15.02.2012 - 10:43 Uhr

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FERNE versus NÄHE – Photographie ganz jung

Text: HEDunckel


Während, entfernt einer Welt der vielen kleinen Sterblichen, große Künstler wie Gerhard Richter, mit inzwischen achtzig Jahren menschlichen Alters, ihren Platz auf dem Olymp der Künste würdevoll belegen, bewegt sich die Spitze kreativen Schaffens weiter. Drängt nach vorn, nach oben – immer weiter, wie es uns die Meister jeweils in ihren Arbeiten zeigten, und die nur auf diese Weise zu einem wirklichen Werk der Kunst werden konnten. Gerade Richter hatte hier einen der wesentlichen Impulse für eine Malerei gegeben, die in seiner Jugend überwiegend mit Fragezeichen überladen sich darstellte. Er wies, wie nur wenige andere Künstler in Deutschland, Wege in die Zukunft einer Welt-Kunst, auf denen es noch heute eine Freude ist zu wandeln. Doch geht es der Photographie heute nicht ähnlich wie seinerzeit der Malerei? - Und wie es eigentlich beiden schon je gegangen war? - Geht es dem Photo nicht endlich einmal darum, sich in der Kunst zu emanzipieren? - Anderen kreativen Kontexten offen zu begegnen, um zeitgenössisch weiter reisen zu dürfen? - Über eine “Endstation Sehnsucht” hinaus, in ein Land unbegrenzter Wahrscheinlichkeit?

Gefangen ist das Medium Photographie meist in den Fesseln von Mode und Journalismus, ganz besonders in Hamburg, wo diese Einspurigkeit oft auch einer umgreifenden Öffnung nach außen hin im Wege steht. In der kleinen Galerie M6 jedenfalls, mitten im Karolinenviertel, wird daran gearbeitet, gemeinschaftlich die Kunst nach vorn zu bringen: auch und ganz besonders über das Medium der Photographie. Zwei sehr junge Künstlerinnen, Emma Hosse-Hartmann (*1996) und Marie Maruhn (*1993), zeigen dort ihre Freude am Abbilden von Zeitgeist. Der Kontext zur Kunst als einer einheitlichen, aber immer heterogenen und erweiterten Disziplin (“Jeder Mensch ist ein Künstler” - Joseph Beuys) wird über ein Adorno Zitat deutlich: „Die Tathandlung des Künstlers (...) das Minimale, zwischen dem Problem zu vermitteln, dem er sich gegenüber sieht und das selber bereits vorgezeichnet ist, und der Lösung, die ebenso potentiell in dem Material steckt.“ - Gerade dadurch behaupten sich die photographischen Arbeiten auch hier in einem Dschungel an digitalem Überangebot.


Der Künstler und Psychoanalytiker Mattias Oppermann sagte einführend: “Große Augen, die anlächeln oder auch ganz verletzlich nach oben schauen. (...). Der Rahmen des Bildes scheint nicht das fassen zu können, was sich bewegt, was da hinaus will. Die kleine 'Schaumgeborene' des Titelbildes ist auf dem Weg in die Welt. Diese Eindringlichkeit des 'in die Welt hinaus Schauen' charakterisiert viele Arbeiten der Fotografin (Emma Hosse-Hartmann).” - “Die Künstlerin (Marie Maruhn) führt uns hier Hindernisse, Ängste und Scheitern vor, die auf jeder Passage, jeder Reise drohen und dazugehören. Das was ausgesprochen, in Sprachen beunruhigend resignativ klingen mag, ist in den Fotos in eine Ästhetik und Farbigkeit eingebunden, die die Hoffnung auf das Fortkommen bewahrt. Für mich sind es Bilder nicht des Aufbruchs, wie bei Emma Hosse-Hartmann, sondern Bilder an einer Schwelle ins Ungewisse, das fremd ist, wie das Weltall. Die Ambivalenz an der Schwelle ist von der Künstlerin in ausdrucksstarken Fotos eindrucksvoll dargestellt.”


Das Licht als Operand hinterlässt in der Kamera als Operator seine unterschiedlichen Spuren, aber erst ein involvierter Intermediant und eine Serie von Zufällen geben dann ein Bild von einer, immer vielschichtig wahrgenommenen, Realität wieder. So ist es die jeweilige situative Ästhetik, in der eine mögliche operative Stringenz in den Wirkungszusammenhängen zwischen den involvierten Medien in ihren Zeugnissen evident wird, und diese Zeugnisse das menschliche Leben in offensichtlichen Erscheinungsformen bereichern können. Als das vom Gedanken in seiner Zweckhaftigkeit Verschiedene, und so von seiner Zielträchtigkeit entbundene, kann in diesen Fällen das Schöne in seiner Jugend als Zeitgeist zur Welt kommen ...

Holger E. Dunckel


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Holger E Dunckel
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