14.02.2012 - 18:30 Uhr

1 159 Über Twitter weiterempfehlen

Strafe für Kinderlose?

Text: kathrin-hollmer - Foto: TimToppik / photocase.com

Die "Junge Gruppe" in der Union fordert eine Sonderabgabe für Kinderlose: Wer ab 25 keinen Nachwuchs hat, soll ein Prozent seines Lohns abtreten. Mit diesem Vorschlag haben die jungen Abgeordneten eine heftige Diskussion ausgelöst.

Angestrichen:
"Derjenige, der Zukunft baut und Kinder hat, darf nicht mit denselben Beiträgen belastet werden wie jemand, der das - egal aus welchen Gründen - nicht tut."

Wo steht das:
In einem Artikel in der Tageszeitung "Die Welt". Das Zitat kommt von der bayerischen Familienministerin Christine Haderthauer (CSU), die damit auf einen Vorschlag der "Jungen Gruppe" in der Union reagiert. Die Abgeordneten fordern, dass man ab 25 höhere Sozialabgaben zahlen muss, wenn man keine Kinder hat.

Wer ab 25 keinen Nachwuchs hat, soll ein Prozent seines Lohns abtreten, geht es nach der "Jungen Gruppe" in der Union.

Und was soll das Ganze?
Ein Prozent ihres Einkommens sollen Kinderlose ab 25 in Zukunft abgeben, fordert die "Junge Gruppe" in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Dafür will sie noch in dieser Legislaturperiode eine entsprechende Verfassungsänderung durchsetzen. Kinderlose sollen demnach den vollen Prozentsatz zahlen, Eltern mit einem Kind die Hälfte und Eltern mit mehreren Kindern nichts.

Das Geld soll in die Sozialversicherungen, in Infrastruktur und Bildung investiert werden und nicht Teil des Bundeshaushalts werden, "damit die Rücklage nicht in der Tagespolitik verfrühstückt werden kann", wie der Sprecher der "Jungen Gruppe", Marco Wanderwitz, der "Mitteldeutschen Zeitung" sagte. Seinen Vorschlag hat er Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich vorgestellt. Als Begründung nannte er: "Unsere Sozialversicherungssysteme funktionieren nicht, wenn es zu wenig Kinder gibt."  

Kinderlosigkeit besteuern um die Geburtenrate hochzutreiben? Was nach einem schlechten Scherz klingt, ließ neben der bayerischen Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) auch den CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe positiv reagieren: "Das ist ein Grundgedanke, den ich für angemessen halten", sagte er. Auf Kritik stoßen Wanderwitz und die jungen Abgeordneten von CDU und CSU in der Opposition, aber auch in der eigenen Fraktion. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) wies die Forderung der "Jungen Gruppe", zu der sie eigentlich auch gehört, gegenüber der Tageszeitung "Die Welt" zurück: "Ich finde es vernünftiger, Kinderwünsche zu befördern statt Kinderlosigkeit zu bestrafen. Der Weg hin zu funktionierenden Kinderkomponenten in den sozialen Sicherungssystemen muss über Anreize führen und nicht über Abschreckung." Auch Angela Merkel hat sich inzwischen zu dem Vorschlag geäußert: "Schon eine Einteilung in Menschen mit und ohne Kinder ist nicht zielführend. Ich glaube, wir müssen andere Wege finden."

Auch auf Facebook wird gerade viel über den Vorschlag diskutiert. "ZDF Heute" hat dazu eine Diskussion auf dem sozialen Netzwerk gestartet. Es gibt ein paar Befürworter, die fast immer wie dieser User argumentieren: "Man sollte sich bei dieser Diskussion vor Augen halten, wer die Renten aller Kinderlosen später erwirtschaften muss!" Die meisten fühlen sich jedoch diskriminiert, immerhin sind viele ungewollt kinderlos. "Das ist eine doppelte Strafe für jene Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keine eigenen Kinder bekommen können und aus finanziellen Gründen keine Kinder adoptieren dürfen", hat ein User gepostet. Andere schreiben von "Zwangsverheiratung und Zwangsbefruchtung". Oder schlagen eine "Luftholsteuer" vor: "Atmen muss jeder".


Neue Magazin-Texte:

Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!

