Eine Zugfahrt
Ich sitze im Zug nach Oslo. Soeben haben wir den 10 Kilometer langen Finsetunnelen passiert. Tunnels sind in Norwegen allgegenwärtig. Um vom einen ins andere Tal zu gelangen, kletterte man früher über die Berge oder fuhr mit dem Schiff Fjordaus-Fjordein. Heute werden überall Tunnel in die Felsen gebohrt. Das ist praktisch, denn in den Tunnels schneit es nicht. Im Gegensatz zu einigen Passstraßen die teilweise nur im Konvoi befahren werden können. Räumfahrzeug voraus – PKW und LKW dahinter. Auf dem Passgipfel folgt man einem anderen Räumfahrzeug den Pass wieder nach unten. Da sitze ich doch lieber gemütlich im Zug und schaue hinaus in die winterliche Landschaft, wenn nicht wieder Tunnelwände oder Schneeschutzgalerien meinen Blick versperren.
Wir halten in Finse. Das ist der höchste Punkt der Bahnreise. 1222 über dem Meer liegt Norwegens höchster Bahnhof. Hier hält der Zug in der Regel für eine Zigarettenlänge. Ungeduldig stehen dann Leute an der Tür und wollen raus zum Rauchen. Bei 14° Minus und heftigem Schneetreiben bin ich froh, dass ich Nichtraucher bin. Ich schlürfe genüsslich eine Tasse Tee und schaue mir die bibbernden Räuchergestalten an. Ist Rauchen wirklich ein Genuss? Sogar unter diesen Umständen? Meine Vorstellungskraft hat diesbezüglich Grenzen. Und dann der kalte ekelige Rauch, den die Lungenköhler mit reinbringen... Bäh! Nix für mich.
Der Zug setzt sich wieder in Bewegung. Draußen toben die Schneeflocken. Ich sitze im warmen Zug und genieße die Fahrt.
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05.02.2012 - 13:47 Uhr
josiflosi