12.02.2012 - 13:40 Uhr

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Ein Marine lässt niemanden im Stich

Text: fuckartletsdance

M. und ich sind auf K's Geburtstag eingeladen, als die zwei persönlichen Freunde seiner (und auf anderer Ebene unserer) Freundin, als Gegengewicht zu seiner Thekenmannschaft die das Wohnzimmer belegt.
M. sagt dazu Freunde zweiter Klasse und noch sage ich „Sei nicht immer so negativ!“ und nicht „Halt die Klappe!“. Aber M. hat keine Lust die Welt draußen heller zu sehen als sie im Februar um 20:30 nunmal ist, die Busverbindung findet sie doof (gut da hat sie sogar recht), der Wind zu kalt, den Weg kennt sie nicht und müde ist sie sowieso.
Eigentlich sollte ich M. keine Vorwürfe machen, ich bin selbst erst davon überzeugt dass es eine gute Idee ist loszugehen, wenn ich nach der Party wieder warm und betrunken in meinem Bett liege, außerdem erinnere ich mich nur zu gut an Partys auf denen man der einzige Gast ist der die anderen nicht kennt. Ich gehe auf solche Partys aus dem Gedanken heraus a) sonst etwas verpassen zu können und b) dem Gastgeber eine Freude zu machen.
Aus der Retrospektive betrachtet habe ich maximal einen krassen Traum verpasst und dem Gastgeber vielleicht ein schlechtes Gewissen weil er sich verpflichtet fühlte mich vorzustellen. Dabei habe ich mir wirklich Mühe gegeben, eine Mischung aus Small Talk, geheucheltem Interesse und Schnaps, hat trotzdem nicht funktioniert.

Ich weiß dieser abend könnte einer jener werden und trotzdem kann ich niemals so pessimistisch sein wie M., die ihre Mundwinkel heute hinter sich her zieht. Vielleicht ist es meine blühende Fantasie, vielleicht der Bierdurst oder eine nicht sterben wollende Hoffnung, aber ich kann mir durchaus genauso vorstellen, dass es ein großartiger abend wird!
Als wir ankommen machen wir trotzdem gleich den ersten Fehler, den „Ich geh erstmal in die Küche was kleines essen Fehler“. Eigentlich ist das besonders bei S. nie ein Fehler, aber einmal in der Küche kommt man da nicht mehr so schnell raus. Wie an das rettende Ufer klammern wir uns die ersten fünf Akklimatisierungsminuten an die Theke und versuchen auszumachen in welches Gespräch man sich einklinken könnte. Leider stellt sich selbiges als gar nicht so einfach da, wenn 80% der anderen Küchenklammerer bereits Eltern sind oder kurz davor es zu werden und sich die Gespräche hauptsächlich um Geburten, Windeln, Namensfindung und die Kinder anderer Freunde drehen.
Trotzdem bleiben wir dort, weil im Wohnzimmer nichts als gute Gespräche unter engen Freunden (Ich bin noch nie so lange einem Mann hinterhergelaufen der nichts von mir wollte wie dem R., O Gott jetzt wird’s peinlich ich geh mal auf's Klo) und K.'s Thekenmannschaft (Eisgekühlter Bommerlunder, Bommerlunder Eis-ge-kühlt!) der ihre eigene Gesellschaft genug ist.
Der Abend nimmt eine Wendung als die (werdenden) Eltern (die wirklich nett waren, so ist es ja nicht!) zu früher Stunde nach Hause fahren und die Küche sich mit K's und S's Freunden und das Glas sich irgendwie immer wieder mit Schnaps füllt. S's Prnzip immer nur gerade Zahlen zu trinken mag dazu beigetragen haben.
Ich finde den abend gut. K. behauptet mit einem wissenden Gesichtsausdruck er wisse das ich Blockflöte spielen könne und will mich dann weltmännisch darauf hinweisen, dass ich meine Daten wohl vorsichtiger verwalten sollte, worauf ich ihn darauf hinweise dass er da wohl die falsche Person ausspioniert habe weil meine Fähigkeiten gerade mal für eine Triangel oder ein Kindertamburin ausreichen. Wir kommen nicht dazu uns weiter zu unterhalten weil sein bester Kumpel sich jetzt betrunken genug für seinen Howard Carpendale Auftritt fühlt und ich mich Gott sei Dank betrunken genug um darüber Lachen zu können, eine Freundin der beiden versucht vergeblich meinen Namen auszusprechen und bevor ich ihr den allgemein anerkannten Spitznamen anbieten kann hat sie selbst einen erfunden.

Nur M. steht daneben und kann sich trotz aller Bemühungen meiner und andererseits nicht mit dem abend anfreunden, sie gibt vor nur müde zu sein und ich weiß, dass sie lügt, dass sie keinen Anschlus findet, vielleicht gerne etwas sagen würde aber nicht weiß was, dass sie hofft nicht nochmal darauf angesprochen zu werden ob sie noch dieses oder jenes wolle. Ich glaube sie wäre jetzt gerne unsichtbar und in einem anderen Leben hätte ich jetzt vielleicht mit ihr verschwinden können, aber nicht in diesem. In diesem Leben bin ich ein egoistisches Partyarschloch und sage „Die U-Bahn kriegen wir sowieso nicht mehr, lass uns noch eine Stunde bleiben“.

Als wir schließlich gehen schäme ich mich ein bischen dafür sie allein gelassen zu haben „Nein, ein Marine lässt niemanden im Stich“ schießt mir eine Zeile meiner Herzband durch den Kopf. Wir drehen noch eine Runde um den Block weil Bewegung wichtig ist wenn der eigene Körper sich nahe dem Gefrierpunkt befindet, ich hätte ihr die professionellste unprofessionelle „Stadt bei Nacht Führung“ gegeben, ich bot ihr sogar an ihren Kopf an meine Schulter zu legen weil sie so müde war, aber sie will nicht. Und dann fange ich an zu singen, weil ich weiß, dieser abend ist für sie nicht mehr zu retten, für mich aber schon und wenn ich betrunken bin will ich nunmal singen und ich singe sie ihr alle vor, die Schmerzen und den Mut, das Fallen und Aufstehen und die Hymnen.
M. sagt dass ihr immer noch kalt ist. Spätestens jetzt möchte ich sie bitten die Klappe zu halten und noch ein wenig meiner Musik zu lauschen. „Die U- Bahn kommt ja gleich“ sage ich, ich lasse dich schon nicht zurück M., ein Marine lässt niemandem im Stich.
Wenn man uns so ansieht könnte man sich fragen wie wir eigentlich Freunde wurden, aber man sucht sich seine Freunde nunmal nicht danach aus ob sie betrunken Lieder singen können.




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traeumtsichWuensche
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12.02.2012 - 13:48 Uhr
traeumtsichWuensche

"die ihre Mundwinkel heute hinter sich her zieht" - grandioses Bild!

fuckartletsdance
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Mag ich Mag ich nicht

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12.02.2012 - 13:49 Uhr
fuckartletsdance

traeumtsichWuensche sagte:
"die ihre Mundwinkel heute hinter sich her zieht" - grandioses Bild!

Ja, schön das sprachliche Bilder so viel schöner sein können als physische oder? ;)

traeumtsichWuensche
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Mag ich Mag ich nicht

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12.02.2012 - 13:52 Uhr
traeumtsichWuensche

Ob nun Farben oder Worte - große Kunst!


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