Textoptionen
Mehr Texte von
kathrin-hollmer
Mehr Texte zum Label
Textmarker
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Fehler gefunden?
Report an Error
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
159 Kommentare

speichern

Alle Kommentare anzeigen

apollyon
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

3

15.02.2012 - 18:47 Uhr
apollyon

alcofribas sagte:

Da könnte man glatt auf die verwegene Idee kommen, mehr Geld (bzw. weniger Geld für nicht-Eltern) löst das Problem gar nicht, sondern es krankt woanders. Stichwort Familie vs. Beruf, fehlende / zu teure Kita-Plätze, die berühmte Arschkarte, die Alleinerziehende mit sich rumtragen und was dergleichen Dinge mehr sind. Aber es wäre ja gelacht, wir haben bis jetzt ja jedes Problem damit gelöst, einfach das Fenster, aus dem wir das Geld werfen, noch ein wenig weiter aufzumachen.

Nicht.


Ist eigentlich ein ziemlich ähnlicher Ansatz wie der, den ich in meinem ersten Post hier bei jetzt vor etwas über einem Jahr hier beschrieben habe.

Ändert sich was? Ein Kollege von mir hat mir heute erzählt, dass seine Frau nicht arbeiten geht, weil sie keinen Kinderbetreuungsplatz für unter 1000,-€ im Monat finden. Und bei dem Preis bleibt sie dann doch lieber zu Hause.

Für so eine Kinderbetreuung bräuchte man keine Strafsteuer (ja, der Vorschlag ist eine Strafsteuer!). Gibt tausend vernünftigere Wege, das zu schaffen.

Daneben finde ich es immer noch absolut furchtbar, dass solch persönliche Entscheidungen über Lebensentwürfe immer unter dem "Du musst das für unsere Rente tun"-Aspekt gesehen werden, anstatt dass sich mal einige Leute Gedanken über ein Rentensystem machen, das den Leuten nicht vorschreibt, ob, wann und wieviele Kinder sie bekommen sollen.

Melanchtron
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

2

15.02.2012 - 19:09 Uhr
Melanchtron

apollyon sagte: Ist eigentlich ein ziemlich ähnlicher Ansatz wie der, den ich in meinem ersten Post hier bei jetzt vor etwas über einem Jahr hier beschrieben habe.

Vielleicht ist das dann aber doch wieder zu einseitig, alles nur auf Betreuungsangebote auszurichten. Ein Großteil der Deutschen, die länger in Frankreich waren, sind vom französischen Schul- und Erziehungssystem nicht wirklich begeistert. Und meistens wird dann doch noch eine Babysitterin engagiert ... ich meine, für Familien ist es in F auch nicht unbedingt einfacher.

apollyon sagte: Ändert sich was? Ein Kollege von mir hat mir heute erzählt, dass seine Frau nicht arbeiten geht, weil sie keinen Kinderbetreuungsplatz für unter 1000,-€ im Monat finden. Und bei dem Preis bleibt sie dann doch lieber zu Hause.

Das ist ein Einzelfall ... selbst auf dem Land findet man mittlerweile fast überall einen Platz. Meine Mutter ist Kindergärtnerin, und in der Zeit von 14h bis irgendwann danach bleibt sie extra dort, um die letzten 2 oder 3 Kinder zu betreuen, die noch zu betreuen sind. Ist gesetzlich vorgeschrieben, und eindeutig eine Entwicklung der letzten Jahre.

apollyon sagte: Daneben finde ich es immer noch absolut furchtbar, dass solch persönliche Entscheidungen über Lebensentwürfe immer unter dem "Du musst das für unsere Rente tun"-Aspekt gesehen werden, anstatt dass sich mal einige Leute Gedanken über ein Rentensystem machen, das den Leuten nicht vorschreibt, ob, wann und wieviele Kinder sie bekommen sollen.

Erfinde ein gerechtes und durchsetzbares staatliches Rentensystem ;) viel schwieriger geht's nicht

apollyon
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

1

15.02.2012 - 19:19 Uhr
apollyon

Melanchtron sagte:

Vielleicht ist das dann aber doch wieder zu einseitig, alles nur auf Betreuungsangebote auszurichten. Ein Großteil der Deutschen, die länger in Frankreich waren, sind vom französischen Schul- und Erziehungssystem nicht wirklich begeistert. Und meistens wird dann doch noch eine Babysitterin engagiert ... ich meine, für Familien ist es in F auch nicht unbedingt einfacher.

Kenne da genug Gegenbeispiele.

Und soweit ich weiss, sagt auch die Statistik, dass a) die Geburtenrate in Frankreich höher ist und b) Frauen bessere Berufs- und Karrierechancen haben.


