Internet für Anfänger und Politiker
"Wie das Internet funktioniert" heißt die Broschüre, die die "Digitale Gesellschaft" veröffentlicht hat und die in einfachen Worten und Bildern das Internet erklärt. Sie soll nun an alle Bundes- und Landtagsabgeordneten verteilt werden.
Wenn Angela Merkel uns in einem Videopodcast verkündet, das Internet sei „mit Sicherheit keine Modeerscheinung", dann wirkt das etwas unbeholfen. Und die „CDU Medianight", die doch eigentlich beweisen sollte, wie jung und vernetzt die alte Volkspartei ist, erlangte durch den Besuch der Extra3-Reporterin Caro Korneli und Kulturstaatsminister Neumanns gestammelte Lösungsvorschläge für ein „volles Internet" traurige Berühmtheit. Allein diese zwei Beispiele und der jüngste Wahlerfolg der Piratenpartei beweisen: Wenn es um deutsche Politiker und ihre Internetkompetenz geht, dann ist die Häme nicht weit und der Wunsch nach mehr Politikern, die etwas von der Sache verstehen, sehr groß.Die Digitale Gesellschaft will dafür sorgen, dass sich in dieser Hinsicht in Zukunft etwas ändert. Denn das erklärte Ziel des Vereins – eine nutzerfreundliche Netzpolitik, die mit den Bürgerrechten im Einklang steht – lässt sich natürlich nur erreichen, wenn die politischen Machthaber verstehen, worum es bei diesem Internet eigentlich genau geht. Darum hat man das Problem bei der Wurzel gepackt und diesen Mittwoch die Broschüre „Wie das Internet funktioniert" veröffentlicht. Sie wurde von der Digitalen Gesellschaft in Zusammenarbeit mit European Digital Rights verfasst und soll „unseren EntscheidungsträgerInnen und Interessierten einen Überblick über das Internet und Internettechnologien geben". Auf 24 Seiten werden, so das Versprechen, „einige Schlüsseltechnologien des Internets in verständlicher Sprache" erklärt.

Vom grundlegenden Kapitel „Das Internet" mit der Definition „Ein Netzwerk aus Computer-Netzwerken", über „E-Mail und E-Mail-Sicherheit", „Die Suchmaschine" und „Cloud-Computing", bis hin zu „Social Media" wird alles kurz und knapp, ohne viel Fachjargon und oft mithilfe kleiner Grafiken erklärt – ohne, dass man sich beim Durchlesen völlig von oben herab behandelt vorkommt. Das ist gut so, denn immerhin will die Digitale Gesellschaft nach eigener Aussage die Internetkompetenz der Politiker fördern, „anstatt weiter darüber Witze zu machen oder zu meckern". Man kann zwar spekulieren, ob hinter dem Cover mit Rechnern darauf, die unter anderem mit drei Bananen vernetzt sind, nicht doch ein kleiner Seitenhieb versteckt ist. Aber selbst wenn, dann immerhin ein recht kumpelhafter.
Eine Broschüre, die man sich als PDF herunterladen kann, bringt allerdings nichts, wenn man auch die erreichen will, denen das Internet immer noch relativ fremd ist. Darum will die Digitale Gesellschaft das Informationsmaterial drucken und flächendeckend verteilen, an alle deutschen Bundes- und Europaparlamentsabgeordneten, in allen Länderparlamenten und an die Medien. Um den Druck und die Verbreitung einer so hohen Auflage zu finanzieren, bittet der Verein um Spenden und sucht Helfer in allen Landeshauptstädten. In den Kommentaren haben sich schon die ersten Freiwilligen gemeldet und kritische Leser Verbesserungs- und Vereinfachungsvorschlägen geäußert. Damit am Ende auch wirklich jeder versteht, wie das Internet funktioniert.
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Beispiel E-Mail: Dort sieht man eine Verbindung zum eigenen Mail-Server. dann das Internet zwischen eigenem und fremdem Mail-Server und schließlich eine dirkte Verbindung zum Adressaten. Hat man seine E-Mail z.B. bei hotmail.com, dann ist auf dem Weg zum eigenen Server bereits das Internet von belang. Ist der Adressat dagegen auch bei hotmail.com, dann verlässt die E-Mail gar nicht den Server.
Weiter wird zwar bei der personalisierten Werbung davon geredet, dass man, wenn man nach etwas sucht z.B. Fußball, zwar Wervung dazu bekommt, der umgekehrte und auch mögliche Weg, nämlich dass man evtl. keine Werbung zu billigen Unfallversicherungen bekommt, weil man nach Gleitschirmfliegen sucht, gar nicht angesprochen. Und vielleicht bekommt man diese Werbung auch nicht, weil man einen Freund hat, der das sucht. Ja möglicherweise bekomme ich soagr bei einer Internet-Anfrage ein schlechteres Angebot. So lange das nicht offen gelegt ist, muss auch der negative Fall angenommen werden.
