieht dann vielleicht Dinge die einem davor verborgen blieben.
Man lernt Menschen vielleicht anders kennen und ist aufgeschlossener für deren Fehler und Eigenheiten.
Man sieht sie nicht mehr so monoton, wie Sie sie sehen.
Man kann auch einmal schwach sein.“

 

„Ja, und dann jagen sie einem ein Messer in den Rücken.
Dann liege ich wehrlos auf dem Boden und trinke von meinem eigenen Blut.“

 

„Aber ist das Leben denn noch lebenswert, wenn man niemandem vertaut und niemanden zu nahe an sich ranlässt?“

 

„Hmm, Vertrauen.
Wie soll ich jemandem vertrauen wenn ich doch die Menschen kenne?
Kein Mensch hält bedingungslos zu einem anderen.
Es ist doch alles nur ein Scheiss Spiel, ja ein scheiss verdammtes Spiel.
Genau wie das Leben selbst, es gibt keinen Gewinner.
Beziehungen sind wie Aktienmärkte.
Einmal steht man hoch im Kurs, bis die Quoten wieder tief in den Keller rasseln.
Ja in den Keller.
Dort kann man dann gleich sein Quartier aufschlagen und für immer bleiben“

 

„Sie könnten aber auch die Treppen hochgehen und die Tür wieder öffnen“ sagt er

 

„Und was bringt mir das verdammt?
Um das gleiche Spiel von vorne zu beginnen?“

 

„Um bei diesem Wortspiel zu bleiben!
Es gibt eine Menge Menschen die durch den Aktienhandel reich geworden sind.
Sie haben im richtigen Moment auf die richtigen Aktien gesetzt und im ebenso richtigen Moment wieder verkauft.
Sie haben also ihre Investition voll ausgenutzt und als sie merkten dass der Kurs schwankt, sich von ihrer Investition getrennt und sind somit nicht in den Keller gewandert.“

 

Was für ein Blödsinn, denke ich mir.
Wie kann man nur so einen derartigen Blödsinn erzählen!?

 

„Wissen Sie eigentlich was Sie da selbst reden?
Wissen Sie eigentlich, dass es laut Ihrer Aussage überhaupt keine Liebe geben kann?
Raten Sie mir gerade ernsthaft, ich solle andere Menschen nur ausnützen und mir von ihnen nehmen was ich gerade brauche um sie dann wie ein wertloses Papier wieder weg zuschmeissen, sobald sie mir nichts mehr nützen?

 

Dr.Spaemann lächelt und wirkt doch zugleich ernst.

 

„Nein, ich rate Ihnen dazu sich nicht mit aller Kraft an etwas zu klammern,
was keinen Sinn mehr hat und zu erkennen, dass sie in die falsche Sache investiert haben.
Das heisst aber noch lange nicht, dass sie nichts gutes aus dieser Investition mitnehmen können.
Sie geben nur etwas auf, bevor es Sie zerstört.
Und Sie würden erkennen, dass es noch genug andere Aktien gibt in die es sich lohnt zu investieren und vielleicht einen Glückstreffer landen und die Aktie trotz diverser Marktschwankungen, beständig hält und weiter wächst.
Das Risiko am Aktienmarkt besteht ja darin, dass es keine Garantien gibt auch wenn der Kurs vielversprechend aussieht.
Und mit dieser Gewissheit müssen Sie lernen zu leben.
Alles kann vergänglich sein.
Und trotzdem kann man dabei gewinnen.“

 

Nachdenklich beisse ich mir in den Finger.
Irgendwie hat er ja recht.
Aber irgendwie auch nicht.
Liebe mit etwas wie Aktienmärkten zu vergleichen ist mir zuwider.
Und doch kann ich ihm deshalb keinen Vorwurf machen, habe ich doch selbst
dieses Gedankenspiel in den Raum geworfen.
Natürlich weiss ich was er im Grunde genommen damit ausdrücken will.
Ich investiere in die falsche Sache ohne es zu erkennen.
Ich jage einen Traum.
Wie verrückt das ist.

 

„Und was passiert wenn man nie diesen Glückstreffer landen wird?
Oder noch schlimmer.
Wenn man die beste Aktie der Welt gefunden hat, mein Vermögen jedoch nicht ausreicht um die Aktienmehrheit zu erlangen.
Immerhin muss ich als Investor ja die Mehrheit für mich beanspruchen können, damit mir die Firma
sozusagen gehört, falls sie verstehen was ich damit meine.“

 

Dr. Spaemann lacht.

Einer der seltenen Momente in denen ich Ihn lachen sehe.

