Zwei Dinge sind Zeichen von Schwäche: Schweigen, wenn man reden müßte, und sprechen, wenn man schweigen sollte!
Die Unterhaltung mit meinem Badezimmerspiegel liegt jetzt ungefähr ein Jahr zurück. Ich erinnere mich, es war ein Freitag gegen Elf und ich musste dringend weg.„Hey!“, sagte er auffällig munter, „Lange nicht gesehen!“
Das irritierte mich. Und ärgerte mich ein wenig, zugegebenermaßen. Es war ungeschriebenes Gesetz, dass wir nicht miteinander reden. Ich meine: Was sollte es auch für einen Grund dazu geben?
„Stimmt!“, murmelte ich also säuerlich, „Geht’s gut?“
Es folgte ein längeres Schweigen.
„Also?“, fuhr ich ungeduldig fort, „Was ist dein Problem?“
„Ach.“, sagte der Spiegel.
„Nee, wirklich! Spuck’s aus, ich habe keine Zeit!“
Er schaute nur.
„Gut!“, begann ich seufzend und holte tief Luft.
„Du hängst hier rum und bist uns wirklich von Nutzen. Tut mir leid, wenn ich das nicht oft genug erwähne! Jemand putzt dich mehr oder weniger regelmäßig, Leute schauen vorbei, hin und wieder passiert etwas, wie ein Smylie aus Zahnpastaschmiere und dass deine rechte untere Ecke schon ein bisschen silbern ist, mit schwarz, macht mir wirklich nichts aus, im Gegenteil. Ich meine: Es ist doch alles OKAY! Du gehörst zum INVENTAR!“
„Mhh…“, murmelte der Spiegel.
Dann musste ich leider weg.
Aber seitdem ist alles anders.
Und jeden Morgen, wenn ich ins Bad komme, schweigt er auf's Neue. Sein verdammtes, elendiges, trotziges Schweigen. Und schweigt und schweigt und schweigt.
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25.01.2012 - 15:37 Uhr
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