Viel wichtiger erscheint mir aber, dass zwar die technischen Dinge in einer Tiefe erklärt werden, die nicht unbedingt notwendig sind, aber nicht die Konsequenzen daraus. Mal einige Beispiele:
Der Unterschied zwischen Online- und Real-World-Freunden.
Was die Suchmaschinene google für Auswirkungen auf die Gestaltung von Inhalten hat.
Oder wie Phishing funktioniert.
So setzt das Ganze recht technisch auf, liefert aber nicht wirklich hilfreiche Ansätze für Leute, denen die Technik eigentlich unwichtig ist. Ich würde mal sagen, das haben Männer gemacht.
Das Verstehen mag dann da sein, das Verständnis fehlt weiter.
Digital_Data
Und das ist auch genau das Problem der Politiker. Die sind durch Parteikarriere daran gewöhnt, nur das erwünschte und in des Gegenüber Konzept passende zu sagen, und auch nichts unerwüschtes zu hören. Im Internet nimmt darauf niemand Rücksicht, und darum empfinden ALLE Politker es als Feindesland. Sie sind gedrillt auf Profilneurose, und das ist INKOMPATIBEL.
Wenn jemand etwas nicht versteht, erklärt man es ihm. Wer das als herablassend empfindet, möge weiter in der eigenen Ignoranz schmoren und hat es auch nicht besser verdient.
alcofribas sagte:
Diese Leier von den "Internetausdruckern" wird auf Dauer auch langweilig.
Würde Ihnen ja zustimmen, nur lässt die Tagespolitik leider keine Gelegenheit aus, diese Leier zu bestätigen!
"Digital_Data" schreibt, dass man sich besser auf soziale Phänomene, wie z.B. Social-Media Freunde vs. Echte Freunde etc. beschränkt.
Das ist sicher eingängiger für Internet-Laien, da greifbarer, aber häufig besteht ja das Problem gerade darin, dass nur die eingängigen Dinge aufgenommen werden und die Technik komplett ignoriert wird.
Dann greifen Politikern zu den Metaphern, die man für solche Beschreibungen immer benutzt und schon haben wir den Axel E. Fischer-Salat: Stoppschilder auf der "Datenautobahn", Vermummungsverbot bei "digitalen Demonstrationen", Sendezeiten für "Fernsehen im Internet" und so weiter...
Es ist gut, wenn gerade Politiker sich bewusst werden, dass "das Internet" nicht nur aus dem WWW besteht, auch wenn das der bei weitem beliebteste Dienst ist!
Für mich ist das so wie einem Obdachlosen etwas Geld zuzustecken anstatt ihn auf sein Recht auf Sozialhilfe hinzuweisen. Macht schon etwas Sinn, geht aber an dem vorbei wie das System eigentlich funktionieren sollte. (Vielleicht kauft sich der Obdachlose aber auch lieber etwas Schnaps für das Geld, bzw. vielleicht kommen Politiker ja durch die Broschüre auf die Idee das man doch in diesen rechtsfreien Raum noch mehr eingreifen sollte, geht doch auch mit DPI ;-)
Alternativvorschlag: macht doch lieber mal für Ingenieure wie mich (die genau wissen wie das Internet funktioniert) eine Broschüre wie Politik funktioniert, bzw. für was wir Politiker wie Gutti und Wulff brauchen. Da ist noch wesentlich mehr Handlungsbedarf, und außerdem sind wir der Souverän, nicht irgendwelche schlechtausgebildeten Politiker ...








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25.01.2012 - 18:35 Uhr
alcofribas
"Wenn es um deutsche Politiker und ihre Internetkompetenz geht, dann ist die Häme nicht weit und der Wunsch nach mehr Politikern, die etwas von der Sache verstehen, sehr groß."
dann:
"Darum hat man das Problem bei der Wurzel gepackt und diesen Mittwoch die Broschüre „Wie das Internet funktioniert" veröffentlicht."
Ist natürlich komplett hämefrei, wenn man ein Heftl "Internet für
DummiesPolitiker" produziert, da man erstmal grundsätzlich annimmt, dass die von "diesem Internet" nichts verstehen. Also, außer den Piraten natürlich. Diese Leier von den "Internetausdruckern" wird auf Dauer auch langweilig.