 

 

 

„Sie überraschen mich immer wieder!
Sie könnten den Gedanken nicht ertragen, dass Ihnen jemand ihre Aktie vor der Nase wegschnappt!
Ich denke ohnehin dass es keine beständigen Aktien gibt.
In der Hand des einen wächst sie kontinuierlich während sie in der Hand des anderen irgendwann ein wertloses Stück Papier ist.“

 

„Ja genau, ein wertloses Stück Papier welches man einfach in den Papierkorb wirft.
Abfall der nichts wert ist und das nur weil es sich in den falschen Händen befunden hat.
Verstehen Sie jetzt warum ich so denke?“

 

Beide blicken wir auf den Papierkorb neben dem Bücherregal, welcher mit zerknüllten Papierkugeln befüllt ist.
Dr.Spaemann richtet sich auf und beugt sich über den Papierkorb und greift hinein, um mir eines davon zu zu schmeissen.
Es landet direkt vor meinen Füssen.

 

„Hier, Sie müssen es nur aufheben.“ sagt er

 

Zögerlich nehme ich das zerknütterte Stück in meine Hand und entfalte es, damit es wieder ihre Ursprungsform erlangt.

 

„Es ist aber zerknittert!“ sage ich.

 

„Ja, aber es ist ihr Stück Papier.
Legen Sie es in ein Buch.
Es wird zwar nie wieder wie davor sein, aber die Falten werden mit der Zeit nur noch ein blasser Abdruck der Vergangenheit sein.
Und gerade das einzigartige Muster, die Linien, die niemals wieder in der exact selben Form auf dieser Welt erscheinen werden, machen es doch so einzigartig.
Es ist Ihr Blatt.
Sie machen es zu etwas besonderem.“

 

„Ich geh lieber mit dem Bügeleisen drüber, das geht schneller“ antworte ich ihm.

 

An meinem Gesichtsausdruck kann er erkennen, dass diese Aussage nicht ganz ernst gemeint war.

 

„Dann passen Sie aber auf, dass Sie es nicht verbrennen.“

 

Obwohl wir in einer ungezwungenen Atmosphäre diskutieren, achte ich trotz allem auf jede Kleinigkeit im Verhalten Dr.Spaemanns.

Mir ist durchaus bewusst wie schwer es werden wird, stichhaltige Ansatzpunkte zu finden die ihn verraten werden.

Er ist immerhin nicht irgendwer.

Sollte er etwas mit dem ganzen zu tun haben, wird er versuchen seine Schuld hinter einem Schleier der Normalität zu verbergen.

Bei den meisten Menschen ist es so einfach den Schleier zu lüften.

Ihm muss ich ihn heimtüksich mit Gewalt vom Gesicht runter reissen und dann wäre ich mir nicht sicher ob das was sich darunter befindet nicht nur ein weiterer Schleier seiner Facettenreichen Persönlichkeit ist die mir nur eine weitere Simphony der Täuschung vorspielt.

 

„Ich würde jetzt aber gerne zu einem Thema zurück kommen, welches wir noch immer nicht ganz geklärt haben.
Ich weiss wie ungern Sie darüber reden.
Dennoch denke ich,dass wir gerade deshalb darüber reden müssen.“

 

Ich wusste bereits bei seinem ersten Satz auf was er anspielte.
Er meint den Tag als ich das erste mal diesen Traum hatte.
Ich weiche diesem Thema nur zu gerne aus.
Schliesslich hat dieser Tag mein ganzes Leben verändert und mich in ein tiefes Loch geworfen, wie in einen Brunnen, in dem ich gefangen bin und durch dessen glitschige Wände es kein Entkommen gibt.
Seit diesem Tag, ist alles anders.
Ausserdem wüsste ich nicht wie es mir helfen könnte.
Aber na gut.

 

„Beschreiben Sie mir jede Einzelheit.
Erzählen Sie mir alles an was Sie sich erinerrn können.
Wircklich alles.
Jedes Detail, jedes Geräusch!“

 

„Ich befinde mich auf einer Party.
Einer meiner damaligen Geschäftspartner hat sie organisiert zur Feier eines wichtigen Vertragsabschlusses, von dem sowohl meine Firma als auch andere profitierten.

Ich betrete den grossen Saal.

Die Dame am Empfang reicht mir ein Glas Champagner.
Ihr perfekt sitzendes schwarzes Kostüm, passt zum restlichen Ambiente.
Ein Knopf ihres weissen Hemdes war geöffnet.
Der Champagner in meinem Glas sprudelte in alle Richtungen.
Ich trank einen Schluck und die Kohlensäure legte sich zusammen mit dem bitteren Geschmack des Champagners hinter meinem Gaumen fest.
Zwischen dem mächtig wirkenden Kronleuchter an der Decke und dem roten Teppich am Boden, befindet sich Jack mein Geschäftspartner, umringt von anderen Anzugträgern aus der Branche.
Viele Leute sehe ich hier zum ersten mal.

