Die meisten scheitern am Versuff
Absolut nicht Liveticker eines Montags.10.00 Bin voller Tatendrang und nehme mir vor heute in die Bibliothek zu fahren um an meiner Hausarbeit zu schreiben. Wenn ich in genau einer halben Stunde aufstehen werde, jawohl!
10.30 Nur noch Fünf Minuten
10: 33 Das waren erst drei!
10:33:47 Aufstehen, Duschen, Anziehen, Frühstücken, Bücher und Laptop einpacken, auf in die Bibliothek
13. 04 Im Ausleihbereich der Bibliothek angekommen stelle ich fest, dass ich zwar an meinen Ausweis und meine Kopierkarte gedacht habe, leider aber nicht an Zettel und Stift um mir die Signaturen zu notieren. Lege mehrere Kilometer zurück indem ich immer vom Computer zum Regal renne, dabei die Signatur wie ein Mantra wiederhole um sie nicht zu vergessen und wieder zurück zum Computer um das nächste Buch zu suchen. Fehlt nur noch dass ich außer Atem komme!
14. 27 Entscheide letzendlich, dass drei Bücher und Fünf Seiten Kopien vorerst reichen müssen und stelle sie zusammen mit meinem Laptop, drei anderen Büchern und meiner Wasserflasche in einen grauen Korb, den ich danach mit beiden Händen tragen muss um zu verhindern dass der Tragegriff abfällt.
14:39 Während der Cursor beruhigend auf einem leeren Dokument blinkt beobachte ich die Schiffe die draußen vor dem Fenster herfahren.
15:11 Sende ein Stoßgebet an den Himmel, Inhalt: Bitte lass einen Gedankenblitz auf mich herabfahren! Schreibe anschließend eineinhalb Seiten ohne Unterbrechung
15:47 Sende ein weiteres Stoßgebet gen Himmel, Inhalt: Nehme erste Bitte zurück, aktualisierte Version: Bitte mach, dass meine Dozentin vor dem Komma einfach nur bis 3 zählen kann.
15:49 Oder bis zwei.
15:50 Ziehe missbilligende Blicke auf mich weil ich bei der Erinnerung an selbige Dozentin lachen muss. Meine japanische Dozentin die uns immer wieder mit Aussagen wie „Die meisten Personen scheitern an dem Versuff!“ aufheiterte oder uns aufforderte das „Buff“ auf Seite 163 aufzuschlagen. Erinnere mich auch noch an eine der ersten Stunden in der wir ernsthaft den Versuch (oder Versuff wie sie treffend sagen würde) verfolgten aus einer von uns angelegten Strichliste- einen Strich pro als Füllwort benutzes „Ja“ in ihren Sätzen – ein Trinkspiel zu machen und S. und mir schon nach wenigen Minuten klar wurde, dass wir angesichts des Heers von Strichen auch einfach gleich die Flasche ansetzen können.
Daran wie sie sich offensichtlich über jede Wortmeldung freute.
Auch an ihre Laptoptasche der Hello Kitty working Edition (Ich lüge nicht!).
Daran wie man als eine der wenigen Vorbereiteten mit ihr Gespräche über Autoren und Werke führte.
Bin ein bischen traurig, dass das Semester schon wieder vorbei ist.
15:58 Bin ein bischen traurig, dass meine Hausarbeit immer noch nicht fertig geschrieben vor mir liegt.
16:01 Motivationsschub, schreibe in einem ersten Entwurf eine weitere halbe Seite und verbiete mir Gedanken über meine Wortwahl zu machen, benutze Ausdrücke wie „sich über die Runden bringen“ und „in den oberen Stockwerken ist die Krankheit und der Tod ein ständiger Begleiter der dort Lebenden“, füge an den meisten Stellen ein ÜBERARBEITEN oder DIESE STELLE AUSBAUEN ein und verdränge den Gedanken daran das alles noch wissenschaftlich belegen zu müssen.
16:12 Entweder stimmt hier was mit meiner Blutzirkulation nicht oder jemand hat die Klimaanlage auf „Miami“ eingestellt, steife Brise hier drinnen!
16: 28 Beschließe lieber eine Nachtschicht an meiner Heizung einzulegen als einen Nachmittag in Anchorage zu verbringen, packe meine Sachen und gehe.
16:34 Angesichts der vollkommenen Unmöglichkeit sechs Bücher einen Laptop, 750 ml Wasser (mit Kohlensäure) und Proviant auf meinem Rücken nach Hause zu tragen esse ich die 100 g Schokolade einfach auf der Stelle und gebe das schwerste der Bücher zurück. Eines Tages wird es brennendes Papier auf direktem Weg aus der Hölle auf mich regnen.
17:20 Ankunft zu Hause, stelle fest dass ich noch einkaufen muss und dass es zu kalt für einen viertelstündigen Fußmarsch ist, das Knallen von sich in Kälte zusammenziehenden Plastikflaschen begleitet mich auf dem Weg zur Bushaltestelle.
18: 43 wärme Essen von gestern auf und trinke ein Glas Orangensaft, nicht dass ich auch noch krank werde und deswegen am schreiben meiner Hausarbeit gehindert werde! Schaffe es gerade so nicht über die Erbärmlichkeit dieses Gedankengangs in Anbetracht des heutigen Nachmittags zu lachen und nehme das mit den Vitaminen total ernst.
18. 50 Da ich es hasse alleine zu essen und J. nunmal heute nicht da ist, suche ich mir eine Ablenkung im Internet, auch nach dem Essen beschäftige ich mich lieber mit Menschen die glauben jemand namens Bonny Bear habe gestern einen Grammy gewonnen. Banausen.
Könnte man mein soziales Netzwerk visualisieren, dann wäre ich jetzt diejenige die alleine auf einem Spielplatz rumhängt während die anderen wervolle Dinge tun wie Bäume pflanzen, sich politisch bilden, ein Projekt zur Förderung von Benachteiligten Kindern auf die Beine stellen oder für die Rechte der Indianer in Brasilien kämpfen.
19.41 Mir fällt ein dass ich morgen mit J. und J. zum Kochen verabredet bin, suche vegetarische Hauptgerichte und verzweifle über Hausmütterchenkommentaren, immerhin habe ich am Ende vier Vorschläge parat.
20: 27 Mein Zeitmanagement Programm leitet gerade Salz über die Schulter werfend und sich bekreuzigend von alleine die Deinstalltion ein.
20. 59 Nur noch drei Stunden bis zum Tagesende, Zeit für einen Bericht!
- 26.05.2012, nachtrag vor 5 Std.
- 26.05.2012 vor 5 Std.
- 25.05.2012 vor 6 Std.
- 24.05.2012 - rückwärts erzählt 24.05.2012
- Wochenschau 24.05.2012







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02.03.2012 - 20:25 Uhr
Reihenlag