Sonntagspredigt, vom 05.02.2012
Aufgrund meines Lebenslaufes und meiner Lebensweise gab es für mich bisher schlicht keinen Grund an Gott zu glauben, oder in die Kirche zu gehen.Meine Eltern traten kurze Zeit vor ihrer Hochzeit aus der Kirche aus. Infolge dessen fand die Trauung lediglich im Standesamt und ohne die Eltern meines Vaters statt.
Ihre vier Kinder tauften sie nicht, was damals noch nicht all zu häufig vorkam. In einer schwäbischen Kleinstadt waren wir somit eher Sonderlinge, denn außer uns gingen nur die drei türkischen Kinder Kinder mit Migrationshintergrund nicht in den Religionsunterricht und den Schulgottesdienst. Die Klassenkameraden fragten uns, ob wir Heidenkinder seien.
Da ich also ein Unterrichtsfach weniger hatte, musste ich freitags erst um neun Uhr zur Schule lostigern, worauf die anderen Kinder meist neidisch waren. Sonntags mussten wir nicht in den Gottesdienst und ich verpasste Löwenzahn und Siebenstein nicht. Hauptsächlich erschien mir das alles als sehr vorteilhaft. Es gab aber auch Momente in denen ich mich deswegen etwas ausgeschlossen fühlte.
Dass es handfeste Nachteile hätte, nicht getauft zu sein, glaubte ich als ich zur Erstkommunion meiner besten Freundin eingeladen war. Sie bekam unglaublich viele Geschenke.
Bis hin zur 7ten Klasse hatte ich absolut keine Ahnung von Religion. Nein, schlimmer noch. Ich hatte eine schlechte Meinung von Religion, obwohl ich absolut keine Ahnung von ihr hatte.
Mein Vater war ein absoluter Gegner. Nicht nur Gegner der Institution Kirche. Gegner jeglicher Art von Religion.
Als Kind hatte ich bis dahin nur nachmachen können, was mir vorgelebt wurde.
Mein älterer Bruder hatte sich als einziger von uns Vieren dazu entschlossen ab der 5ten Klasse den Religionsunterricht freiwillig zu besuchen. Er war Klassenbester. Trotzdem, oder gerade deshalb stellte er sich nach der Schule, bis heute absolut und konsequent gegen die Kirche.
Mit dem Ethikunterricht in der siebten Klasse fügten sich dann Bilder, die ich in der Kirche gesehen hatte, religiöse Phrasen und Namen von denen ich wusste zu einem kleinen Ganzen – Grundwissen.
Die Ethiklehrerin war sehr bemüht uns über jede Religion gleichermaßen zu informieren.
Und ich hatte das Gefühl mir jetzt die Beste herauspicken zu können um mich ihr anzuschließen.
Ich war lange davon überzeugt, dass es ein großer Vorteil ist, nicht getauft zu sein.
Am Anfang des Ethikunterrichts fragte die Lehrerin nach: Dreimal Islam, einmal Buddhismus und zwei aus der katholischen Religion hatten sich „getraut“ in Ethik zu wechseln. Ich sagte auf die Frage meiner Religionsangehörigkeit: Ich weiß nicht, ich bin einfach nicht getauft.
Ohne Konfession, sagte sie. O.K. Du bist ok.
Ok, aber irgendwann kam der Augenblick in dem ich nicht mehr stolz darauf war, ohne Glauben zu sein.
Egal ob katholisch, oder evangelisch. Der Islam, oder der Buddhismus. Und so sehr sie auch tönten, wie langweilig der Unterricht sei und sie ja sowieso nicht freiwillig in die Kirche gehen würden - Sie glaubten. Mehr, oder weniger. Und ich wollte mit glauben.
Manchmal nahm ich mir vor: Ab jetzt glaube ich an Gott. Oder ab morgen,… oder nächsten Montag. Aber dann wirklich!
