Im Rausch
Aufgrund der Größe meiner Familie zeichnete sich früh die Notwendigkeit eines weiteren Tisches ab, irgendwann damals erfanden wir den Kindertisch. Meistens handelte es sich um den Wohnzimmertisch auf dem statt Kaffe Plastikbecher und Limonade standen.Bis heute existieren diese Kindertische, leider sind wir Kinder inzwischen so groß geworden, dass wir nicht mehr an den Wohnzimmertisch passen und Orangenlimo gegen Kaffe austauschen (so alt, das hinter der Hand schon Wünsche für die nächste Generation geäußert werden), aber noch immer sitze ich am liebsten mit meinen Cousinen und Geschwistern am „Kindertisch“.
Während in anderen Familien an 80. Geburtstagen im Saal gefeiert wird, Lieder umgetextet und Gedichte vorgetragen werden, sitzt meine Familie entspannt und ohne Lampenfieber im Wohnzimmer.
Der Kindertisch amüsiert sich wieder großartig. Ich wage es nicht zu behaupten, dass andere Familienfestivitäten langweilig gewesen wären, aber heute haben wir uns etwas besonderes und ja nennen wir das Kind beim Namen: Etwas wahnsinniges vorgenommen!

Am Ende kann ich mir nur selbst die Schuld für meinen Colakater geben, war ich es doch, die die Idee des umfassenden Kola-Tests zum ersten mal erwähnte!
Als ich eines Nachts nach dem späten Genuss von Kola mit extra Koffein wachlag hatte ich genug Zeit um in meinem Kopf eine Liste die die Überschrift „Colasorten“ trug anzufertigen – und das der Welt mitzuteilen. Der Kindertisch nahm dieses Ereignis dankend zum Anlass eine wissenschaftliche Studie daraus zu machen.
Das am Ende tatsächlich 12 verschiedene Sorten der braunen Brause auf unserem Tisch stehen kommt jedoch unerwartet.
Wir starten mit einer Cola, deren Slogan urbane Kids wie uns magisch anzieht und durch ihren Zebralook auffällt. Jeder kriegt einen Schluck, dann: Hochnehmen, Einatmen, Ansetzen, Schlucken und bar jedem Vergleich erstmal Iiiih sagen. Pah, wir wussten ja nicht was uns noch erwartet.
Während am anderen Tisch der erste Schnaps gereicht wird arbeitet sich auch der Kindertisch zu den harten Drogen vor.
Als Nummer vier von zwölf eine Cola in Grillanzünderoptik (und nur dass es noch nicht als solcher benutzt wurde heißt nicht dass es nicht möglich wäre) auf den Tisch kommt fühle ich bereits die erste offensichtliche Rebellion meiens Körpers dieses Liquid in mich aufzunehmen. Manche sprechen auch von einem natürlichem Schutzmechanismus. Ich besiege meine Speiseröhre und nehme einen tiefen Schluck. Zu tief. Der Geruch hätte mehr als gereicht. Ich kann mir niemanden (ausgenommen eine Gruppe Wahnsinniger auf einem 80. Geburtstag) vorstellen der sich das freiwillig zumuten möchte. Nur um die Sicherheit aller zukünftigen Teilnehmer von Shows in denen sich zur Belustigung der beängstigend breiten Masse andere Menschen quälen müssen und deren Finale am heutigen Abend läuft zu gewähren werde ich den Namen dieses Gebräus nicht preisgeben!
Obwohl der Blutgehalt in meinem Koffein schon deutlich gesunken sein muss kann ich noch keine Veränderungen feststellen. Im Gegenteil scheinen wir nach der Unterbrechung des Experiments durch den Aufruf zum Familienfoto in Folge von extremer Müdigkeit (!) kaum noch fähig das Experiment frotzusetzen, aber vor und für wissenschaftliche Erkenntnisse darf man seine Augen und...ähm...Mägen nicht verschließen!
Also trinkt! Trinkt! Trinkt! Weiter mit Brause die stark nach aufgelösten Colafläschchen schmeckt, Bio Brause ohne Stabilisator (O-Ton G.: Achtung, der ist ohne Stabilisator, da fallt ihr um wenn ihr die trinkt!) und Brause die den maximalen Effekt durch die Dopplung von Kaffe und Cola verspricht.
Wir schrecken nicht zurück, auch nicht als J. fallen lässt das sie keinen Unterschied mehr wahrnehmen könne. Auch nicht, als ich Schwierigkeiten habe mich noch gerade auf meinem Stuhl zu halten. Welche Erlösung als Nummer zwölf endlich aus unseren Gläsern verschwindet!
Ich schätze bei den Mengen von Koffein die wir alle an diesem abend zu uns genommen haben hätten wir das ganze auch gleich intravenös spritzen können, trotzdem setzt die Wirkung nicht ein. Zumindest nicht bei mir. Im Gegenteil: Schläfrigkeit breitet sich aus, ich liege keine zwanzig Minuten wach bis ich in einen Elfstündigen Tiefschlaf falle.
Als ich erwache ist vom gestrigen Abend nicht mehr als ein flaues Gefühl im Magen geblieben das nicht verschwinden will. Ich leide den Colakater. Ich wähle die gemäßigten Sonntagsaktivitäten Sofa, Besuch bei der anderen Oma und Lesen um dabei gemächlich auszunüchtern. Glücklicherweise hat besagte Oma keine Cola im Haus, damit habe ich für's erste abgeschlossen!
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lottachen sagte:
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(bei uns gibt es auch so einen kindertisch)
Genau das wollte ich auch anmerken. Interessant, dass das so ein weit verbreitetes Phänomen ist : )








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29.01.2012 - 17:22 Uhr
lottachen
(bei uns gibt es auch so einen kindertisch)