16.01.2012 - 17:46 Uhr

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Mauer.

Text: octopussy

"Etwa 73.000 HIV-Infizierte leben in Deutschland, mehr als je zuvor. Jedes Jahr kommen fast 3000 neudiagnostizierte Fälle dazu."

Das lese ich eben gerade auf einem Link der Aids-Hilfe Hamburg, die Spiegel-Online zitiert. Dieses Zitat ist Sinnbild für mich. Am Donnerstag beim Abendessen stieß mir die Kondom-Diskussion von hier wieder auf und ich erzählte davon und ich weiß gar nicht, wie wir überhaupt drauf kamen. Was ich als Gegenmeinung hörte, erschreckte mich.
Schon vorher hatte ich mich gefragt, was das Festhalten an der Einladung zum Abendessen überhaupt soll, weil wir uns nichts mehr zu sagen haben. Aber er hielt dran fest und freute sich auf und über den schönen Abend.
Als dann das HIV-Thema auf dem Tisch war meint er, dass es ja weitaus schlimmeres gäbe als Aids. Aids würde die Menschen nicht hinwegraffen wie manch andere Krankheit. Tuberkulose zum Beispiel. Aids sei nur ein geniales MarketingDing. Es sei gar nicht gefährlich. Mir wird schlecht, was ich überspiele und mein Magen verdreht sich aber um so mehr, wenn ich dran denke bis vor ein paar Monaten noch mit diesem Mann Sex gehabt zu haben. Ohne Kondom. Weil wir beide getestet waren.
Die Mauer, die ich ihm gegenüber aufgebaut habe, wird nun von einer dicken Eisschicht überzogen. Ich lenke um auf ein anderes Thema, weil ich sonst einfach auf den Tisch brechen würde und wir plänkeln noch so rum. Rum ist dann auch das letzte, was wir zusammen trinken. Angewärmt. Er steigt in die Nase und spielt sanft mit dem Gaumen.
Er spielt weiter den Unterhalter, der so gar nicht unterhält, ich spiele das Spiel mit und bald kommt die Rechnung. Draußen fährt sein Bus gerade vorbei und das heißt, dass er warten muss. Ich habe keine Lust auf gespielte Nähe und sage, dass ich einen anderen Weg gehe - obwohl ich sonst immer den Weg in Richtung nächster Bushaltestelle nehme.
Wir verabschieden uns, und obwohl er mir sicher nachsieht, drehe ich mich nicht nochmal um.
Ich schaue auf die Uhr und sehe, dass es genau langt, meine Ablenkung zum Feierabend zu überraschen. Die Ablenkung freut sich, mich zu sehen, fragt, ob er mich nach Hause fahren soll. Das Auto steht am Liefereingang bereit. Vor uns das Kennzeichen SE-XX 6666. Ich so "oh wow. SEXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX." Er guckt mich an und lacht und meint "Da hat wohl einer großen Bedarf."
Parkplatz in meiner Straße vor der Tür. Ich bin schüchtern. Weiß um seine Gefahr, aber auch, dass er immer für mich da ist. Erst quatschen wir ein bisschen, dann meint er "komm mal her." und küsst mich. Wir knutschen. Ich immer wieder leicht auf der Flucht, weil er mich zu verschlingen droht. Aber es tut gut und er kennt meine Schwachstelle. Ich kann mich nicht fallen lassen, aber die Ablenkung funktioniert. Wir gucken uns an. "Und?" - "Hm."
Am nächsten Tag kommt ein SMS, er will mich Wiedersehen. Mit Zeit. Ob ich auch will?

Ich weiß noch nicht.


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2 Kommentare

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Eigarlaus
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Mag ich Mag ich nicht

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24.01.2012 - 10:55 Uhr
Eigarlaus

SMS? Wie unromantisch...

phili
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Mag ich Mag ich nicht

1

07.02.2012 - 21:03 Uhr
phili

guter text
wärmt

und erinnert mich an alte zeiten, als se-x und se-xy die gängigen kennzeichen waren


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octopussy

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Madame O
...nnll...