Die meisten sind mir unbekannt.
Jack winkt mir zu.
Er hat schon auf mich gewartet.
Er hat den ganzen Deal eingefädelt und ist heute eindeutig der Mann der Stunde.
Das ist sein Moment auf den er solange hin gearbeitet hat.
Und ich vergönne ihn ihm.
Nach dem er mir die ganze Schar die sich um ihn versammelt hat, vorstellte, legte er seinen Arm um mich und sagte: Wir müssen kurz reden, wir müssen noch etwas wichtiges besprechen“
Er führte mich an die Bar in eine stille Ecke an der nur der Kellner mit der roten Fliege kurz auftauchte um uns einen doppelten Whisky zu bringen.
Das wird uns beide in Schwung bringen, merkte er an, bevor wir den Whisky mit einem Schluck hinunter spülten.

„Haha, dein Gesichtsausdruck ist unbezahlbar mein Freund.“ sagt er

Mit zwei ausgestreckten Fingern deutet er auf den Kellner, der sofort reagierte und die richtige Whiskyflasche aus dem grossen Alkoholsortiment auswählte.
Freundschaftlich klopfte er mir auf die Schulter.

„Hör mir jetzt gut zu mein Freund.
Ich muss dir etwas sagen, es wird dir aber nicht gefallen“

Zuerst dachte ich daran es würde sich um etwas geschätfliches handeln.
Meine Frage verneinte er aber sofort und versicherte mir:

„Nein, nein, da gibt es überhaupt keine Probleme.
Es handelt sich um etwas völlig anderes.“

Mit einem einzigen Schluck leerte er auch das zweite Glas.
Ich trank nur zögerlich.

Irgendwie war er komisch und ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen was mich jetzt erwartet.
Auch Jack schien sich nicht wohl zu fühlen und schielte nur gelegentlich in meine Richtung als wolle er den Blickkontakt vermeiden, was eigentlich so gar nicht seine Art war, strotze er doch eigentlich nur so vor Selbstbewusstsein und lag es in der Natur seiner Art jemanden direkt in die Augen zu sehen.
Er atmete tief ein und aus.

„Also, es geht um........“

 

Leer starre ich den Raum.

„Und wie geht es weiter?“ fragt Dr. Spaemann.
„Ich muss jetzt los. antworte ich
Ich muss noch dieses Blatt Papier in ein Buch legen“

„Wenn Sie sich Ihrer Vergangenheit nicht stellen, werden Sie nie weiter kommen“
„Und wenn ich dieses Blatt Papier nicht in ein Buch lege, wird es weiterhin zerknüllt bleiben.“

 

Mein Handy liegt wie besprochen in meinem Postfach.
Terry weiss hoffentlich was er macht.
Wie immer quäle ich mich durch das Fernsehprogramm, bis ich schliesslich bei irgendeinem bescheuerten Liebesfilm stoppe.

 

„Wir leben in verschiedenen Welten Marc.
Auch wenn ich dich liebe, wir können nicht zusammen sein“

 

Herzzereissend sieht er sie an.
Oh mann, wie ich solche Filme hasse.
Solche Filme bestehen aus mehr Scheisse als der Nachbarshund je kacken könnte.
In verschiedenen Welten leben die beiden also.
Aber sie lieben sich.
Aha!
Klingt ja ganz logisch.
Also ich lebe auf dieser Welt.
Wo sie wohl leben wird?
Man Marc, jetzt fang nicht auch noch zu heulen an.
Ist es nicht schon schlimm genug überhaupt deine Zeit mit ihr verschwendet zu haben?!
Schick sie in die Hölle zu ihren Verwandten.

 

„Ich werde immer an dich denken Kathrin, immer!
Wenn du zu den Sternen siehst, wirst du mich sehen“

 

Mir wird übel.
Ich dachte sie ist dumm.
Doch Marc hat eindeutig einen gewaltigen Vorsprung.
Wenn du zu den Sternen siehst...
Ach du Scheisse.

 

„Ach Marc, warum ist alles nur so schwer.
Warum können wir nicht in einer Welt leben
in der wir zusammen sein können?“

 

Jetzt ist die noch immer nicht bei ihren Verwandten!
Marc, hör endlich zum heulen auf!
Greif dir lieber in den Schritt ob du dort vielleicht noch was findest,
anstatt dir deine Tränen vom Gesicht zu wischen.

Noch immer frage ich mich.
In welcher Welt leben die beiden nur?
Ja, in welcher nur?
Die reden dauernd irgend etwas von Welten.
Jetzt umarmen die sich auch noch und heulen.

