02.02.2012 - 18:30 Uhr

10 36 Über Twitter weiterempfehlen

„Humor ist wie große Möpse“

Text: kathrin-hollmer - Foto: Maja Rieck

Caro Korneli entlarvt bei ihren Straßen-Interviews für die Satiresendung Extra3 Passanten und Politiker. Wir haben mit ihr über das Wesen eines Außenreporters, ihre heimliche Verehrung für Angela Merkel und den Wunsch nach größeren Brüsten gesprochen.

Caro Kornelis Videos als Außenreporterin in der NDR-Satiresendung „Extra3“ haben sich zum Youtube-Dauerbrenner entwickelt. Auf der Straße lässt die 30-Jährige von der „religiösen Verblendung“ Apple abschwören und verhandelt mit der „Radikalen Terror Liga“ RTL wegen der Geiselnahme „der gesamten deutschen Unterschicht“ im „Dschungelcamp“. Sie schafft es, dass die Leute bedenkenlos zustimmen, ob sie nun behauptet, dass Guttenberg „die Massen wie kein anderer Politiker seit den dreißiger Jahren begeistert“ oder dass man linke Abgeordnete unbedingt abhören muss. Vor der Zeit beim NDR war Caro Korneli Außenreporterin im Team von Harald Schmidt und wurde für die  Fernsehsendung „TV Helden“ mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Neben den Clips für „Extra3“ schreibt sie gerade an einem Buch, macht eine Kolumne und zwei Sendungen bei Radio Fritz und kümmert sich um ihre beiden Kinder.  

Caro Korneli schafft es, dass Passanten und Politiker sich selbst entlarven.

jetzt.de: Wir kennen dich vor allem als Reporterin in der NDR-Satiresendung „Extra3“. Wie funktioniert Satire?

Caro Korneli: Du willst ja wirklich von mir wissen, wie Satire funktioniert. Da hast du mich kalt erwischt. Bekomme ich einen Telefon-Joker?  

Leider nein.

Es gibt bestimmt eine richtige Definition dafür, aber bei „Extra3“ funktioniert es so, dass wir auf einen Missstand zeigen und den so stark überhöhen, dass jedem auffallen muss, dass hier was nicht stimmt.  

Wie sieht das konkret aus?

In der Sendung gestern ging es um die Überwachung von 27 Abgeordneten der Linken durch den Verfassungsschutz. Wir haben das Thema einfach umgedreht und gesagt, dass der Verfassungsschutz die Linken natürlich beobachten muss, weil die ja wahnsinnig gefährlich sind. Dann sind wir durch die Stadt gelaufen und haben Beweise dafür gesucht, dass die Linken überall sind – und natürlich auch gefunden. Ich sage nur so viel: Auch das Internet ist komplett infiltriert. Alles voller Links. Bei Günther Jauch war ein CSU-Heini, der in seiner schneidigen Politiker-Manier ganz ernsthaft gesagt hat, die Linken seien echt gefährlich. Das ist dann ein Fall von Real-Satire. Der hat das richtig ernst gemeint.

Willst du mit Satire Kritik üben?
Mit Satire kann man ganz toll Sachen, die nerven, anprangern. Ein Film war ziemlich beliebt, da waren wir bei der CDU-Medianight. Dass ich wirklich einen CDU-Politiker dazu gebracht habe, sich selbst zu entlarven, dass er keine Ahnung von seinem eigenen Metier hat, ist einfach großartig. Ich habe gemerkt, dass ich durch geschicktes – oder eher dämliches – Fragen die Leute dazu bringe, sich selbst total zu blamieren.  

Damals hast du bierernst den Kulturstaatsminister Bernd Neumann gefragt, was die CDU dagegen tut, wenn bald das Internet voll ist.

Wenn er ein bisschen smarter gewesen wäre, hätte er gelacht oder gesagt „Jaja, deine Mudder“. Hat er aber nicht.   

Dämliche Fragen sind schon irgendwie dein Markenzeichen, oder?

2004 habe ich meine ersten Straßenumfragen für MTV gemacht, schon damals wollte ich als mein Markenzeichen etablieren, dass ich die Leute nicht bösartig vorführe. Natürlich kommt es vor, dass einer ein bisschen dumm aussieht, das ist dann aber wie im Fall von Bernd Neumann wirklich auf seinem eigenen Mist gewachsen. Wenn man ganz dumme Fragen stellt, sieht man dabei selbst ein bisschen dumm aus und stellt sich nicht über die Leute, das mag ich ganz gerne. Richtig gemein verarscht oder hinterher noch blöd kommentiert habe ich noch nie. So wie die Interviews geführt werden, werden sie auch immer ausgestrahlt. Ich muss da sehr vorsichtig sein. Ich lebe ja auch davon, dass Leute manchmal lustig aussehen.  



Deine Videos über
Guttenberg oder das Dschungelcamp sind schon richtige Klassiker von dir. Sobald diese Themen wieder in den Medien sind, werden deine Videos wieder auf Facebook verlinkt. Wie erlebst du das?
Ah toll, das war mir nicht bewusst, aber auf Youtube hat der Ruhm auch etwas Nachhaltiges. Wenn die Frau von Jürgen Drews in einer Fernsehshow ihre Dinger auspackt und Muttermilch rumspritzt, dann haben das nicht einfach bloß 200.000 oder 300.000 Leute im Fernsehen gesehen. Nun sollte man seine Muttermilch am besten gar nicht ins Fernsehen bringen, aber auf Youtube kann man das wie in einem Fotoalbum immer wieder ankucken.  

Machst du das manchmal?

Ja, schon.  

Was hältst du für dein gelungenstes Video?

Das war noch bei Harald Schmidt, da habe ich „Jingle Bells“ auf den Glocken der Chippendales gespielt, die waren von hinten zu sehen und ich war der Dirigent, immer wenn ich auf einen gezeigt habe, musste der mit dem Po wackeln. Hinterher haben sie dann so ein Klingeln drauf gelegt, als ob seine Eier klingeln. Das fand ich sehr schön. Ich mochte bei Harald Schmidt auch mein Video mit der Jugendsprache sehr gern. Da war ich auf der Jugendmesse und habe die Leute in Jugendsprache interviewt. Da ist mir der regierende Bürgermeister von Berlin ins Messer gelaufen, das ist mir seitdem nicht mehr gelungen. Der hat genau das gesagt, was ich hören wollte. Ich habe ihn gefragt, „welche Emotions gerade sein mind moven, ob er sich flowing, chilling oder depressing“ fühlt. Er sagte „moving“.  

Weiter Seite 1 2


Neue Magazin-Texte:

Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!

Textoptionen
Mehr Texte von
kathrin-hollmer
Mehr Texte zum Label
Interview
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Fehler gefunden?
Report an Error
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
Kommentar

speichern
Mehr lesen:

Jetzt-Mitglied

kathrin-hollmer offline

kathrin-hollmer

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.


München