"Ich bin Alexanderplatz"
Den vom Arabischen und Türkischen beeinflussten Jugendslang der Großstädte lehnen viele Menschen ab. Zu Unrecht, sagt Sprachwissenschaftlerin Heike Wiese.
Diesen Text aus der Süddeutschen Zeitung kannst du hier leider nicht mehr lesen, er ist aber noch im Archiv der Süddeutschen Zeitung zu finden.- Null Punkte für die Meinungsfreiheit 25.05.2012
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Ein Satz wie "Ich bin Thomas Mann" ist in 99% der Fälle aber eben bestenfalls missverständlich, im schlechtesten Falle einfach nur falsch.
Außerdem stößt das Kiezdeutsch ja nicht ergänzend zur deutschen Sprache dazu, es ersetzt sie in manchen Milieus. Das heißt Wörter, Redewendungen, vieles, was den Reichtum der Sprache ausmacht, verschwindet und wird durch eine eher karge Pidgin-Variante abgelöst.
Ich glaube nicht, dass es viel Sinn hat, dagegen anzukämpfen, weil Menschen nun mal so ökonomisch sprechen, wie es nur geht. Aber ein bisschen kritisch darf man es schon auch sehen.
Ich spreche Hochdeutsch, aus meiner Familie, und Dialekt, aus der Umgebung, in der ich aufgewachsen bin. Beides hat nichts mit Gesellschaftschichten zu tun, es sind einfach zwei sehr ähnliche Sprachen.
Kiezdeutsch, Kanaksprak, ist aber die Sprache der Nichtintegrierten, der Verlierer. Es wird nur von Leuten benutzt, die mit ihrem Gangsta-Ghetto-Image aus Versagen und Gewalt kokettieren müssen, oder von den armen Menschen, die nie eine Chance hatten, etwas anderes zu lernen.
Niemand, der es anders kann, benutzt dieses Idiom, und das ist der fundamentale Unterschied zu sächsisch, plattdeutsch, oder schwäbisch. Die Frau Professor negiert mit ihrer Aufwertung die existenziellen Probleme dieser Kiez-Sprecher, und das finde ich sehr erbärmlich.
trachtenjankerl sagte:
Niemand, der es anders kann, benutzt dieses Idiom, und das ist der fundamentale Unterschied zu sächsisch, plattdeutsch, oder schwäbisch.
Ist das wirklich so? Auch wenn jemand, der eigentlich Standarddeutsch spräche mit seinen Kumpels im Kiez redet? Kann ich mir nicht vorstellen. Wer mit "Kiezdeutsch" aufgewachsen ist und es (trotzdem) geschafft hat, sich Standarddeutsch anzueignen, der wird es auch schaffen, nach Bedarf zwischen diesen Sprachebenen zu wechseln. Ich sehe da schon eine enge Verwandtschaft zu Dialekten.
ernstgemeinte frage?
ich finde ja den auadruck "dialekt" nicht ganz passend gewählt.
ich bin zwar sprachwissenschaftlich ungebildet, allerdings sehe ich den regionalen unterscheid zwischen z.b kreuzberg und, was weiß ich, hasenbergl, eher in der verwendung mancher wörter (moruk/lan) mit ähnlicher bedeutung
sprachmelodie und grammatik wiederum unterscheiden sich, im gegensatz zu manchen dialekten, nicht unbedingt voneinander.
was mich wundert, ist, dass nicht näher auf das weglassen von artikeln (aus dem türkischen) eingegangen wird, das in der altersgruppe bis ca. 16 jahren von einem großteil der jugendlichen übernommen wurde mittlerweile.
voiceofregret sagte:
was mich wundert, ist, dass nicht näher auf das weglassen von artikeln (aus dem türkischen) eingegangen wird, das in der altersgruppe bis ca. 16 jahren von einem großteil der jugendlichen übernommen wurde mittlerweile.
Das Buch soll sich ja auch verkaufen, da steht sicher was darüber drin. Hier haben sie halt dafür das Weglassen von Präpositionen erwähnt.
voiceofregret sagte:
ich finde ja den auadruck "dialekt" nicht ganz passend gewählt.
ich bin zwar sprachwissenschaftlich ungebildet, allerdings sehe ich den regionalen unterscheid zwischen z.b kreuzberg und, was weiß ich, hasenbergl, eher in der verwendung mancher wörter (moruk/lan) mit ähnlicher bedeutung
Sehe ich ähnlich. Ein Dialekt ist ja normalerweise regional beschränkt. Hier ist die Beschränkung eher eine soziale als eine regionale.
Und -- wie Eisengrau schon gesagt hat -- wird es dann problematisch, wenn Kiezdeutsch das Hochdeutsch ersetzt, d.h. wenn die Menschen nicht in der Lage sind, Hochdeutsch zu sprechen.
Abgesehen davon finde ich das Kiezdeutsch einfach nicht schön. Es hört sich für mich unästhetisch an.
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8
07.02.2012 - 18:34 Uhr
shafty
und ich finde es großartig, dass man sich diesem thema einfach mit neugierde und offenheit nähern kann ohne sofort in diesen reflex zu verfallen, dahinter den niedergang des abendlandes zu wittern.
gefällt mir.