Das ist ein Einzelfall ... selbst auf dem Land findet man mittlerweile fast überall einen Platz.... Ist gesetzlich vorgeschrieben, und eindeutig eine Entwicklung der letzten Jahre.

Ich glaube gerade auf dem Land ist es einfacher. Ich kenne sehr viele Leute, die extrem hohe Kinderbetreuungskosten haben, meist eben in Stadt- oder Speckgürtelgebieten.
Aber stimmt schon, es ist besser geworden.


Erfinde ein gerechtes und durchsetzbares staatliches Rentensystem ;) viel schwieriger geht's nicht

Gerechtigkeit ist Wort mit viel Interpretationsspielraum, aber ich glaube, ein Anlagesystem, wie es die meisten unserer europäischen Nachbarn haben, ist gerechter als das deutsche Schneeballsystem, bei dem jeden Zahler in die Rentenkasse klar gemacht wird, "das Geld, was Du einzahlst, ist nicht für Dich".

Durchsetzbar sind Änderungen auch, wenn man will. Gibt auch da genug Ansätze. Aber es ist als Politiker eben leichter, sich hinzustellen und zu sagen "Die Meine Rente ist sicher".

bangshou
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

15.02.2012 - 23:50 Uhr
bangshou

@ octopussy: toller Artikel über Demographie. Vielen Dank!

izzy_bizzy
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

1

16.02.2012 - 11:40 Uhr
izzy_bizzy

Mir ist grade erst wieder bwusst geworden, dass wir kinderlosen bereits schon mehr zahlen müssen- und zwar in Form dessen, dass wir auf Freizeit verzichten müssen.
Grade wieder: ZU FASCHING WOLLEN SE FREI HAM?
Geht natürlich nicht, weil die gebährfreudigen schon frei beantragt haben, weil im Kindergarten Fasching gefeiert wird und die Eltern natürlich bevorzugt werden bei solchen Anlässe (wie auch an Weihnachten,Silvester und den Ferien).

Als kinderloseR hat man bei mir in der Firma keinen Anspruch auf freie Tagen an Tagen wo man gern frei hätte.

Yngaren
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

16.02.2012 - 19:04 Uhr
Yngaren

Der dämliche Stresstest sollte auch für die dämlichen Politiker eingeführt werden. Man sollte auch Abgabe für die einführen, die zu lange studierten - über das 25. Lebensjahr.
Im 3.Reich wurden Sonderprämien für die Frauen eingeführt, die 10 Kinder hatten.

nordzucker
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

16.02.2012 - 20:21 Uhr
nordzucker

warum nicht: kinderlose bekommen spaeter 1 prozent weniger rente?

gut ok, war ein witz

aber immerhin ist es bei dem ansatz egal, wann jemand kinder bekommt.

KingPin
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

-1

17.02.2012 - 14:33 Uhr
KingPin

Ganz einfach: Schwanz ab, wer mit 25 noch kein Kind gezeugt hat.

1. Den braucht der doch anscheinend eh nicht.

2. Wenn er mit 25 noch kein Kind gezeugt hat, muss er schwul sein und das darf nicht geduldet werden.

3. Da die meisten CDU/CSUler eh so kleine Schwänze haben, betrifft sie das gar nicht.

Chris170
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

27.02.2012 - 12:31 Uhr
Chris170

Herr Wanderwitz, ein wahrer Witz

Seit 7 Jahren haben wir in unserem Betrieb eine Nullrunde.
Ständig steigende Kosten, ohne Ausgleich.
Für unseren Kinderwunsch haben wir über 20 000€ bezahlen müssen, da die Krankenkassen dies ja nicht übernehmen. Der Kinderwunsch blieb leider erfolglos.
Und jetzt will man uns nochmals dafür bestrafen, finden Sie dies wirklich in Ordnunng. Ich finde es eine Sauerei.

Habe gerade gelesen, NPD-Fraktion begrüßt familienpolitischen Vorstoß der „Jungen ... na toll.
Demnächst heißt es wieder, Kinder für das Vaterland, oder ?

Wie sieht es den mit dem Solizuschlag aus, Herr Wanderitz.
Die neuen Bundesländer müßten doch inzwischen wieder aufgebaut sein.

Oder verzichten sie doch mal 7 Jahre auf Gehaltserhöhung, dann reden wir mal weiter.

Zurück Seite 1 ... 14 15 16

Alle Kommentare anzeigen


Speichern

Jetzt-Mitglied

kathrin-hollmer offline

kathrin-hollmer

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.


München