Ist Griechenland wirklich an der Krise schuld ?
Können die Griechen wirklich etwas für ihre Krise ? Schauen wir uns das ganze mal genauer an. 2010 sah die Situation von Griechenland ungefähr so aus:BIP 228 Mrd. Euro
Haushaltseinnahmen 90 Mrd. Euro
Schulden 24 Mrd. Euro
Gesamthaushalt 114 Mrd. Euro
Das ergibt im Vergleich zum BIP eine Neuverschuldung von über zehn Prozent. Das führte zur Abwertung. Aber woher kam das ? Griechenland hatte in den Jahren 2000 bis 2007 ein sehr gutes Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 4,2 %, lediglich die Jahre 2002 (3,4 %) und 2005 (2,3 %) waren niedriger. 2008 gab es nur noch 1,3 %, 2009 gab es schon Rezession mit -2,3 % und 2010 geschätzt minus 4,2 %. Nehmen wir mal kurz an es hätte die Finanzkrise nicht gegeben, dann wäre das Wachstum von Griechenland wahrscheinlich weiter gegangen. Schauen wir uns also in der Prognose die Entwicklung Griechenlands bis 2010 an, wenn das Wachstum nicht abgestürzt wäre.
2007 lag das BIP bei 219 Mrd, wenn wir ein weiteres Wachstum von 4 Prozent unterstellen, dann wäre das BIP in 2010 ungefähr bei 246 Mrd. gelegen. Alleine damit wäre die Verschuldung knapp unter zehn Prozent gelegen. Aber die Rezession hat natürlich auch Auswirkungen auf die Einnahmen. Diese lagen 2007 bei 40,8 % also etwa bei 90 Mrd. Was wir hier sehen ist, dass die Einnahmen bis 2010 konstant blieben, während sie bis 2007 mit dem BIP wuchsen. Hoch gerechnet würde dies bei einem BIP von 246 Mrd. und einem Anteil der Einnahmen von 40 % einen prognostizierten Wert für 2010 von ca. 98 Mrd. geben. Damit hätten sich die Neuschulden in 2010 auf 16 Mrd. Euro verringert (24 Mrd. minus 8 Mrd. zusätzliche Einnahmen durch Wachstum) und damit auf 6,5 %. Das ist zwar hoch, aber exact der Wert von 2007 und wir sehen eindeutig:
Die Schieflage und Abwertung des griechischen Staates ist einzig und alleine eine Folge der Finanzkrise !
Was sind nun die Gegenmaßnahmen. Alle Finanz"weisen" sind sich einig, Griechenland ist in der Produktion der Waren zu teuer. Man bräuchte eigentlich eine Abwertung der griechischen Währung, damit die Waren im Ausland billiger werden. Und was macht die EU und der internationale Währungsfond ? Sie legen Griechenland ein Sparprogramm auf, was unter anderem höhere Steuern und niedrigere Subventionen bedeutet. Das aber führt zu einer Verteuerung der Produktion von Waren, denn wenn man höhere Steuern zahlen muss und weniger Subventionen bekommt, dann wird die Produktion zwangsläufig teurer.
Die EU und der internationale Währungsfonds treiben Griechenland mit ihren Vorgaben immer weiter in die Rezession.
Und das haben wir oben schon gelernt, die Rezession treibt Griechenland weiter tief in die Abwertungsspirale, da das einzige Kriterium für die Bonität die Verschuldung im Vergleich zum BIP und damit auch zum Wachstum ist. Damit aber verbieten sich Konjunkturpakete angeschlagener Staaten ja gerade zu. Ein zweites Kriterium bei Verschuldung sind aber die Sicherheiten. Also bei Staaten sind das Betriebe, Organisationen und Werte im Besitz des Staates, die man privatisieren könnte. Dies wird aber gar nicht berücksichtigt bzw. es gibt in Griechenland kein richtiges Katastersystem, also ein Grundbuchamt, das darüber Auskunft gibt, wem der Grund und Boden gehört. Das wird gerade erst aufgebaut.
Wie aber kann ein Land in der EU sein, das kein Katastersystem hat ?
Was sind das denn für bescheuerte Aufnahmekriterien ?
Kommen wir zum letzten interessanten Punkt. Die europäischen Staaten regen sich regelmäßig über die Abwertungen von Staaten durch die amerikanischen Rating-Agenturen und damit über deren Macht auf. Zu Recht ? Nun die europäischen Staaten haben den Ratingagenturen selbst diese Macht gegeben. Versicherungen und Pensionsfonds zum Beispiel sind gezwungen Staatsanleihen zu verkaufen, wenn das Rating unter einen bestimmten Wert fällt. Wenn man also dieses Rating für falsch hält, warum verpflichtet man dann Marktteilnehmer nicht in Anleihen zu investieren, wenn diese unter ein bestimmtes Rating fallen ?
Und nun kommen wir noch einmal zurück zur Finanzkrise. Hätten die Ratingagenturen die Immobilienkredite damals richtig bewertet, dann hätten viele europäische Investoren gar nicht investieren dürfen. Kann es also sein, dass durch solche Pflicht-Mechanismen bewusst bestimmte Ratings zu Stande kommen ? Man muss also nur Länder über eine Klippe treiben um einen Dominoeffekt auszulösen und man muss Ratings nur vor der Klippe halten, damit andere noch darin investieren. Und wenn dem so ist, dann haben alle unsere Volksvertreter gehörigen Anteil an dieser Krise, denn sie geben den Rating-Agenturen erst überhaupt ihre Macht.
Die Bewältigung der Krise ist nur mit einem Wort zu beschreiben: Erbärmlich !
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