„Ich schreibe alle Vorlesungen mit der Hand ab“
Klausurenzeit an den Hochschulen: Die einen machen sich Karteikarten, die anderen erstellen Mindmaps, jeder hat beim Lernen sein eigenes System. Eine Umfrage

Vincenz, 21, VWL im fünften Semester
Bevorstehende Klausuren: eine im Fach Makroökonomik III
Lernt am besten: In der Bibliothek. „Ich schreibe alle Vorlesungen immer wieder mit der Hand ab, weil ich dabei am besten lerne. Darum schreibe ich von morgens bis abends eigentlich nur. Ich hasse Auswendiglernen, aber in meinem Fach muss ich das auch nicht so oft“, erzählt Vincenz und ist zuversichtlich, dass er den Stoff auch langfristig behält: „Weil ich jetzt nur eine Klausur schreibe, bleibt hoffentlich ausnahmsweise mal viel hängen.“
Gerade gelernt: „,In Demokratien gibt es immer Inflations-Buyers.‘ Das ist, wenn man eine höhere Inflation hat als eigentlich notwendig wäre.“

Melanie, 19, Ethnologie und Sprache, Literatur, Kultur im ersten Semester
Bevorstehende Klausuren: Sechs. „Am schlimmsten werden Linguistik und Literatur aus meinem Nebenfach, weil ich da besonders viel auswendig lernen muss.“
Lernt am besten: Nachts und allein oder in der Bibliothek. „Ich fasse den Stoff am Computer zusammen und drucke alles aus. Das Unwichtige lasse ich gleich weg, was übrig ist, lerne ich auswendig und wende es an Beispielen an. Nur Definitionen kann man eigentlich bloß auswendig lernen“, erzählt Melanie. Momentan lernt sie für vier Fächer parallel, weil sie jeden Tag eine Klausur schreibt. Ob von dem ganzen Stoff auch was hängen bleibt? „Bei der Probeklausur hätte ich sehr gut abgeschnitten. Bisher habe ich also noch nicht alles vergessen.“
Gerade gelernt: „Die Oberdefinition von Kultur: ‚Kultur und Zivilisation sind im ethnografischen Sinne Moral, Sitte, Gesetz und alle Angewohnheiten und Fähigkeiten, die sich der Mensch als Mitglied angeeignet hat.‘“

Anna, 24, Volkskunde im ersten Semester
Bevorstehende Klausuren: Vier. „Ich muss Prioritäten setzen und lerne fast nur für meine GOP (Grundlagen- und Orientierungsprüfung) in Volkskunde und mache die Hausarbeiten fertig, die ich noch abgeben muss. Für die GOP haben wir sehr viel Stoff und man kann sie nur einmal wiederholen.“
Lernt am besten: Nach der Uni mit einer Kommilitonin in der Bibliothek. „Ohne Mindmaps kann ich nicht lernen. Ich strukturiere den ganzen Stoff in Oberbegriffe wie Definitionen, Vertreter, Politik und schreibe nicht stur eine Vorlesung nach der anderen ab. Die Oberbegriffe schreibe ich dann auf Karteikarten.“ Mit ihrem System hat Anna keine Angst, dass sie gleich wieder alles vergisst: „Zumindest die Grundzüge kann ich mir bestimmt auch länger merken.“
Gerade gelernt: „Clifford Geertz’ semiotischen Kulturbegriff, der Kultur als vom Menschen selbstkonstruiertes Gewebe‘ versteht.“
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