02.02.2012 - 00:58 Uhr

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Ein Tag mit der Sonne

Text: Gesternleben

Er kneift die Augen zusammen und versteckt sich hinter der Sonnenklappe seines Wagens. Verbissen klammern sich seine Hände an das Lenkrad. Die Sonne strahlt so hell und heiß, als ob sie die Erde verbrennen wollte. Doch er ist unterwegs. Auf der Suche nach ihr, obwohl er sie schon gefunden hat. Sie , sein Leben, seine Liebe. Jeder Gedanke gilt ihr, so wie er jetzt die gleißend helle Sonne nicht aus seinem Blickfeld verbannen kann. Kurze, flüchtige Blicke zur Seite zeigen ihm, dass die Sonne mit dem Umland so viel zärtlicher umgeht. Sanft streichelt ihr Licht die Berge, Wiesen und Täler. Fast wie ein Kuss.
Er flüchtet vor ihr, seinem Leben, seiner Liebe, in der Hoffnung auf ein neues Leben. Sein Ziel kommt näher, seine Gedanken bleiben. Er bekommt Angst vor der Sonne und ihrem blendenden Licht. Was wenn er etwas übersieht?
Ein Auto rast links an ihm vorbei. Er sieht es erst, als es vorbei ist. Kurz darauf wird es von der Sonne verschluckt. Der Himmel ist eigentlich blau an diesem Tag, doch die Sonne färbt ihn für ihn rot.

„Warum?“, denkt er. Sie hat ihn nie gekannt. Sie war sich selbst so wichtig, dass kein Platz mehr war. Dieses Rot erinnert ihn an sie, ihr Leben und das letzte Gespräch mit ihr. Er kann sich die einzelne Träne auf seiner Wange nicht eindeutig erklären. Ist die Sonne schuld, mit ihrem hellen Licht? Oder doch sie?
Trotz der Sonne, trotz ihrem Licht, dass kaum einen klaren Gedanken in seinem Hirn entstehen lässt, denkt er an sie! Ein Fluch, ein Verdammnis.
Er hat versucht Abstand zu gewinnen, doch muss er nun weit weg um sie zu vergessen. Kann er sie vergessen? Sie hat ihn schon vergessen. Hundertmal, tausendmal. Er redete sich kleine Hoffnungsschimmer ein, doch sie war dort und er hier. Immer schon. Eine neue Stadt, ein neuer Ort des Verdrängens musste her. Sein Zimmer war so bedrückend, so klein und eng geworden. Zu klein für ihn und seine Gedanken. Die Straße wird kürzer, der Ort kommt näher.
„Menschen können vergessen, Orte nicht.“, flüstert er leise und grinst dabei ein wenig. Er hasst Selbstgespräche, doch findet er diesen Gedanken würdig ihn auszusprechen. Diese Tatsache war schließlich der Grund warum er davonlief. Wie ein Kind, dass Angst im Keller hat und schnell die Treppen hinaufrennt um den eingebildeten Schrecken zu entkommen.

Auf dieser, seiner Fahrt, hatte er schon oft mit dem Gedanken gespielt umzukehren. Zurück zu ihr. Ihr, die ihn nicht liebte, ja nicht einmal von seiner Liebe wusste. Es gab eine Zeit, da war sie sein Traum. Nun war sie sein Alptraum. Sein Schrecken im Keller. Sie machte ihn krank und verletzlich.
Er muss endlich anhalten. Er ist schon lange müde. Die ganze Nacht über konnte er nicht anhalten. Das Paket in seinem Kofferraum ließ ihm keine Ruhe.
Er war umgekehrt, zu ihr, um Erlösung zu finden. Doch dieser Wunsch wurde ihm nicht erfüllt. So hatte er sich wieder auf den Weg gemacht, an den Ort, der ihn hoffentlich vergessen lassen würde. Doch je näher er dem Ort kommt, desto mehr dringt der Schmerz in seine Glieder. Er kann sie nicht vergessen. Wer war er, dass er dies einst für möglich hielt? Niemand hält den alltäglichen Schmerz auf, niemand.

Er biegt auf ein entlegenes Feld ab. Er steigt aus, geht zum Kofferraum und öffnet ihn. Das Purpur lässt ihn lächeln. Er macht den Reisverschluss des Stoffsackes auf und blickt ein letztes mal in ihr Gesicht. Es ist tot. Er gibt ihr einen letzten, sanften, seine ganze Liebe ausdrückenden Kuss und verschließt den Sack wieder. Nun nimmt er ihn und wirft ihn auf den Boden. Er steigt zurück in den Wagen und fährt davon.

Das letzte was er von ihr sieht ist das, was in seinem Inneren schon immer die größte Angst war...nichts.



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DixieCulture
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Mag ich Mag ich nicht

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02.02.2012 - 17:36 Uhr
DixieCulture

schön geschrieben

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Gesternleben

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I'm beginning to need all that I can't have/ I'm succeeding to speak like I'm fucking mad/ München,Bamberg