Lächelmenschen und Sushi
"Wo bist du, hast du Zeit?""Bin noch in der Uni, ich fahr jetzt aber heim."
"Lass uns essen gehen."
"Ich muss aber eigentlich lernen."
"Quatsch, essen ist wichtiger. In zehn Minuten am Hauptbahnhof. Bis dann."
Du legst auf und ich kann mir ein Lächeln nicht verkneifen. Du hast recht, es gibt wichtigere Dinge als die Uni. Zumindest manchmal.
Am Bahnhof nimmst du mich herzlich in die Arme und grinst mich an, ich lächle wieder.
Wir gehen zu deinem Lieblingsasiaten, bei dem es ein riesiges Sushi-Buffet gibt.
"Ich hab noch nie Sushi gegessen", erzähle ich dir und du erwiderst, dass es das Beste ist, was es gibt.
Wir sitzen an diesem kleinen Tisch, essen Sushi mit Stäbchen und Soja-Soße, lachen über die Welt und über all diejenigen, die Valentinstag vergöttern.
Plötzlich erzählst du mir, dass du in zwei Wochen weg bist. Ich verschlucke mich am Reis, muss husten, schaue dich ungläubig an.
"Warum?"
Du erzählst mir, dass du nach Ägypten willst und dass du jetzt endlich einen Ausbildungsplatz als Tauchlehrer bekommen hast. Wenn alles gut geht, bist du am ersten März weg, sagst du.
Deine Augen glänzen während du erzählst, und ich merke dir an, wie wichtig dir all das ist.
Aber traurig macht es mich trotzdem.
Ich sollte nicht traurig sein, weil wir uns doch dafür eigentlich viel zu wenig kennen. Und weil ich dir wünsche, dass du glücklich bist. Aber ein bisschen vermissen werde ich dich trotzdem.
Als wir viel später wieder am Hauptbahnhof stehen, nimmst du mich genauso herzlich in die Arme, vielleicht noch ein bisschen herzlicher.
"Komm mich doch einfach besuchen in Ägypten", sagst du dann plötzlich und lächelst mich glücklich an.
Und wie wir uns da so gegenüberstehen, du mit teuren Lederschuhen und schickem Hemd, ich ungeschminkt mit ausgelatschten Chucks und Fleecejacke, frage ich mich, wie es wohl sein mag, von dir tauchen zu lernen.