Funktioniert hat es – wen wundert es – nicht. Was mich allerdings heute wundert ist, dass ich dieses Vorhaben hatte, weil ich mir davon versprach, dass es mir als gläubiger Mensch viel besser gehen würde. – Trotz der Vorbehalte die ich von Haus aus hatte.
Einige Jahre erlebte ich in diesem zu Hause leider Dinge, an denen ich verzweifelte. Dinge die für mich furchtbar und unbegreiflich waren. Eine Krankheit die nicht greifbar war. Und eine Familie, die unter Schmerzen und Schreien kaputt ging.
Ich hätte gerne etwas gehabt, an das ich hätte glauben können.
Irgendwann zu dieser Zeit hatte mir jemand geraten, an mich selbst zu glauben. Und das zu „meiner Religion“ zu machen.
Aber den Glauben an mich hatte ich bereits verloren.
Der Gedankenanstoß, dass man nicht nur an einen Gott glauben kann, ließ mich erkennen, dass auch mein Vater an etwas festhielt. Ich sah ihn nun als gläubigen Atheisten. Er steckte durchaus mehr Energie und Freizeit in seine Überzeugung des Atheismus, als so mancher Christ in seine Verbindung zu Gott.
Er brannte für dieses Thema. Las unzählige Bücher darüber, kannte die Bibel sehr gut, besuchte Vorträge, beteiligte sich an Podiumsdiskussionen und schrieb massenhaft Leserbriefe.
Als sich einige Jahre später meine Mutter endgültig von ihm trennte, suchte er für einige Wochen im Jahr Ruhe in einem Kloster. Er suchte Trost in den Gesprächen mit den Geistlichen, besuchte die Gottesdienste und kehrte mit einem Kreuz um den Hals hängend zurück.
Jeder der davon hörte und ihn kannte, war einigermaßen verwirrt. Die Zeit seiner Klosterbesuche dauerte etwa zwei Jahre. Heute sagt er darüber, er wollte lediglich Ruhe haben. An seinem Glauben, oder eben Nichtglauben hätte das nichts geändert.
Und tatsächlich ist er diesbezüglich heute wieder der Alte.
Schlussendlich bleibt noch eine Tatsache die ich für erwähnenswert halte, was meine vermeintliche Beziehung zu Gott schon von Anfang an unter keinen guten Stern stehen lies:
Meine Homosexualität.
Die ist mir mehr oder weniger bekannt, seitdem Mary Poppins in mein Leben trat.
Die Erkenntnis, dass "Das" einen Namen hat erfolgte erst später. Etwa zeitgleich damit, dass ich erfuhr, dass „Der da oben“, bzw. seine Vertreter hier unten ein ziemliches Problem damit haben. Sicherlich ein bedeutender Grund, warum ich mich bisher mit der Religion im Allgemeinen nicht anfreunden konnte. Aber nicht der Grund, den Glauben an einen Gott zu verneinen, denn sonst müsste ich wohlmöglich den Glauben an die Menschheit im Allgemeinen verneinen.
Eine Bibel hatte ich bisher nur im Urlaub in der Hand. Wer kennt sie nicht, die Bibel im Nachttisch. Manchmal blättere ich darin herum, lese hier und da ein paar Zeilen. In meinem letzten Urlaub schlug ich die Stelle auf – ich kann es nur noch Sinngemäß wiedergeben: Es ist nie zu spät, zum Glauben zu bekehren.
Nach jahrelangem lernen des Nichtgläubig sein – Ist es das? Könnte mein Verstand das überhaupt noch zulassen? Kann ich es lernen? Und wenn ja, will ich es wirklich?
An eine spontane Erleuchtung von oben glaube ich nicht. Aber eines weiß ich: in der letzten Woche ging es mir schlecht. Und da mir in meiner Wohnung die Decke auf den Kopf fiel ging ich spazieren. Unterwegs kam mir die Idee, dass ich mich in eine Kirche zurückziehen könnte. Draußen ist es zurzeit einfach zu kalt um sich auf eine Bank zu setzen und in der gewohnten Umgebung fällt es mir oft schwer, in den traurigen Gedanken nicht zu versumpfen. Also habe ich mich in eine Kirche gesetzt. Genauer gesagt in ein großes Münster. Es war früh am morgen und ich befand mich auf den ersten Blick ganz allein in diesem gigantischen Bauwerk. Ich setzte mich auf eine Bank direkt vor fünf Kerzen, die Besucher vor mir ganz früh an diesem morgen schon angezündet hatten.
