Ein Leben für den Hulk
Text: suesswarenabteilung
Bämbääm macht es in meinem Kopf, es blitzt, es donnert, so muss es sich für Bruce Banner anfühlen, wenn er zum Hulk wird. Die Energiequelle sendet kleine Ströme aus der Magengegend in die letzten Ecken meines Körpers, bis unter die Zehnägel, sogar die sonst so aalglatten Wimpern biegen sich. Ich strecke meine Arme aus, meine Füße zeichnen Kreise im imaginären Sand und mein Lachen pflanzt bunte Blumen in den Schnee, der leise fällt. Ich bin die Sonne, ich bin die Musik, wie ein Orkan reiße ich alles mit, erst hoch, dann runter, dann wieder hoch. So viele Gesichter überall, sie alle sind das Publikum, alleine, zusammen, sehen sie mich an auf meiner Bühne. Nur Platz für mich, nur ich für den Platz. Die Leute lachen, sie klatschen in die Hände, sie sehen mich an. Die Filmrolle hakt, der Applaus wird dunkel, die Gesichter verzerren sich, sie wenden sich ab. Die Hand vorm Mund, der Blick zur Seite geifern sie, sie machen die Blumen grau, den Boden federweich. Meine Knie knicken ein, den Türrahmen im Griff schnappe ich nach Luft und gleichzeitig nach Wasser, ich will lieber ertrinken, um das Feuer in mir löschen, den Hulk ersticken, denn er ist nicht echt. Denn das alles ist nicht echt. Nicht, weil ich mir diese Revolution im Club für ein paar Scheine besorgt habe, sondern weil der Ursprung all dessen in mir drin steckt. So tief drin, dass mein inneres Navi mich im Kreis gen Abgrund lenkt. Der Weg da raus ist unbezahlbar. Der Preis ist unkontrollierbar, nicht verhandelbar, er folgt keiner Angebots- und Nachfragelogik. Im Gegenteil, er bestimmt sie. Ich nehme, wenn er mir gibt und er nimmt mir, wenn ich nicht mehr geben kann. Die Kraft, um den Strom umzuleiten, die habe ich schon lange nicht mehr. Sowas kauft man nicht. Das lebt man. Das lebt einen.