14.02.2012 - 21:51 Uhr

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Buch Teil4

Text: JuergenB




 

 

Es ist ja nur so ein kleines schleichendes Gefühl, welches einen überkommt, wenn man in ein Restaurant geht und das Essen schneller serviert wird als eine Packung Nudeln in der Mikrowelle zum gar werden braucht.

Aber so ganz geheuer ist es einem nicht.

Schon gar nicht wenn die Kellnerin in die Küche geht, ein kurzes: Ying Yang Wong, zu dem Koch schreit und beinahe im selben Moment mit einem Teller voller Essen auftaucht, während ich noch immer versuche den Namen des Gerichts auszusprechen.

Wobei es ganz egal ist was man genau bestellt.
Es schmeckt ohnehin alles gleich.
Ob man jetzt Hühnerfleich Chaung Bao oder eingelegte Shrimps Hei Wong bestellt oder wie auch immer diese Chinesischen Gerichte alle heissen, einen wircklichen Unterschied kann ich nicht erkennen.
Irgendwann sitzt man sich dann gegenüber und kaut angestrengt am Essen rum als hätte man Plastik im Mund.
Nur das Rindfleisch ist hier eine Ausnahme.
Das kann man schon fast wie Kaugummi kauen, wobei mir Kaugummi mit Geschmack im allgemeinen lieber ist.
Mir ein Rätsel warum sie ausgerechnet wieder hier her kommen will.
Aber es ist ja ihr Lieblingsrestaurant.
Doriane hatte schon immer einen feinen Gaumen und mir was es um weiten lieber,
dass sie ihn zum essen bewegte als zum reden.
Mit welcher Ausdauer sie über ein uninteressantes Thema reden kann, grenzt beinahe an Magie.
Und die ganzen Einzelheiten und die ganzen Einzelheiten der Einzelheiten der Einzelheiten.

Oh Mann, ich will hier weg!!

Sie lächelt. Ich lächle.

Wahrscheinlich lächeln wir aus verschiedenen Gründen.
Natürlich bestellt sie wieder ihr Lieblingsgericht,
wo ich bereits beim Namen am liebsten kotzen würde.

Aber na gut, es ist ja ihr Abend.
Und sie war bei mir als ich sie dringend gebraucht habe, war für mich da.
Das rechne ich ihr hoch an und weiss ich bei Menschen zu schätzen.
Sie ist ja kein schlechter Mensch.
Nein, eigentlich ist sie sogar ganz nett.
Nur was habe ich von nett, wenn ansonsten die Chemie nicht stimmt und der Funke nicht überspringt, wie man sprichwörtlich so schön sagt.
Der einzige Funke wird heute wahrscheinlich der meines Feuerzeugs sein, wenn
ich verzweifelt versuche, mich anzuzünden,um den Quallen ihres Geschwafels zu entfliehen.

Aber dafür kann sie ja nichts.

„Soll ich für dich auch das selbe bestellen“? fragt Doriane,
während die Kellnerin mich ansieht.

„Ähmm, Danke ich will nichts essen, nur ein Mineralwasser bitte.
Oder nein, doch nicht, einen doppelten Wodka Bitte.“

Doriane grinst.
Wahrscheinlich denkt sie gerade daran, was damals passiert ist als ich mir
einen Wodka nach dem anderen bestellt habe und wir anschliessend bei ihr zuhause gelandet sind.
Ich weiss noch ganz genau wie ich mich am nächsten tag fühlte.
Diese Leere die mich ausgefüllt hat als hätte man mir Löcher mit einem Bunsenbrenner eingebrannt.
Seit diesem Traum hat nichts mehr eine Tiefe und alle Erlebnisse und Bekanntschaften
wirken so unbefriedigend und distanziert
Wircklich schlimm wird dieses Gefühl meist dann, wenn es zu Kontakten kommt, wie eben damals mit ihr.
Deshalb meide ich diese Kontakte auch gänzlich.
Wenn ich so darüber nachdenke war sie ohnehin die letzte mit der ich diese Art der Kontaktaufnahme pflegte.
Es ist schon zum verzweifeln und eigentlich derart bescheurt, dass ich nur in diesem Traum erfüllt bin.
Die Nähe zu diesem Menschen in diesem Traum und die Gefühle die ich dabei erlebe ist mit nichts zu vergleichen.

Er hat mir meine Augen geöffnet.
Paradox, das ich dafür erst meine Augen schliessen muss.