 

„Ich liebe dich Kathrin.“
„Ich liebe dich auch Marc“

 

Wo ist der nächste Eimer.!?

 

„Es hat einfach nicht sein sollen.
Es war nicht der richtige Zeitpunkt, Marc.“

 

Marc, wenn du sie nicht bald mit einer Axt erschlägst,
dann muss ich meinen Fernseher zertrümmern.
Es war nicht der richtige Zeitpunkt, aber sie lieben sich.
Sie leben beide auf der Erde aber leben in verschiedenen Welten.
Wann ist dann der richtige Zeitpunkt?
Wenn ihr beide tot seid?
Macht euch doch gleich ein rotes Kreuz in eurem Terminkalender.
Vielleicht mit der Anmerkung;Kathrin lieben, oder so ähnlich.
Oder: der passende Zeitpunkt für die wahre Liebe, 14:30.

 

„Ich weiss Kathrin, ja ich weiss.
Du bist noch nicht bereit dafür und willst noch so vieles erleben.
Ich würd dir nur im Weg stehen“

 

Tränen übergossen sieht sie ihn nickend an.
Was haben die Menschen nur für eine kranke Vorstellung von Liebe?
Sehen sich andere Menschen tatsächlich so einen Schrott an,
ohne ihn kritisch zu hinterfragen?
Seit wann heisst lieben auf etwas zu verzichten?
Bei den beiden hört es sich beinahe so an, als würden sie in einem
Gefängniss sitzen, wenn sie sich nicht trennen würden.
Normalerweise müssten sich zwei solche Menschen gegenseitig helfen
ihre Träume zu verwircklichen.
Liebe heisst doch eigentlich Freiheit.
Warum verbinden Menschen diese beiden Begriffe nicht miteinander, sondern
trennen sie immer in zwei Gegensätze?

Wenn ich einen Menschen liebe, dann hat dieser Mensch doch jede Freiheit die er will.
Wie sonst könnte man von Liebe sprechen?
Oder Verpflichtung!
Selbst dieses Wort taucht im selben Atemzug mit Liebe auf.
Entweder die beiden sind wahre Masochisten, was erklären würde warum sie sich
gegenseitig derartigen Schmerz zufügen, oder die beiden verbindet nicht einmal im Ansatz so etwas wie Liebe.

 

Wohl eher Dummheit.
Das einzige auf das sie verzichten müssten, wären andere Partner.
Aha, deshalb der Zusammenhang mit Verpflichtung und eingeschränkter Freiheit.
Verdammt ich lebe in der falschen Welt.
Ach wie schlimm, dass doch für die beiden sein müsste.
Marc könnte seinen Lümmel nicht mehr baumeln lassen und Kathrin
könnte sich nicht mehr durchbürsten lassen.
Hmm, dann muss sie ihm aber auch fairerweise seine Eier wieder
zurück geben die er gerade verloren hat.
Jetzt verstehe ich natürlich.
Da kann man dann getrost auf Liebe verzichten.
Jetzt sieht der Fall natürlich ganz anders aus und jeder Detektiv würde den Fall
wohl zu den Akten legen.
Wahrscheinlich zu den X-Akten.
Ungeklärt, weil man menschliche Dummheit nicht erklären kann.

Es klopft an der Tür.

 

„Ja, wer ist da?“

„Ich bins Doriane, schläfst du?“

 Sie war auch noch nie die klügste!

 

„Ja, komm bitte wieder wenn ich aufgewacht bin!“

 

Langsam öffne ich ihr.

 

„Du bist einfach abgehauen.
Darf ich rein kommen?
Ich fühle mich nicht wohl alleine“

 

Kann ich gut verstehen.
Für sie ist das ebenfalls ein Schock gewesen und ich fühle mich
auch etwas wohler, jemanden an meiner Seite zu haben.

 

„Hey, das ist mein Lieblingsfilm!!
Schatten der Leidenschaft!
Der ist so schön,
seit wann siehst du dir so etwas an?“

 

Vielleicht wäre ich jetzt doch lieber wieder alleine, denke ich mir.

 

„Ja der Film ist einfach was besonderes,
man kann viel von ihm lernen“ antworte ich.

 

Doriane hat natürlich nicht den blassesten Schimmer, wie ich das meine.

Zusammen sitzen wir auf der Couch, während ich wieder mal die

Fernbedienung vergewaltige und von Programm zu Programm wechsle.

Sie scheint tatsächlich grosse Angst zu haben.

Verständlich, insofern sie nichts damit zu tun hat.

Mir wird schwarz vor Augen.

Ein Schwindel überfällt mich wie in Kindertagen auf dem Drehkarussell.

Mein Blick ist völlig fokussiert und meine Ohren blenden jegliches Nebengeräusch aus.

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