Die Typologie der Esser
Das Essen in Gesellschaft ist nicht nur sinnlich sehr interessant, sondern auch menschlich. Wir stellen dir fünf Esser vor, denen du zu Tisch begegnest.

1. Der Gabelparker
Die Pose: Der Gabelparker behandelt sein Essen, als bestehe es aus lauter kleinen Teilchen, die es möglichst hübsch zu sortieren gelte. Das Besteck bewegt er flink und im steilen Winkel über den Teller. Doch statt die volle Gabel schließlich auch zum Mund zu führen, parkt er sie erst minutenlang auf Brusthöhe, um in Ruhe mit seinen Mitsitzern zu plänkeln. Allen am Tisch fällt ein Stein vom Herzen, wenn er seine erkaltete Portion zwischen die Lippen schiebt und sie nach langen, reklameartigen Kaubewegungen endlich herunterschluckt.
Was er mit der Pose sagen will: Kinder, Essen ist ein gesellschaftliches Event und ich brilliere in dieser Disziplin. Der Akt der Nahrungsaufnahme ist doch heutzutage zweitrangig - es geht längst nicht mehr darum, dass man isst, sondern wie man es tut!
Was er wirklich denkt: Die Leute sehen beim Essen aus wie Tiere. Mir wäre das unangenehm. Abgesehen davon: Das Meiste setzt sich so, wie es ist, auf die Hüfte.
Was die Tischgemeinschaft denkt: Wenn der nachher das Tiramisu mit Worten wie: „Ich bin einfach kein Dessertmensch" ablehnt, dann stopfe ich mir meine UND seine Portion gleichzeitig in den Mund und hoffe, dass er das Bild nie wieder vergisst.
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