Ob es diesen Menschen auch in der Realität gibt und der Traum mir sozusagen die Richtung deuten will, die ich aber noch nicht erkennen kann?
Wie krank das eigentlich ist.
Das einzige das mir etwas hilft sind die Therapiestunden bei Dr. Spaemann.
Aber nur etwas.
Verdammt wie uninteressant Doriane und der Rest der Welt nur ist.
So uninteressant wie ihre Geschichten.
Als würd irgendeinen Arsch interessieren, wo es das beste Nagelsudio gibt.

Verdammter Traum, verdammte Gefühle, verdammte Menschen.
Warum müssen Menschen nur so sein wie sind.
Alle leben sie in ihren fest gefahrenen Mustern, feige daraus auszubrechen,
kümmern sich um banale Dinge die wertlos sind.
Kapieren die denn alle nicht, dass jeder von uns sterben muss?
Das jeder Moment unbezahlbar und kostbar ist und ihn ausnutzen muss falls
man so einen Moment erleben kann.
Warum folgen Menschen nicht ihren Gefühlen?
Aber na gut, ich folge ja auch nur einem Traum!

Ob Doriane überhaupt bemerkt, dass ich ihr nicht zuhöre?
Bemerkenswert wie lange sie reden kann ohne die Luft anzuhalten.
Nur noch bemerkenswerter ist dass sie noch weiter redet obwohl ichkeine Reaktion von mir gebe.
Vielleicht sollte ich zwischen durch einfach ein paar mal Ja, Ja sagen.
Obwohl dies auch nichts ändert.
Aber es funkioniert ganz gut.
Von den neuesten Werbeangeboten bis zu irgendwelchen beschissenen Beziehungen
irgendwelcher doofen Bekannten von ihr, ist so ziemlich alles vertreten.

„Willst du wircklich nichts essen?“ fragt sie.

„Ja, Ja“ antworte ich.

„ Was Ja, Ja.? Willst du jetzt oder nicht?“

„Ähm , nein meine ich“

„Du bist ja heute wieder komisch“ sagt sie.

Ja, ich bin komisch aber sie erzählt mir von ihrer Haarwachsentfernung.

Du bist komisch, denke ich mir.
Der ganze beschissene Raum die ganze Situation und ja das ganze Leben ist komisch.
Das Handy von Doriane klingelt.

Gut, dass wird mir ein wenig Ruhe verschaffen.
Überrascht starrt sie auf den Display und nur zögerlich drückt sie den grünen Annahmeknopf,
scheinbar nicht wissend wer das sein soll.
Mit ihrer typischen hohen Stimme, die sie immer aufsetzt, sobald sie telefoniert, sagt sie Hallo.
Die einen würden es Freundlichkeit nennen.
Ich nenne es Heuchelei.
Normalerweise zieht sich diese aufgesetzte Stimme durch das ganze Gespräch.

Diesesmal nicht.

Fragend sieht sie in meine Richtung und zuckt kopfschüttelnd mit den Achseln, während sie mir das Handy überreicht.

„Ist alles in Ordnung?“

Wieder diese Nummer!

„Hey!!!“

Verdammt, wieder diese Nummer!

„Heyyy!!Was ist den los?“

Ich muss raus.

Und zwar schnell!

„Hallo, wer ist da?

Halloo?

Hallo!“

Nur der Atem ist hörbar.

„Wer bist du verdammt nochmal?

Was willst du?“

Vorübergehende Passanten werfen mir einen kurzen Blick zu.

Der Klang seines Atems schmerzt in meinen Ohren als hätte mein Handy eine Störung.
Bleib sitzen Doriane, bleib einfach nur sitzen!
Sie streift ihre Jacke über und verlässt ihren Platz, bis ich sie durch das Fenster nicht mehr sehen kann.
Sie wird nachsehen, warum ich so hektisch den Raum verlassen habe.
Noch immer keine Reaktion am Telefon ausser diesem beinahe unerträglichem Atem.
Die selbe Nummer die mich letzten Abend angerufen hat.
Die Einganstür öffnet sich und Dorianne steht mir wortlos gegenüber.
Mit dem Finger meiner linken Hand deute ich auf das Handy.
Geschockt legt Doriane ihre Hand über den Mund und flüstert leise.
„ Ist das die Nummer die....“
Mein Kopfnicken bestätigt ihre Vermutung.
Noch immer lausche ich dem Atem und warte auf eine Reaktion.
Dabei beobachte ich Doriane ganz genau.
Ist ihre geschockt wirkende Mimik nur gespielt?
Was versteckt sich hinter der Maske? falls es eine gibt.
Steckt sie hinter all dem?
Aufgelegt!
Die Verbindung ist getrennt worden.

Während Doriane verzweifelt versucht mich mit ihren Worten zu stoppen, renne ich die Strasse lang und steige in mein Auto, welches sich ganz in der Nähe befindet.

 

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