Ich erhielt weder eine Eingebung, noch kam ich in dieser guten Stunde die ich dort saß, auf eine Lösung meiner Probleme. Aber es war still. Kein Martinshorn und Verkehrslärm, kein Hausmeister, der die Mülltonnen vors Haus stellt und kein Nachbar, der zu laut Musik hört. Nicht in meiner Wohnung zu sein, kein Fernsehprogramm anschalten zu können, oder einen Radiosender der mich ablenken soll, kein Bett, in das ich mich mit Sicherheit verkriechen würde -
einfach nur in völliger Ruhe sitzen und nachdenken, tat gut.
Als ich aufstand um zu gehen, sah ich eine ältere Frau, die im anderen Flügel der Kirche saß. Vielleicht hatten wir uns die Stille die ganze Zeit geteilt, oder ich war so in Gedanken gewesen, dass ich die schweren Türen nicht zufallen gehört hatte.
Nachdem ich so lange zu den Kerzen geschaut hatte, zündete ich dann auch noch eine an. Die waren allesamt dünn und klein und standen ziemlich schief in ihrer Halterung. Doch sie würde es schon schaffen für mich vor Ort die Stellung halten. Anstatt der geforderten 50 Cent warf ich aber nur zwei ein, das schien mir in etwa der Einkaufswert der Kerze zu sein.
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".....Alles, alles geht vorbei oder: Die nich
Prof.Dr.Lothar Steiger
i. Korinther 13 / Estomihi) i.März 1992. Peterskirche Heidelberg
Liebe Gemeinde!
Villeicht haste dir ooch schon jefracht, warumde anjeredet wirst mit »liebe Jemeinde« und hast dir int
stillen jesacht: Ick hör imma »liebe«; erstens bin ick nich lieb; zweetens will ick ooch nich imma lieb
sein, wa; un drittens: Wat heeßt hier iebahaupt Liebe? - Det trifft sich jut. Denn heute is dran det
Hohe Lied der Liebe, vom Liedamacha Paulus, wie et uffjeschriem steht in ersten Brief an seine
Pappenheimer die Korinther, in dem Kapitel mit der Glückszahl dreizehn. Wenn ich mit Menschen-
und mit Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht, du weeßt schon. - Bloß das nich, sachste
nu, det is ma zehoch! - Regda ab, sar ick, det machen wa so, wie der Heidenapostel et jemacht hat,
wenn der seine Bibel, det Alte Testament wa, zitierte, hatta Sätze von sich zwischenmang geschohm,
für uns Dussel, damit wa's vastehn, det nennt man jelehrt Glossen, wenn eena seine Zunge zwischen
die Wörter reinklemmt, ehe det weiterjeht in Text, also dafür muß Platz sein, inner Bibel imma. Un der
olle Luther, wie der jung war un Vorlesungen jehalten hat bei die Studenten, denn hatta det ooch
jemacht un nich so wie heute, wo man erst die Bibel ex-und runtermacht inne Exejese un
anschließend fracht: Kamman det heute noch saren. Nee, der Dokta der Heilijen Schrift, der machte
buchstäblich mit der Schrift runter un jebrauchte die Buchstaben und Wörta wie een Jeländer,
wennde ne Treppe runterjehst in Dunkeln, Stufe für Stufe, rückwärts villeicht wie'n kleenet Kind, det
die Buchstaben janz unten anfassen tut, un wenn du et schwer am Kreuz hast, mit die Bandscheiben
usw.usw.usw.Amen!! ......"
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07.02.2012 - 20:29 Uhr
Aljeex