Von Bären und Käse-Nachos
Die Berlinale 2012 steht an. Ab Donnerstag wird die deutsche Bundeshauptstadt für anderthalb Wochen zum Mekka für promigeile Autogrammjäger und filmverrückte Eskapisten. Aber dort muss man sich erst mal zurecht finden. Damit das leichter fällt: Unser ABC zum Festival.

A wie Anton Corbijn
Der große Anton Corbijn, der in diesem Jahr die Berlinale-Jury beehrt, ist nicht nur Filmemacher („Control“ über das Leben von Joy-Division-Sänger Ian Curtis oder „The American“ mit George Clooney), sondern einer der größten und einflussreichsten Foto- und Videografen der Popmusik, der nicht als Haus- und Hof-Fotograf für große Bands wie Depeche Mode und U2 gilt, sondern auch regelmäßig mit Leuten wie den Rolling Stones und Herbert Grönemeyer zusammenarbeitet. Mit „Anton Corbijn Inside Out“ läuft zudem eine interessante Dokumentation über das künstlerische Schaffen des Niederländers im Berlinale Special.
B wie Bären
Im Zentrum der Berlinale steht natürlich wieder der harte Kampf um das güldene Wappentier der Bundeshauptstadt, dem sich in diesem Jahr 18 Filme stellen. In den vergangenen Jahren waren es häufig Filme, die vor Festivalbeginn kaum jemand auf dem Zettel hatte wie den letztjährigen Gewinner „Nader und Simin – eine Trennung“ aus dem Iran. Wer trotzdem einen Tipp abgeben möchte, begebe sich vorab in das Wettbüro seines Vertrauens.
C wie „Cherry“
Im Film „Cherry“ von Stephen Elliot entflieht die 18-jährige Angelina der Enge ihrer dysfunktionalen Familie und landet im Pornobusiness. Das klingt doch nach einer packenden Mischung aus Unterschichtenfernsehen a la „Berlin – Tag & Nacht“ und Michaela Schaffraths Enthüllungsbuch „Ich, Gina Wild“ – sollte man auf keinen Fall verpassen!
D wie Dokumentationen
Ein oftmals leider viel zu wenig beachtetes Genre, das im vergangenen Jahr mit Wim Wenders „Pina“ immerhin einen Oscar-Anwärter für 2012 hervorgebracht hat. Die Doku „König des Comics“ über Comic-Zeichner Ralf König („Der bewegte Mann“), „Marley“ über Reggae-Ikone Bob Marley oder „Blut muss fließen“ über einen Undercover-Aufenthalt unter Rechtsrock-Bands versprechen jedoch alles andere als langweilig zu werden.
E wie „Extremely Loud And Incredible Close“
Der Film mit Tom Hanks und Sandra Bullock über einen Jungen und seine Wahrnehmung der Geschehnisse vom 11. September 2001 läuft zwar im Rahmen der Wettbewerbs-Sektion, allerdings außer Konkurrenz und startet bereits vor Ende der Berlinale, nämlich am 16. Februar regulär in den Kinos. Quatsch also, sich den Film bei Interesse bereits während des Festivals anzusehen.
F wie Filmfestival
Ja, die Berlinale ist ein Filmfestival; und zwar eines, das sich vor der Konkurrenz in Cannes & Co. nicht verstecken braucht. Sicherlich, vor allem das Wetter ist nicht gerade filmreif. Aber auf der anderen Seite: Wer hat schon Bock, bei strahlendem Sonnenschein und tropischen Temperaturen im Kino zu sitzen? Eben.
G wie Geburtstag
In diesem Jahr gibt es eine Sonderreihe anlässlich des 100. Jubiläums des Studio Babelsbergs. Im Zuge dessen werden dort produzierte Filmklassiker wie „Der blaue Engel“ (1929/30) mit Marlene Dietrich, „Sonnenallee“ (1999) und „Der Vorleser“ (2008) mit Kate Winslet noch einmal auf der großen Leinwand gezeigt.
H wie „Haywire“
Das neue Werk von Steven Soderbergh läuft ebenfalls außer Konkurrenz, lockt aber nicht nur Oscar-Anwärter Michael Fassbender und Ewan McGregor nach Berlin, sondern verspricht auch ein wahres Action-Feuerwerk zu werden: Martial-Arts-Heldin Gina Carano kämpft in diesem temporeichen Action-Thriller als „gefährlichste Waffe Amerikas“ gegen die stärksten Männer der Agentenwelt.
I wie „In The Land Of Blood And Honey“
Angelina Jolies Regiedebüt über die Zustände während des Bosnienkrieges ist von der amerikanischen Kritik eher mäßig euphorisch aufgenommen worden. Schauspiel- und Regie-Ikone Clint Eastwood, mit dem Jolie bereits gedreht hat, hat sich hingegen positiv geäußert und zu Protokoll gegeben: „Er hat mir wirklich gut gefallen.“
J wie Jury
In jedem Jahr gilt es für die Berlinale-Verantwortlichen, eine Jury zusammenzustellen, die cineastische Kompetenz und Prominenz gleichermaßen verkörpert. Mit Regisseur und Jury-Präsident Mike Leigh, dem algerischen Schriftsteller Boualem Sansal, den Filmemachern François Ozon, Asghar Farhadi und Anton Corbijn sowie den Schauspielern Charlotte Gainsbourg, Jake Gyllenhaal und Barbara Surkowa scheint die Mischung in diesem Jahr ziemlich gut geglückt zu sein.
K wie Kosslick
Seit dem 1. Mai 2001 ist Dieter Kosslick Leiter der Berlinale. Natürlich gibt es immer auch Kritiker, die sein Werken und Wirken in Frage stellen. Nichtsdestotrotz ist es Kosslick während seiner Amtszeit gelungen, die Berlinale zu einem der fünf wichtigsten Filmfestivals der Welt zu machen und immer wieder hochkarätige Filme und Hollywood-Stars an die Spree zu locken.
L wie Leinwände
Die Leinwände, auf denen die zahlreichen Berlinale-Filme gezeigt werden, stehen zu großen Teilen am Potsdamer Platz, aber auch Kinos am Zoo, in Friedrichshain, Neukölln oder Prenzl’berg bieten das volle Festivalprogramm. Die Adressen der Berlinale-Kinos findet ihr hier.
M wie „My Brother The Devil“
In diesem englisch-arabischen Beitrag von Sally El Hasani geht es um zwei Brüder in London. Für den 14-jährigen Mo ist sein drogendealender Bruder Rashid ein Vorbild. Doch als Letzterer eines Tages beschließt, sein Leben radikal zu ändern, ist Mo bereits dermaßen „versaut“, dass er den Lebenswandel nicht mitmachen will. Klingt spannend, könnte ein Geheimtipp sein.
N wie Nachos
Das Berlinale-Publikum ist ein anderes als das herkömmliche Publikum. Sicherlich, jedes Berlinale-Kino bietet sämtliche normalen Kino-Snacks und -Getränke feil, doch wenn der Geruch des überbackenen Käses auf den Nachos in die Nasenflügel der Sitznachbarn dringt und das Knarzen von Mais-Chips mit der Originalsprache auf der Leinwand verschwimmt, ist schnell schlechte Laune angesagt und Pöbeleien von rechts und links sind an der Tagesordnung. Wenn man kein Risiko eingehen will, während des Films gemobbt zu werden, sollte man sich auf Flüssignahrung beschränken.
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